Olympische Spiele 25.03.2020

Saisonhöhepunkt: Gestrichen

Die Sportlerleben von Leichtathletin Veronica Vancardo und Vielseitigkeitsreiter Robin Godel sind schon seit einer Weile auf Tokio 2020 ausgerichtet. Doch die beiden Freiburger werden sich nach der Verschiebung gedulden müssen. Keine leichte Situation.

Veronica Vancardo wirkte gestern Nachmittag im Telefongespräch mit den FN immer noch leicht geschockt. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass die Olympischen Spiele in Tokio nicht diesen Sommer, sondern erst 2021 stattfinden werden. «Es zeichnete sich in den letzten Wochen zwar ab, dass die Spiele nicht am geplanten Datum durchgeführt werden können. Aber ich hatte gehofft, dass sie zum Beispiel in den Herbst 2020 verlegt werden. Aber gleich auf nächstes Jahr? Das ist krass!» Die Leichtathletin des TSV Düdingen hatte gute Chancen, diesen Sommer mit der 4x400-Meter-Staffel in Tokio teilzunehmen. «Nun fühle ich mich schon gerade ein wenig leer und enttäuscht. Es ist merkwürdig, man fragt sich ein bisschen, wofür man in den letzten Monaten so hart gearbeitet hat.»

Alles auf Olympia ausgerichtet

Wie für andere Athleten war auch bei Vancardo alles auf den vermeintlichen Saisonhöhepunkt ausgerichtet. «Das Wintertraining und auch das Training der letzten Wochen waren so aufgebaut, dass man möglichst dann in Topform sein würde.» Nach der Absage drohen für diese Saison allmählich die Ziele auszugehen. «Ende August sollten noch die Europameisterschaften in Paris stattfinden. Aber ich befürchte, dass die auch noch abgesagt werden», sagt Vancardo und schiebt mit Galgenhumor hinterher: «Wenn das eintrifft, muss ich mir für diesen Sommer halt ein neues Ziel setzen: gesund bleiben.»

Lange hadern will die junge Frau aus Granges-Paccot mit dem Entscheid nicht. Sie ist erst 19 Jahre alt. Könnte für sie die Verschiebung nicht sogar ein Vorteil sein, da sie 2021 noch einmal besser sein dürfte als in diesem Jahr? «Wer weiss?! So oder so gilt es den Entscheid nun zu akzeptieren und sich anzupassen.» Sie sei gespannt, wie 2021 aussehen werde. Denn nach einem wettkampfarmen Jahr droht nächste Saison genau das Gegenteil. Die Indoor-WM, die diesen Monat in China hätte stattfinden sollen, ist ebenfalls auf März 2021 verschoben worden. Im gleichen Monat ist in Polen auch noch die Indoor-EM angesetzt. Die WM in den USA, die im August 2021 hätte stattfinden sollen, wird wegen der Olympia-Verschiebung derweil wohl oder übel ein neues Datum suchen müssen. So oder so werden die Leichtathleten nächste Saison beim Formaufbau Prioritäten setzen müssen.

Halbwegs normales Training

Veronica Vancardo versucht, sich darüber noch nicht zu sehr den Kopf zu zerbrechen. Sie will nun erst einmal motiviert bleiben, um weiterzutrainieren. «Ich kann halbwegs normal trainieren. Draussen zu rennen ist ja weiterhin erlaubt. Der Unterschied ist, dass wir momentan nicht in Gruppen trainieren können.» Nächste Woche ist sogar ein kurzes Camp in Magglingen geplant. Das nationale Sportzentrum ist dieser Tage so etwas wie ein Réduit für die Schweizer Topathleten. «Fünf Tage vor dem Einrücken muss man sich zu Hause in Selbstquarantäne begeben, das ist speziell», sagt Vancardo. Einmal dort, wird sie ab dem 2.  April isoliert und unter besonderen Schutzvorkehrungen trainieren können. «Ich hoffe, das Camp findet dann auch wirklich statt. Wer weiss, ob die Massnahmen nicht plötzlich wieder verschärft werden.» Letztlich gehe es ihr momentan wie allen anderen auch. «Ich plane einfach von Tag zu Tag und schaue, was kommt.»

Godel hin und her gerissen

Ein weiterer Freiburger, der nicht nur gute Chancen gehabt hätte, sondern so gut wie sicher im Juli in Tokio mit dabei gewesen wäre, nahm den Beschluss des IOC gestern mit gemischten Gefühlen auf. «Einerseits bin ich enttäuscht. Wir arbeiten schon seit zwei, drei Jahren auf den Event hin, nun kommt noch einmal ein Jahr hinzu», sagte Robin Godel auf Anfrage. Der 21-jährige Vielseitigkeitsreiter aus Villaz-Saint-Pierre hätte im Sommer mit der Schweizer Equipe ein olympisches Diplom angestrebt. «Nebst der Enttäuschung schwingt aber auch Erleichterung mit. Es wäre unmöglich gewesen, die Spiele unter den gegebenen Umständen normal durchzuführen beziehungsweise sich normal vorzubereiten.» Das gilt auch für Godel. Er habe zwar das Glück, momentan in Avenches trainieren zu können. «Aber ohne Trainer – die sind nicht erlaubt. So ist es natürlich schwierig, sich zu verbessern.»

Godel versucht nun das Beste aus der Situation zu machen. «Die Verschiebung um ein Jahr bietet mir die Möglichkeit, mich mit einem zweiten Pferd zu qualifizieren. Für dieses Jahr wäre das zwar ebenfalls mein Ziel gewesen, aber es wäre schwierig geworden.» Die Qualifikation eines zweiten Pferds gibt einem Reiter mehr Sicherheit, sollte sich das erste Pferd verletzen. «Das könnte ein grosses Plus sein. Ohnehin versuche ich die Nachricht positiv aufzunehmen. Immerhin wissen wir jetzt, woran wir sind.»