Volleyball 15.05.2020

Mit Voleros Nachwuchs in den Startlöchern

Setzt nach der Beendigung der Matura voll auf die Karte Volleyball: Noemi Portmann.
Volero Zürich macht sich auf, mit einem neu formierten Team aus Nachwuchsspielerinnen die Volleyball-Schweiz zu erobern. Zur Equipe gehört auch die 19-jährige Noemi Portmann aus St. Antoni. Sie soll als Libera beim Aufstieg in die NLA mithelfen.

«We are back!», stand Anfang April in mächtigen Lettern auf der Homepage von Volero Zürich geschrieben. «Wir sind zurück» – drei kleine Worte, die in der Volleyballschweiz für grosses Aufsehen gesorgt haben. Stav Jacobi und seine Volleyball-Organisation Volero kehren mit grossen Plänen in die Schweiz zurück. Der gebürtige Russe, der mit Zürich die NLA von 2005 bis 2018 dominiert hatte und vor zwei Jahren mit seinen Spielerinnen an die Côte d’Azur gezogen war, will neben seinem Team Le Cannet ein neues Volero in Zürich aufbauen. Eines, das nächste Saison von der NLB in die höchste Liga stürmen soll.

Seine Ambitionen hat der umtriebige Jacobi unter anderem mit der Verpflichtung von Laura Koutsogiannakis unterstrichen. Neben der langjährigen Schweizer Nationalspielerin sollen aber nicht wie früher Starspielerinnen aus Kuba, Serbien, Kroatien oder Russland für den Erfolg sorgen, sondern junge Schweizer Talente.

«Ein Glücksfall»

Eines davon ist Noemi Portmann aus St. Antoni. Die 19-jährige Libera wird nächste Saison als Profi das «Purple»-Trikot von Volero Zürich tragen. Portmann gehörte in den vergangenen zwei Jahren zum erweiterten NLA-Kader von Volley Düdingen, war zuletzt aber an Partnerclub Muri Bern ausgeliehen. Das NLB-Team zieht sich nach einer Saison aber wieder aus der zweithöchsten Liga zurück, weil es nicht genügend Spielerinnen gefunden hat. «Der Club hatte schon diese Saison Mühe, ein Team zusammenzubekommen. Und auch sonst ist dieses Jahr einiges nicht optimal gelaufen, weshalb ich mich nach einem anderen Verein umgeschaut habe», erklärt die Senslerin. Eine Rückkehr zu Düdingen war für Portmann nicht möglich, weil die Liberaposition bei den Power Cats mit Thays Deprati und Flavia Knutti bereits doppelt besetzt ist. «Einer meiner Junioren-Nationaltrainer hatte mir mal gesagt, ich solle mich bei ihm melden, wenn ich einen Club suche. Das habe ich getan. Er wusste, dass Volero eine zweite Libera sucht, und hat den Kontakt hergestellt.» Dass sie nun in Zürich spielen könne, sei ein echter Glücksfall. «Volero ist ein Topclub, hat eine hervorragende Infrastruktur und mit Svetlana Ilic eine Spitzentrainerin. Da werde ich viel profitieren können.»

Ungewohnter Konkurrenzkampf

Zwölf Spielerinnen – zehn Schweizerinnen und zwei Ausländerinnen – gehören aktuell zum Team von Volero. Am Mittwoch hat Portmann ihre Teamkolleginnen kennengelernt und erstmals mit dem Team trainieren können. «Es war speziell, unter den verordneten Sicherheitsvorgaben zu trainieren.» So habe man erst fünf Minuten vor Trainingsbeginn in der Halle sein dürfen, auf einer Feldseite dürften maximal vier Spielerinnen stehen, man müsse zwei Meter Abstand halten und die Bälle regelmässig desinfizieren. «Der erste Eindruck war dennoch sehr positiv. Die Spielerinnen sind alle freundlich, jung und sehr ambitioniert.»

Attribute, die auch auf Noemi Portmann zutreffen. «Ich bin sehr fleissig und ehrgeizig, manchmal sogar zu sehr. Ich will bei allem, was ich mache, perfekt sein und gerate deswegen manchmal ins Strudeln», sagt die Studentin, die im Sommer die Matura beendet.

«Während der Schulzeit war ich sehr vorsichtig und habe die Ausbildung priorisiert. Nun kann ich voll auf Volleyball setzen.»

Noemi Portmann

Volleyballprofi Volero Zürich

Da ihre Zeit am Kollegium Heilig Kreuz zu Ende geht, kann sich die Senslerin ganz dem Sport widmen. «Es ist der optimale Zeitpunkt dafür. Während der Schulzeit war ich immer sehr vorsichtig und habe die Ausbildung gegenüber dem Sport priorisiert. Nun kann ich voll auf die Karte Volleyball setzen.»

«Mein Leben wird sich grundlegend ändern. Ich freue mich sehr darauf, und doch habe ich ein etwas mulmiges Gefühl im Bauch.»

Noemi Portmann

Volleyballprofi Volero Zürich

In den kommenden Tagen wird Portmann das beschauliche St. Antoni verlassen und nach Zürich ziehen, wo sie mit anderen Spielerinnen in einer Vierer-WG wohnen wird. «Weg von zu Hause, keine Schule, nur Volleyball – mein Leben wird sich grundlegend ändern. Ich freue mich sehr darauf, und doch habe ich ein etwas mulmiges Gefühl im Bauch.»

In Zürich wird sich Noemi Portmann erstmals einem richtigen Konkurrenzkampf stellen müssen. Bei ihrer ersten Saison in Düdingen war sie hinter Thays Deprati die zweite Libera gewesen, ohne Aussicht, den Platz als Nummer 1 zu erhalten. Und dieses Jahr war Portmann beim NLB-Aufsteiger Muri Bern als Stammlibera gesetzt. Nun wird sich die 19-Jährige bei Volero mit der ein Jahr älteren Rebekka Merkofer um die Einsatzzeit duellieren müssen. Merkofer hat bereits die vergangenen drei Saisons für Züri Unterland – das künftig als Volero Zürich auflaufen wird – gespielt und hat den Heimvorteil auf ihrer Seite. «Die Trainerin hat gesagt, dass wir auf demselben Niveau spielen», so Portmann. Der Einsatz, die Trainingsleistungen und die spielerischen Fortschritte würden entscheiden, wer zum Zug komme. «Es ist nicht mein Anspruch, immer zu spielen, auch wenn ich es natürlich versuchen werde. Ich kann bei Volero auch sonst viel lernen», sagt die 165 cm grosse Defensivkünstlerin.

Natiaufgebot

Portmann und Volero befinden sich in den Startlöchern. Die momentanen Bedingungen für die Saisonvorbereitung sind zwar alles andere als optimal, aber das mindert nicht die hohen Ambitionen der Zürcherinnen. «Der Aufstieg ist das klare Ziel», sagt Portmann, die ein Aufgebot vom Schweizer Elite-Nationalteam für ein Auswahltraining Ende Mai erhalten hat.

Ein Profivertrag bei Volero, ein Aufgebot der Nati – bei Portmann läuft es derzeit rund. «So darf es weitergehen», sagt sie mit einem Lachen. «Mein Traum wäre es, dereinst in der NLA zu spielen und mein Geld mit Volleyball zu verdienen.» Das sei in der Schweiz schwierig, aber nicht unmöglich. «Und vielleicht klappt es eines Tages mit einem Engagement im Ausland. Aber soweit schaue ich nicht. Ich lebe lieber im Hier und Jetzt.»