Schmitten 27.06.2020

Investoren sichern den Fortbestand

Aldo Ellena/a
Die Schumacher AG in Schmitten wird überleben: Vier private Investoren schiessen das Geld ein, das für die Automatisierung des Unternehmens nötig ist. 50 Stellen sind so gerettet; bis in zwei Jahren sollen weitere Stellen geschaffen werden.

Im November kündigte die Buchbinderei Schumacher AG ihrem Personal vorsorglich: Die traditionsreiche Firma stand damals vor dem Aus. Nun kommen erfreuliche Nachrichten aus Schmitten: «Der Fortbestand ist gesichert», teilte das Unternehmen gestern mit.

Schweizer Investoren

Die Schumacher AG hat Investoren gefunden. Wer sein Geld zur Verfügung stellt, gibt das Unternehmen aber nicht bekannt: «Die privaten Investoren wollen in der Öffentlichkeit nicht genannt werden», sagt Verwaltungsratspräsident Raoul Philipona den FN. Nur so viel: «Es sind Schweizer, das ist uns wichtig.» Und sie stammten nicht aus der grafischen Branche; die Schumacher AG bleibe also unabhängig. «Derzeit besteht die Investorengruppe aus vier Personen, und es werden noch mehr», sagt Philipona. Er enthüllt auch nicht, wie viel Geld die Privatleute investieren.

Im März wurde bereits bekannt, dass die Schumacher AG in Kontakt zu verschiedenen Investoren stand. «Mehrere vielversprechende Optionen haben sich aufgrund der Corona-Krise zerschlagen», heisst es in der Mitteilung der Schumacher AG. Laut Raoul Philipona gehörte die jetzige Investorengruppe bereits damals zum Kreis der Interessierten.

«In den nächsten zwei Jahren sollte es möglich sein, die Anzahl der Arbeitsplätze substanziell auszubauen.»

Raoul Philipona

Verwaltungsratspräsident Schumacher AG

Der Verwaltungsratspräsident geht davon aus, dass die Investoren der Schumacher AG nicht nur mit ihrem Geld, sondern auch mit ihrem Wissen helfen können. Einige Investoren werden in den kommenden Monaten im Verwaltungsrat Einsitz nehmen. «Sie haben ein grosses Know-how in Automatisierung und Digitalisierung», sagt Philipona. Und gerade in diesen Bereichen wolle die Schumacher AG einen grossen Schritt nach vorne machen. «Wir werden die Herstellung unserer hochwertigen Produkte noch mehr automatisieren.»

Die Kosten senken

Nur so sei es möglich, dass die Kosten im Rahmen blieben und nicht noch mehr Aufträge ins Ausland gingen. «Wir hoffen aber auch, dass mit der Corona-Krise die Landestreue etwas zunimmt», sagt Philipona.

Im November hatte die Schumacher AG noch 93 Angestellte. Unterdessen beschäftigt das Unternehmen noch 50 Personen. «In den nächsten zwei Jahren sollte es aber möglich sein, die Anzahl der Arbeitsplätze wieder auszubauen», sagt Philipona. Beziffern könne er den Stellenausbau nicht; «aber er ist substanziell».

Die Nachfolge geregelt

Die Aktionärsgruppe übernimmt stufenweise die Aktienmehrheit von Raoul Philipona, dem bisherigen Alleinaktionär. Der 62-jährige Philipona könne so auch gleich seine Nachfolge regeln, heisst es in der Medienmitteilung des Unternehmens. Bis auf weiteres bleibe aber Philipona verantwortlich für die grundlegende Neuausrichtung des Unternehmens und die Umsetzung der beschlossenen Strategie.

Chronologie

Entlassungen und Zwist mit Kanton

Die Schumacher AG baute 2008 bereits 26 Stellen ab, zwei Jahre später 54; damit blieben 150 Stellen. Dann sollte der Kanton Freiburg das Firmengebäude kaufen. Die angeschlagene Firma hätte sich so entschulden und in die Zukunft investieren können. Doch im Juni 2017 gab der Kanton bekannt, dass er das Gebäude doch nicht kaufe. Im März 2018 verkaufte die Schumacher AG ihre Liegenschaft in Schmitten an eine Anlagestiftung und ist seither Hauptmieterin ihrer bisherigen Räumlichkeiten.

njb