Plaffeien 21.11.2020

Stein auf Stein: Die Alp Cerniets hat eine neue Trockensteinmauer

Elmar Feyer (r.) und Felix Thürler vor der neuen Trockensteinmauer, an der sie viele Stunden gearbeitet haben.
Bevor Elmar Feyer die Alphütte Cerniets winterfest machte, packte er noch einmal richtig an. Mit der Hilfe von Felix Thürler hat er eine Trockensteinmauer aufgeschichtet.

Der Winter kann kommen. Auf der Alp Cerniets im Breccaschlund ist alles geräumt und befestigt; die letzten Handgriffe hat das Alphirte-Paar Nicole und Elmar Feyer in den letzten Tagen ausgeführt. Doch bevor die Alpsaison definitiv zu Ende ging, setzte Elmar Feyer noch eine Idee um, die ihm schon letztes Jahr durch den Kopf geschwirrt war. Nämlich, einen Teil des Geländes vor der Hütte mit einer Trockensteinmauer einzuzäunen. Die Mauer soll die Tiere von der Zisterne und dem Spielplatz fernhalten.

«Bisher stand dort ein Holzzaun. Doch in den letzten Wintern haben die vielen Schneemassen diesen immer wieder beschädigt», erzählt Feyer. Obwohl er dicke Latten verwendet habe, seien sie durch das Gewicht zerbrochen, nicht nur vom frisch gefallenen Schnee, sondern vor allem von jenem, den der Wind an die Hütte herangeweht und aufgetürmt habe. In strengen Wintern habe er schon bis zu zwei Meter Schnee gemessen.

«Ich könnte den Zaun jeden Herbst wegräumen und im Frühling wieder aufstellen», erklärt er. Doch er habe sonst schon sehr viele Zaunarbeiten zu erledigen, so dass er lieber eine andere Möglichkeit gesucht habe. Auf der Alp seines Jauner Kollegen Felix Thürler habe er mehrere Steinmauern gesehen, und er habe ihn gefragt, ob er ihm zeigen könne, wie man diese baut.

Rund 70 Tonnen Steine

Er müsse eingestehen, dass ihm vorher nicht bewusst gewesen sei, wie viel Aufwand mit den Vorbereitungen und dem Bau verbunden sind, sagt Elmar Feyer mit einem Lachen. Um rund 30 Meter Mauer zu erhalten, haben die beiden geschätzt 70 Tonnen Steine verbaut. Die neue Mauer ist rund 1,60 Meter hoch und 60 Zentimeter breit. «Ich habe die Stunden nicht gezählt, aber alleine für das Legen der Steine haben wir zwei insgesamt etwa sieben Arbeitstage eingesetzt.» Und er selbst noch mindestens einmal so viel, um die benötigten Steine heranzuschaffen. Kalksteinbrocken hat es im Breccaschlund zwar sehr viele. Doch es galt, passende Steine zu finden: flachere für gewisse Übergänge, solche mit gerader Kante für die Sichtseite und allgemein nicht zu runde, weil diese nicht richtig sitzen.

Bevor die beiden überhaupt mit dem Mauerbau loslegen konnten, bereiteten sie das Terrain vor. «Die Mauer muss auf dem Felsboden angelegt werden. Sonst bewegt sich das Terrain, wenn der Boden bei Temperaturschwankungen arbeitet.» An den meisten Stellen haben die beiden rund 30 Zentimeter Erde weggeräumt, an manchen war es bis zu einem halben Meter. Sie haben eine Schnur gespannt auf beiden Seiten der künftigen Mauer und angefangen, Steine zu legen und die Zwischenräume mit Kies und kleineren Steinen zu füllen.

«Man nimmt einen Stein, legt ihn, nimmt den nächsten und schichtet ihn so, dass er gut aufliegt.» Der Stein müsse genau passen und ohne Mörtel oder andere Hilfsmittel sitzen. «Felix Thürler hat ein sehr gutes Auge dafür, welche Steine an welcher Stelle am besten halten.»

So einfach das tönt: Es ist doch eine recht schweisstreibende Angelegenheit, denn die grössten Brocken sind bis zu 70 Kilogramm schwer. Obwohl er harte körperliche Arbeit gewöhnt sei, sei er vor allem in den ersten Tagen abends richtig geschafft gewesen. «Man muss auch immer aufpassen, wie man die Steine hochhebt, um Rücken und Knie zu schonen.» Alleine könne man das nicht machen.

Bis zum Schluss durchgezogen

«Ich habe mich schon ein paar Mal gefragt, warum ich mir das eigentlich antue», sagt Feyer – vor allem, als das Wetter garstig wurde. Ein, zwei Tage haben sie gar im Schneematsch gearbeitet. «Aber wir haben es durchgezogen.»

Und sie haben mehr gemacht, als sie sich eigentlich vorgenommen hatten. «Wir wollten die Mauer nächstes Jahr beenden, haben dann aber doch weitergemacht, weil wir grad so richtig drin waren.» Der Ehrgeiz habe ihn gepackt, und auch Felix Thürler lasse ungern eine Arbeit unerledigt. Insgesamt dauerten die Arbeiten mehr als vier Wochen.

Mit dem Resultat sind die beiden sehr zufrieden. Die Mauer sieht schön und stabil aus. Sie sollte im Winter die Schneemassen zurückhalten und im Sommer Eidechsen, Insekten und anderen Tierarten einen neuen Unterschlupf bieten.

Elmar Feyer ist stolz. Vor allem auch, weil das Bauwerk gänzlich auf freiwilliger Basis entstanden ist. An anderen Stellen im Breccaschlund war der Bau oder Wiederaufbau von Trockensteinmauern eine Vorgabe der Behörden, als Ausgleichsmassnahme für grössere Eingriffe in der Natur.