Ski alpin 27.03.2020

Der Freiburger, der die Streif gewinnen will

Will zum regelmässigen Weltcup-Fahrer avancieren: Alexis Monney.
Keystone
Er war keine zwei Jahre alt, da stand Alexis Monney bereits auf den Skiern. Als 20-Jähriger feierte der Freiburger aus Châtel-St-Denis nun seinen bisher grössten Erfolg, als er Junioren-Weltmeister in der Abfahrt wurde. Startet er bald auch bei den Erwachsenen durch?

Kombinationsgold und Abfahrtssilber bei den Schweizer Meisterschaften der Junioren, Gold in der Abfahrt der Junioren-WM: Alexis Monney hat eine unglaublich erfolgreiche Saison hinter sich. Hätte nicht das Coronavirus für ein verfrühtes Saisonende gesorgt, wäre der 20-Jährige in Cortina gar noch zu seinem Weltcup-Debüt gekommen. «Diese Resultate hätte ich vor der Saison wohl unterschrieben», sagt Monney im Telefongespräch mit den FN und lacht. «Im Ernst: Vor allem der WM-Titel war eine grosse Überraschung für mich, das hatte ich überhaupt nicht erwartet. Erst recht, weil es mir in der Saison zuvor nicht nach Wunsch gelaufen war.»

Verbesserte Technik

Auf diese Saison hin hat Monney deshalb einige Dinge angepasst, sich etwa neue Skischuhe angeschafft. «Zudem war meine Technik nicht gut genug. Da habe ich mit meinen Trainern daran gearbeitet. Zum Beispiel war mein Becken immer zu weit hinten.» Alles zu hinterfragen war die richtige Herangehensweise. Das bewies spätestens der alles überstrahlende WM-Titel vor knapp drei Wochen im norwegischen Narvik. Wie fühlt es sich an, sich plötzlich Weltmeister nennen zu können? «Überraschend, irgendwie doch ein wenig merkwürdig – aber natürlich toll.» Es ist ein Erfolg, der Monney mit Sicherheit in den nächsten Monaten Türen öffnen und das Leben erleichtern wird. «Natürlich machen solche Erfolge zum Beispiel die Suche nach Sponsoren leichter.» Und auch im mentalen Bereich sei der Titel hilfreich. «Er zeigt mir, dass alles möglich ist. Auf keinen Fall darf ich mich jetzt zurücklehnen, vielmehr ist es eine Motivation, noch härter zu arbeiten. Denn was ich ebenfalls weiss: Im Sport ist sowohl im Guten wie im Schlechten vieles möglich.»

Wie schnell alles gehen kann, zeigt das Beispiel der letzten Junioren-Weltmeisterin aus dem Kanton. 2010 gewann Andrea Thürler Gold im Super-G. In den Jahren darauf konnte die Jaunerin die in sie gesetzten Hoffnungen allerdings nie richtig erfüllen, auch weil sie immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde. 2015 trat sie im Alter von 22 Jahren vom Spitzensport zurück.

Doch selbstverständlich gibt es genügend positivere Beispiele. Marco Odermatt etwa, der bei der Junioren-WM vor zwei Jahren Abfahrtsgold gewonnen hatte, hat diesen Winter im Super-G von Beaver Creek nun auch bereits sein erstes Weltcup-Rennen gewonnen. Ist es realistisch, dass auch Alexis Monney in zwei Jahren bereits um Weltcup-Siege mitfährt? «Nicht wirklich. Marco Odermatt ist ein Ausnahmetalent. Er gewann bei der Junioren-WM damals nicht nur die Abfahrt, sondern holte gleich fünf Goldmedaillen.»

Es winkt das B-Kader

Monney will sich selbst nicht zu viel Druck auferlegen. Auf die Frage nach seinen nächsten Zielen bleibt er vage. «Darüber habe ich noch nicht gross nachgedacht. Ich will vor allem ganz einfach weiterhin Spass haben.» Resultatmässig werde es nächste Saison darum gehen, im Europacup bessere Platzierungen zu erreichen. Auf der zweithöchsten Stufe nach dem Weltcup war ein 13.  Rang in der Kombination von Sella Nevea sein bestes Resultat des Winters.

Klar ist: Für den jungen Athleten aus Châtel-St-Denis steht ein entscheidender Moment seiner Karriere an. Seine Ausbildung am Nationalen Leistungszentrum (NLZ) in Brig wird er in den kommenden Wochen beenden. Danach sucht er in der Region Châtel-St-Denis, wo Monney noch bei seinen Eltern wohnt, eine Stage-Stelle als kaufmännischer Angestellter. «Ich will weiterhin auch neben dem Skifahren etwas machen, damit ich auf jeden Fall etwas in den Händen habe – aber auch, um den Kopf von Zeit zu Zeit freizubekommen.»

Bisher gehörte Monney noch keinem Kader von Swiss Ski an. Er geht aber davon aus, dass er bei den nächsten Selektionen, die im April stattfinden dürften, gleich den Schritt ins B-Kader schaffen wird. «Mit meinen Titeln sollte das normalerweise klappen.»

Der Traum von Kitzbühel

So vorsichtig Monney bei seinen kurzfristigen Zielen bleibt, so ambitioniert klingen seine langfristigen. «Ich will ein regelmässiger Weltcup-Fahrer werden. Mein Traum ist es ehrlich gesagt, einmal die Abfahrt in Kitzbühel zu gewinnen.» Passenderweise ist Didier Cuche, mit fünf Siegen in Kitzbühel Rekordhalter, sein Vorbild. Das Hahnenkamm-Rennen auf der legendären Streif gilt als der vielleicht härteste Wettkampf im Skizirkus.

Monney, der in seiner Freizeit gerne Mountainbike fährt und in den Bergen wandert, mag Herausforderungen – erst recht auf der Skipiste. Der kleine Alexis war keine zwei Jahre alt, als er zum ersten Mal auf den Skiern stand. «Ich begleitete meinen Vater nach Les Paccots, er war dort Skilehrer.» Schnell einmal packte den Jungen der Ehrgeiz. «Ich wollte mich mit anderen messen und trat deshalb dem Ski-Club Châtel-St-Denis bei.» Mit acht Jahren absolvierte er seine ersten Rennen, mit 12 wurde er ins Kader von Ski Romand aufgenommen, mit 16 ging er ins NLZ nach Brig. Sein Talent kam seither wiederholt zum Vorschein. Vor zwei Jahren etwa holte er bei den Schweizer Meisterschaften der U18 drei Medaillen, darunter Gold in der Abfahrt.

Bevor er sich aufmachen wird, seine guten Ergebnisse aus der Junioren-Zeit im Erwachsenen-Zirkus zu bestätigen, hat er wie die meisten Menschen in dieser Zeit nun allerdings erst einmal zwei Gänge runtergeschaltet. «Eigentlich fänden um diese Zeit Material-Tests statt.» Das ist mit den Massnahmen gegen das Coronavirus bis auf weiteres allerdings nicht möglich. «Doch das hat auch etwas Positives», sagt Monney mit einem Schmunzeln. «In den letzten Monaten war ich mehr auf der Piste als im Schulzimmer. Nun habe ich endlich einmal Zeit, um zu lernen …»

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Gute Saison für Norina Mooser

Nicht bei allen Freiburger Spitzenskirennfahrern verlief der Winter derart ausgezeichnet wie bei Alexis Monney. Immerhin als ziemlich gut kann die Saison von Norina Mooser bezeichnet werden. Bei den Schweizer Meisterschaften der Juniorinnen holte sich die 19-Jährige aus Charmey im Februar Gold im Slalom und Silber in der Kombination. Pech hatte die Fahrerin des SC Edelweiss Jaun dann bei der Nachwuchs-WM in Narvik: Nach ihrem 29. Rang in der Abfahrt, dem Ausscheiden im Super-G und einem 17. Platz in der Kombination wäre eigentlich noch ihre Spezialdisziplin Slalom auf dem Programm gestanden. Weil die WM allerdings frühzeitig abgebrochen wurde, wurde daraus nichts. Mit Siegen auf dritthöchster Stufe bei den FIS-Slaloms in Adelboden und Flumserberg stellte Mooser ihr Talent in diesem Winter trotzdem immer wieder einmal unter Beweis. Ihr bestes Resultat auf zweithöchster Stufe war der 15. Rang in der Europacup-Kombination in Les Diablerets. Die Greyerzerin hofft nun darauf, dass die Resultate gut genug waren, damit sie ins C-Kader aufgenommen wird.

Passabel verlief der Winter für Pierre Bugnard. Der 27-Jährige aus Charmey, der im Jahr zuvor die Saison verletzungsbedingt komplett verpasst hatte, kam zu zwei weiteren Weltcup-Einsätzen. In Hinterstoder verpasste das B-Kader-Mitglied von Swiss Ski die erstmalige Qualifikation für den zweiten Lauf nur um 42 Hundertstelsekunden. Im Europacup war sein bestes Resultat der vierte Rang im norwegischen Trysil.

fm