Volleyball 14.11.2020

Live is life

Zwei Kameramänner und drei fix installierte Kameras fangen jeden Ballwechsel der Power Cats ein.
Rega-TV bringt den Sport aus der Region direkt in die Sensler Wohnzimmer – in Zeiten von Geisterspielen ein willkommener Service. Nur dank viel Freiwilligenarbeit einiger sportbegeisterter Leute kann der Lokalsender seine Livesendungen produzieren.

Wenn die Sportfans wegen Corona nicht zu den Spielen gehen können, dann müssen die Spiele zu den Leuten. Bei den populären Sportarten wie Fussball und Eishockey sorgen die grossen TV-Sender wie SRF, My-Sports oder Teleclub dafür, dass die Haushalte mit den entsprechenden Livebildern versorgt werden. Kleinere Sportarten und die Regionalligen bleiben dabei aber aussen vor. Nicht so im Sensebezirk: Wer wissen will, wie sich zum Beispiel Volley Düdingen am Mittwoch im Leimacker (20 Uhr) vor leeren Tribünen gegen Cheseaux schlagen wird, der kann den Match zu Hause am Bildschirm mitverfolgen – vorausgesetzt, er benutzt das Kabelnetz von Rega-Sense/Senselan.

Live-Sport seit 2015

Rega-TV wurde vor über 40 Jahren von Hubert Lehmann gegründet und ist damit einer der ältesten privaten Lokalsender der Schweiz. Zu Beginn wurden vor allem lokale politische Wahl- und Abstimmungssendungen ausgestrahlt, seit 2015 überträgt der Sender aus Düdingen auch regionale Sportanlässe. Nico Staub, Produzent und Programmleiter von Rega-TV, hat die Sportübertragungen seinerzeit initiiert und das Angebot in den letzten Jahren sukzessive ausgebaut. «Angefangen hat alles 2014, als ich bei den Highland Games für die Produktion von Bildmaterial engagiert war», erinnert sich der 49-Jährige, der damals freiberuflich bei diversen Fernsehstationen arbeitete. «Rega-TV wollte einen Zusammenschnitt des Anlasses senden und fragte mich, ob ich dem Sender das entsprechende Filmmaterial zur Verfügung stellen könnte. So ist mein Kontakt zu Rega-TV entstanden.»

Den Lokalsender hatte Staub schon vorher gekannt, und er habe ihn immer cool gefunden, verrät er. «Ich merkte, dass da sehr viel Potenzial vorhanden war, und wollte herausfinden, was alles möglich ist.» Der studierte Medienproduzent kündigte seinen Job, stellte sein ganzes Equipment dem Sender zur Verfügung und begann, zuerst ehrenamtlich Sportsendungen zu produzieren. Heute berichtet Rega-TV live von sieben Sportarten aus der Region: Volleyball, Eishockey, Schwingen, Fussball, Unihockey, Badminton und Darts.

Viel Freiwilligenarbeit

Das ist ein beachtliches Angebot für einen Lokalsender, der als einer der wenigen in der Schweiz ohne jegliche finanzielle Unterstützung von der öffentlichen Hand auskommt. «Wir verzichten bewusst darauf, weil wir unsere Unabhängigkeit bewahren wollen», erklärt Staub. Finanziert wird Rega-TV ausschliesslich von der Rega-Sense AG, dem Betreiber des Kabelnetzes. Auftragsproduktionen und der Verkauf von TV-Werbung spülen ebenfalls etwas Geld in die Kasse.

Ein- bis zweimal pro Woche überträgt Rega-TV einen Sportevent aus der Region live. Ein erstaunlicher Output für einen Eineinhalb-Mann-Betrieb. «Der Sender beschäftigt zwei Personen mit 150 Stellenprozenten. Dass wir so viel produzieren können, ist nur dank unseren rund 15 freiwilligen Helfern möglich», erklärt Staub. Die Helfer, das sind Kolleginnen und Kollegen, die der St. Ursner unter anderem während seiner Zeit bei diversen Produktionsfirmen und TV-Sendern kennengelernt hat. «Wenn du gute Qualität willst, dann brauchst du Leute, die wissen, wie man eine Kamera bedient und wie man Fernsehen macht.» So sind die fleissigen Helfer allesamt Fachleute aus der TV-Branche, die in ihrer Freizeit sogar aus dem Bernischen oder aus Solothurn nach Düdingen kommen, um für Rega-TV Livesendungen zu produzieren: Festivals, Alpabzüge, Politikdiskussionen, kirchliche Messen – oder eben Sportübertragungen. «Unsere Helfer arbeiten aus purer Leidenschaft, denn mehr als eine Spesenentschädigung können wir ihnen nicht bezahlen», versichert der Programmleiter.

Der Kampf um die Übertragungsrechte

Die grosse Leidenschaft ist auch im Gespräch mit Nico Staub spürbar. Sein Enthusiasmus wirkt ansteckend, seine Hingabe für das, was er tut, ist selbst durchs Telefon hindurch greifbar. «Alles, was ich früher gemacht habe, war immer bloss ein Job. Rega-TV hingegen ist mein Baby, das ich mit viel Herzblut mitaufgebaut habe.»

Doch wie mit allen Babys gibt es nicht nur glückliche Momente, sondern zuweilen auch anstrengende. Dann etwa, wenn es darum geht, die Übertragungsrechte für die Sportübertragungen zu erhalten. «Diese auszuhandeln ist meine Hauptaufgabe und beschäftigt mich beinahe den ganzen Sommer durch. Es ist ein riesiger administrativer Aufwand», seufzt Staub. «Die Rechte für die Bergschwingen gehören zum Beispiel dem Schweizer Fernsehen. Vom Schwarzsee-Bergfest konnten wir nur senden, weil wir im Gegenzug dem SRF unser Signal zur Verfügung gestellt haben.»

Das Schweizer Fernsehen erwarb vor ein paar Jahren auch die Rechte für die Volleyball-NLA. Live auf dem Sender hat der Schweizer Branchenprimus dann allerdings die Spiele nicht übertragen, sondern nur als Webstream. «Erst als Swiss Volley ein Machtwort sprach, durften wir die Matches von Volley Düdingen auf Rega-TV übertragen», erzählt Staub. «Das Schweizer Fernsehen hat sich allerdings das Recht vorbehalten, einen allfälligen Final mit Beteiligung der Power Cats exklusiv zu übertragen.» Mittlerweile sind die Rechte für Volleyball nicht mehr fest vergeben.

Von der Region für die Region

Während grosse Fernsehsender Millionensummen für die Übertragungsrechte der höchsten Fussball- und Eishockeyligen bezahlen, ist Rega-TV darauf angewiesen, die Spiele unentgeltlich senden zu dürfen. «Wir können und wollen nicht mit nationalen Sendern konkurrieren. Im Prinzip ist es wie bei den «Freiburger Nachrichten»: Unsere Stärken liegen in der Exklusivität aus der Region.» «Aus der Region für die Region» lautet das Motto des Senders. «Unsere Kommentatoren stammen alle aus der Gegend. Es ist uns wichtig, dass man auch hört, dass die Sendung aus Freiburg kommt.»

Eine Sendung zu produzieren kostet zwischen 4000 und 5000 Franken, rechnet Nico Staub vor. Zum Vergleich: Die Kosten für einen NLA-Eishockeymatch schlagen beim entsprechenden Anbieter um gut das Dreifache zu Buche. «Einnahmen haben wir keine, denn die Sportvereine bezahlen nichts für die Übertragungen. Zu unserem Preis können wir nur produzieren dank dem Goodwill der freiwilligen Mitarbeiter und weil wir keine Kosten für die Übertragungsrechte haben.»

Trotz verhältnismässig bescheidenem Budget verfügt Rega-TV über modernste Aufnahme-, Sende- und Übertragungstechnik und steht anderen Regionalsendern qualitativ in nichts nach. Dass der Düdinger Sender regelmässig von anderen TV-Sendern für TV-Sequenzen angefragt wird, zeugt davon. Die Qualität hat ihren Preis. «Im Lauf der Jahre haben wir für die Liveübertragungen Equipment im Wert von weit über 100 000 Franken angeschafft», schildert Staub.

Lernen von den Besten

In der Eishalle Sense-See, wo Rega-TV seine Live-Sportübertragungen mit den Partien der Düdingen Bulls so richtig lanciert hat, zog der Sender auf eigene Kosten acht Glasfaserkabel in die Halle ein, installierte einen Regiewagen und baute im Stadion ein fixes Podest für die Kamera auf. «Als dann Volleyball dazukam, haben wir anfangs den Regiewagen immer von der Eishalle zur benachbarten Turnhalle gezügelt», erzählt Staub. «Das ständige Auf- und Abbauen hat aber so viel Zeit in Anspruch genommen, dass wir schlussendlich von der Eishalle in den Leimacker ebenfalls zwölf Glasfaserleitungen eingezogen haben. So können wir den Regiewagen bei der Eishalle lassen.»

In besagtem Wagen werden auch am Mittwoch, wenn Rega-TV das Volleyballspiel gegen Cheseaux live überträgt, zwei Leute sich um Bild, Ton und Replay kümmern. Zwei Kameramänner und drei weitere, fix installierte Kameras werden in der Turnhalle das Spielgeschehen filmen. «Jede Sportart hat ihre Eigenheit und wir müssen immer erst herausfinden, wie wir die Bilder am wirkungsvollsten einfangen können», sagt Staub. «Dabei lasse ich mich gerne von den Übertragungen bei den Olympischen Spielen inspirieren.» Lernen von den Besten, nennt sich das. «Wir sind immer auf der Suche nach Randsportarten, die wir zeigen und etwas pushen können. Dabei wollen wir möglichst die ganz Region abdecken.»

60 000 potenzielle Zuschauer

Zahlen darüber, wie viele Leute die Liveübertragungen über das Kabelnetz zu Hause in der warmen Stube mitverfolgen, besitzt Rega-TV nicht. «Wir erreichen auf unserem Netz 60 000 bis 80 000 potenzielle Zuschauer. Wer wann was schaut, das können wir allerdings nicht nachvollziehen», erklärt Staub. Das sei aber nicht weiter schlimm, findet der Programmchef. «Solange wir von unseren Kunden positive Feedbacks erhalten und überzeugt sind von dem, was wir tun, werden wir weiterhin Live-Sportsendungen machen.»

TS Volley Düdingen

«Rega-TV geht es um den Sport und nicht ums Geld»

Da der Regionalsport wegen der Corona-Pandemie bis auf weiteres pausiert, sind die NLA-Spiele von Volley Düdingen zurzeit die einzigen sportlichen Wettkämpfe, die im Sensebezirk stattfinden und von Rega-TV live übertragen werden. «Für Randsportarten wie Volleyball ist es sehr wichtig, Medienpräsenz zu haben, egal in welchen Medien», sagt Martin Zumwald, Marketingverantwortlicher von Volley Düdingen. In der aktuellen Situation, in der man ohne Zuschauer spielen muss, sei man besonders dankbar für die Liveübertragungen von Rega-TV. «So können wir unsere Sponsoren den Leuten trotzdem präsentieren. Zudem dürfen wir das TV-Signal gratis auf unserem Youtube-Kanal streamen. Das zeigt, dass es den Machern in erster Linie um den Sport geht und nicht ums Geld», freut sich Zumwald.ms

«Ich sah bei Rega-TV sehr viel Potenzial und wollte herausfinden, was alles möglich ist.»

Nico Staub

Programmleiter Rega-TV

«Es ist es wie bei den ‹Freiburger Nachrichten›: Unsere Stärken liegen in der Exklusivität aus der Region.»

Nico Staub

Programmleiter Rega-TV

«Wir können nur dank dem Goodwill der freiwilligen Mitarbeiter so kostengünstig produzieren.»

Nico Staub

Programmleiter Rega-TV