snowboard 11.03.2020

Markus Baechler zeigt, was mit einer neuen Lunge alles möglich ist

2014 musste Markus Baechler wegen einer Cystischen Fibrose eine Lunge transplantiert werden. Vor einigen Tagen gewann der Snowboarder an den World Transplant Winter Games in Kanada zweimal Gold.

«Meine Frau hat damals mitbekommen, dass es Sommerspiele für Transplantierte gibt. Es war jedoch keine Sportart dabei, die etwas für mich war», erinnert sich Markus Baechler. Dann aber seien sie auf die bevorstehenden World Winter Transplant Games im Wallis aufmerksam geworden, die 2018 in Anzère geplant waren. «Da wollte ich auf jeden Fall dabei sein.» Gesagt, getan. Im Riesenslalom und im Parallelslalom holte der 39 Jahre alte Snowboarder aus Ried bei Kerzers gleich zweimal Silber. Auf den Geschmack gekommen, reiste der Freiburger Ende Februar zusammen mit seiner Frau und dem sechsjährigen Sohn nach Kanada, um in Banff an den 11. World Winter Transplant Games teilzunehmen, wo er seine Resultate von vor zwei Jahren mit zwei Goldmedaillen toppte.

Ein Geschenk

«Im Herzen bin ich ein Snowboarder, die Resultate sind deshalb auf jeden Fall wichtig», erklärt Beachler, der sich in seinen Disziplinen gegen rund 15  Konkurrenten durchsetzen konnte. Aber natürlich sei das Zusammentreffen mit anderen Transplantierten nicht weniger wichtig. «Es waren Athleten aus 20 Ländern am Start, das macht es sehr, sehr interessant.» Baechler war einer von insgesamt sieben Sportlern, die die Schweiz in Kanada vertreten haben.

Dem Besitzer eines Sportgeschäfts wurde als Zweijähriger eine Cystische Fibrose diagnostiziert. «Das ist eine Erbkrankheit, die bei mir hauptsächlich die Lunge betraf.» 2013 ging bei Baechler dann fast nichts mehr. «Das Lungenvolumen lag unter 20 Prozent. Im Herbst 2013 kam ich auf die ominöse Warteliste der Organempfänger. Ende Februar 2014 fand dann die grosse Operation statt. In der Regel beträgt die Wartezeit für eine Lunge ein bis eineinhalb Jahre. Bei mir dauerte es drei Monate – das war ein grosses Glück.» In Gedanken ist Baech­ler oft bei seinem Spender. «Es ist unglaublich, so ein Geschenk bekommen zu haben.»

Einen Monat später am SlowUp

Ein Glück war auch, dass das gespendete Organ sehr gut gepasst und funktioniert hat. «Die Ärzte sagten mir, dass bei der OP alles tipptopp verlaufen sei. Damals konnte ich das noch nicht einordnen.» Heute, wenn er die Geschichten von anderen Transplantierten höre, sei das anders. «Ich selber konnte nach nur vier Wochen bereits wieder beim SlowUp mit dem Rad um den Murtensee fahren. Meine Ärzte in Lausanne hat fast der Schlag getroffen, als ich ihnen davon erzählt habe.» Er könne jetzt im Gegensatz zu der Zeit vor der Operation ein normales Leben führen. Auch wenn das im Vergleich zu völlig gesunden Menschen selbstredend nicht der Fall sei. «Ich muss mich so gut wie alle zwei Wochen einer Kontrolle unterziehen und nehme seit bald 39 Jahren Medikamente ein, das kann nicht gut für den Körper sein.»

Es kann jeden treffen

Trotzdem ist Baechler in der Lage, sportliche Top-Leistungen zu erbringen, wie er an den World Winter Transplant Games bewiesen hat. «Es geht auch darum aufzuzeigen, was nach einer Transplantation alles möglich ist. Die Transplant Winter Games helfen, die ganze Organspendethematik zu den Leuten zu bringen.» Noch immer bewegt sich die Organspenderate in der Schweiz auf einem konstant tiefen Stand und liegt damit im internationalen Vergleich im hinteren Bereich. «Jeder muss für sich selbst eine Entscheidung treffen. Wichtig ist aber, dass man sich entscheidet, ob man Organe spenden will oder nicht», erklärt Beachler, der zugibt, dass er ein Nein zur Organspende nicht verstehen kann. «Es kann jeden treffen. Einer der deutschen Snowboarder etwa war 40 Jahre lang völlig gesund. Eines Morgens kurz vor Weihnachten ist er mit grau gefärbter Haut aufgewacht. Der Arzt eröffnete ihm, dass er eine neue Leber brauche, oder aber er überlebe Weihnachten nicht. Es kann brutal schnell gehen.» Die Menschen seien egoistisch geworden, hadert Baechler. «Selbstverständlich ist es ein schwieriges Thema, niemand spricht gerne über den Tod. Doch was bringt es, seine Organe von den Würmern fressen zu lassen?»

Angst vor dem Coronavirus

Die Frage von Egoismus und Verantwortung gegenüber den Mitmenschen sind diese Tage und Wochen aufgrund der Coronavrirus-Epidemie – die insbesondere ältere und geschwächte Menschen akut gefährdet – aktueller denn je. «Es ist zurzeit brutal schwierig», sagt Markus Baechler. «Man weiss nicht, woran man ist. Ich nutze Desinfektionsmittel wie noch nie zuvor.» Noch habe er sich nicht isoliert und sein Sohn gehe normal in den Kinderarten. Er mache sich aber grosse Sorgen. «Die Teilnahme an den World Transplant Winter Games stand auf der Kippe. Damals wütete die Krankheit aber vor allem im Osten, in Italien fing es gerade erst an, und Kanada ist weit entfernt. Einmal dort, wurde es aber jeden Tag schlimmer. Der Heimflug war mühsam und mit Angst verbunden. Insgeheim hatten wir gehofft, dass die Schweiz die Grenzen zumacht und wir drüben bleiben können. Aber als Schweizer mussten wir ­zurück.»