Volleyball 15.04.2020

Volero bastelt an NLA-Rückkehr

Gewinnt Stav Jacobi künftig wieder mit Volero Zürich in der Schweiz Medaillen?
Die Volleyball-Organisation Volero kehrt mit grossen Plänen in die Schweiz zurück. Mit der Verpflichtung von Laura Koutsogiannakis unterstreicht der umtriebiger Präsident Stav Jacobi seine Ambitionen.

Die Volleyball-Organisation Volero und ihr umtriebiger Präsident Stav Jacobi haben vor einer Woche bekannt gegeben, dass sie in die Schweiz zurückkehren. Der gebürtige Russe, der mit Volero Zürich die NLA der Frauen von 2005 bis 2018 praktisch nach Belieben dominiert hatte und vor zwei Jahren mit seinen Spielerinnen an die Côte d’Azur gezogen war, will neben seinem Team Volero Le Cannet in der Nationalliga B ein neues Volero Zürich aufbauen. Gestern nun hat Jacobi verdeutlicht, dass er es ernst meint mit seinen Ambitionen: Mit Laura Koutsogiannakis – vor ihrer Heirat Unternährer – hat er eine sehr erfahrene Nationalspielerin engagiert.

Vorzeitiger Abgang bei Kanti Schaffhausen

Über acht Jahre lang gehörte Koutsogiannakis dem Profikader von Volero Zürich an, ehe sie nach einer Saison in Frankreich beschloss, in die Schweiz zurückzukehren. Auf die Saison 2019/20 hin hatte die 26-Jährige beim NLA-Verein VC Kanti Schaffhausen einen Zweijahresvertrag unterzeichnet. Nach nur einer Spielzeit geht das Engagement von Koutsogiannakis beim Team von Nicki Neubauer nun aber vorzeitig zu Ende – Jacobi hat die Aussenangreiferin aus dem noch laufenden Vertrag mit Kanti «herausgekauft».

Bereits Anfang Monat war Koutsogiannakis mit der Bitte an ihren Verein herangetreten, ihren Vertrag vorzeitig aufzulösen. Nach einer längeren Bedenkzeit haben Präsident Heinz Looser und der Kanti-Staff dem Begehren entsprochen. Damit ist der Wechsel nun offiziell, und Koutsogiannakis kann nach ihrem einjährigen Abstecher wieder den «Purple Dress» von Volero tragen und in der Saison 2020/21 in der Nationalliga B auf Punktejagd gehen. Der Fokus des Projekts von Stav Jacobi, das in Kooperation mit Züri Unterland umgesetzt wird, bei dem Koutsogiannakis’ Ehemann Präsident ist, liegt zwar auf dem Nachwuchs. Dass aber durchaus ernsthafte Aufstiegsambitionen vorhanden sind, verdeutlicht der getätigte Transfer.

Volero-DNA

Die Verpflichtung von Koutsogiannakis war für den Präsidenten Jacobi «ein essenzieller Schritt», um dem neuen Volero Zürich das richtige Fundament zu geben. «Laura trägt die Volero-DNA in sich und wird zusammen mit Trainerin Svetlana Ilic und mir dazu beitragen, dem neuen Volero die nötige Basis und Stabilität zu geben», teilte Jacobi, der bei Le Cannet nie ganz glücklich geworden ist, mit. «Laura ist zudem ein Vorbild für viele junge Volleyballerinnen, und ihre Rückkehr soll diese Spielerinnen dazu motivieren, einen ähnlichen Weg einzuschlagen.» Koutsogiannakis hatte in Schaffhausen eine schwierige Saison erlebt. Wegen einer Schulterverletzung verpasste sie zwei Drittel der Qualifikation und konnte erst ab Anfang dieses Jahres voll eingesetzt werden. Dennoch ist der Abgang für Kanti aus sportlicher Sicht ein Verlust.

Die Rückkehrerin selber freut sich darauf, wieder im Volero-Umfeld tätig zu sein und erneut unter der Leitung ihrer Jugendtrainerin Svetlana Ilic zu arbeiten: «Ich habe mich beim VC Kanti Schaffhausen sehr wohl gefühlt, und der Verein hat mich auch während meiner verletzungsbedingten Pause sehr gut unterstützt. Aber Volero Zürich, Stav Jacobi und Svetlana Ilic sind meine Familie, da konnte ich nicht anders, als das Angebot anzunehmen», so die ehemalige Nationalspielerin.

Die Rolle des Headcoachs beim neuen Volero übernimmt die frühere Schweizer Nationaltrainerin Svetlana Ilic. Die Serbin ist in Zürich ein bekanntes Gesicht. Sie war bereits von 2009 bis 2012 als Trainerin der ersten Mannschaft angestellt. Zeitgleich stand die heute 47-Jährige an der Seitenlinie des Schweizer-Elite-Nationalteams. In ihrer Amtszeit gelangen der Nationalmannschaft die Teilnahme am Finalturnier der Europameisterschaft im Jahr 2013 sowie die Rückkehr der Schweiz in das prestigeträchtige Montreux Volley Masters.

Jacobis neues Projekt

Ilic soll Jacobi nun dabei unterstützten, ein Team aus Schweizerinnen zu formen, das in der NLA bald ebenso an die Spitze stürmen soll, wie es das frühere Volero mit Starspielerinnen aus Kuba, Serbien, Kroatien oder Russland getan hat. Die Spielerinnen des neuen Volero stattet Jacobi jedenfalls mit einem Ganzjahresvertrag aus. Dieser ist zwar nicht vergleichbar mit Kontrakten internationaler Spitzenteams, in der Schweiz aber einmalig.

Ob und in welchem Umfang sich Stav Jacobi angesichts seines neuen Schweizer Projekts noch bei seinem aktuellen Team an der Côte d’Azur engagieren will, ist noch offen. Der Präsident hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass er in Le Cannet nie ganz glücklich geworden ist. Er spüre wenig Begeisterung, sei emotional wie eingefroren. Den Traum vom Gewinn der Champions League hat der umtriebige Präsident jedenfalls – zumindest vorerst – ausgeträumt. In Zürich hat Jacobi nun eine neue Aufgabe gefunden, in die er sich wie immer mit viel Herzenblut investieren will.