Tafers 17.03.2020

«Wir suchen Lösungen, damit das Leben irgendwie weitergehen kann»

Der Sensler Oberamtmann Manfred Raemy im Amthaus in Tafers.
Die Oberämter sind derzeit im Dauereinsatz. Sie müssen unter anderem abklären, ob die Gemeindeversammlungen im Frühling stattfinden können.

Das Telefon des Oberamtmanns des Sensebezirks, Manfred Raemy, klingelt häufig, Sitzungen und Telefonkonferenzen reihen sich aneinander. Den FN hat er erklärt, welche Arbeit das Oberamt zur Bewältigung der Coronavirus-Krise leistet.

Manfred Raemy, wie haben Sie die letzten Tage erlebt?

Seit Mitte letzter Woche herrscht Ausnahmezustand im Oberamt. Damals fanden erste Gespräche zwischen den Oberamtmännern und dem Kanton statt. Am Donnerstag haben wir Veranstaltern von Anlässen gesagt, dass sie für das Wochenende alles absagen sollen. Am Freitag kamen dann die Ankündigungen von Bund und Kanton. Seither koordinieren wir und stellen sicher, dass die Informationen an alle Partner und Institutionen gehen. Wir suchen Lösungen, damit das Leben irgendwie weitergehen kann. Fast alle regulären Sitzungen sind abgesagt, darum haben wir momentan auch die nötige Zeit, um die Situation zu meistern.

Das Oberamt ist also das Bindeglied zwischen Kanton, Gemeinden und Institutionen?

Ja, genau. Wir leben in einem föderalistischen System, was viele Vorteile hat. In der momentanen Situation braucht es allerdings eine gute Koordination, um sicherzustellen, dass es nicht plötzlich zu ganz verschiedenen Lösungen in den Gemeinden oder den Bezirken kommt.

Die ersten Gemeindeversammlungen finden Anfang April statt. Können sie durchgeführt werden?

Ich gehe davon aus, dass sie nicht stattfinden werden. Das Oberamt könnte zwar gemäss der Verordnung des Staatsrats vom Freitag Ausnahmen erlassen und mehr als die erlaubten 50 Leute zulassen. Wir müssen sicherstellen, dass wir demokratische Grundregeln weiterhin einhalten können. Es gibt zum Beispiel gesetzlich vorgegebene Fristen zur Abgabe der Jahresrechnungen von Gemeinden oder Gemeindeverbänden, die in der Regel im Frühling genehmigt werden. Wir sind nun am Abklären, ob wir diese Fristen auf den Herbst verschieben können.

Was bedeuten die Einschränkungen für Gemeindeverbände wie das Gesundheitsnetz oder den OS-Verband?

Auch hier müssen wir die Einhaltung allfälliger gesetzliche Fristen abklären. Wir beschränken Sitzungen auf ein Minimum. Gewisse Entscheide müssen wir fällen, und das werden wir auch tun. Weniger dringende Geschäfte werden wir zurückstellen müssen.

Das Oberamt erteilt auch Bewilligungen für Anlässe. Klar ist, dass in den nächsten Wochen keine Anlässe stattfinden können. Wie sieht es darüber hinaus aus?

Wir wissen schlicht nicht, wie lange dieser Ausnahmezustand anhalten wird. Das bedeutet natürlich eine grosse Unsicherheit für alle Veranstalter. Wir können hier momentan keine befriedigenden Antworten geben.

Kann das Oberamt etwas für die Wirtschaft tun, etwa für Geschäfte, die temporär schliessen müssen?

Das ist Aufgabe des Kantons; die Wirtschaftsförderung hat dazu bereits Informationen erarbeitet. Klar ist aber, dass die Krise ein grosses Problem für viele Unternehmen ist. Für die betroffenen Unternehmen werden Lösungen gesucht.

Welche Massnahmen hat das Oberamt ergriffen, um weiter funktionstüchtig zu bleiben?

Wir haben einen Pandemieplan ausgearbeitet und die Stellvertretungen klar geregelt. Ein Teil des Personals kann mit Laptop und Handy theoretisch von überall aus arbeiten. Das Oberamt bleibt funktionsfähig.

Wie gehen Sie persönlich mit dieser aussergewöhnlichen Situation um?

Ich glaube, es ist wichtig, nicht in Hektik zu verfallen, sondern Ruhe zu bewahren und konstruktiv nach Lösungen zu suchen. Wir sind jetzt alle zusammen gefordert. Dieser Notstand ist eine grosse Herausforderung, die wir nur gemeinsam meistern können.

«Es ist wichtig, nicht in Hektik zu verfallen, sondern Ruhe zu bewahren und konstruktiv nach Lösungen zu suchen.»

Manfred Raemy

Oberamtmann des Sensebezirks