Freiburg 25.11.2020

«Die Leute warten lieber ab»

Hoffen auf einen schneereichen Winter: Mondo Sport in Murten.
Sportartikelgeschäfte leiden darunter, dass Sportlager abgesagt sind, der Team- und Hallensport brachliegt und die Leute der Skisaison verhalten entgegenblicken. Dies zeigt eine kleine Umfrage der FN.

Bis Ende Oktober sei es noch gut gelaufen, «aber jetzt ist es bei uns wie ausgestorben», sagt Heinz Egger, Inhaber von Mondo Sport in Murten. Normalerweise würden bis zu sechs Personen in der Werkstatt die Ski präparieren, derzeit seien es noch ein oder zwei Mitarbeiter. Die Vermietung von Ski ist in normalen Jahren ein Schwerpunkt in dieser Jahreszeit. «Weil die Schullager abgesagt sind, verzichten auch viele Eltern diesen Winter aufs Skifahren», sagt er. «Wir haben über 50 Prozent weniger vermietet in den letzten drei Wochen.» Beim Verkauf laufe es so weit noch gut. «Die Leute sind aber verunsichert und warten lieber ab.»

Unsicherheit zu spüren

Ähnlich äussert sich Christophe Mauron vom Sportgeschäft Dany Sport in Marly. «Bis Oktober haben wir recht gut gearbeitet, doch der November war schwieriger», sagt er auf Anfrage. «Die Leute warten einerseits auf den Schnee, andrerseits auf die Sicherheit, überhaupt Ski fahren zu dürfen.» Er kommt den Kunden deshalb entgegen: Wenn die Skistationen wegen Corona nicht öffnen dürfen, dann zahlt das Sportgeschäft ihnen den grössten Teil der Miete zurück. Das werde von den Kunden geschätzt und überzeuge sie, doch schon jetzt Ski zu mieten. Dany Sport in Marly beschäftigt insgesamt 14 Personen. Das Unternehmen hat im Frühling teils Kurzarbeit angemeldet, teils hat das Personal auch Überstunden abgebaut.

Unbedingt Schnee

Christophe Mauron ist überzeugt, dass das Geschäft wieder stark angekurbelt würde, wenn der Winter richtig anfinge. «Dieses Jahr haben wir den Schnee wirklich, wirklich nötig – so sehr wie noch nie.» Das Gleiche sagt auch Heinz Egger: «In den 33 Jahren unseres Bestehens hat uns der mangelnde Schnee nie so stark beeinflusst wie dieses Jahr. Auch letztes Jahr hatte es wenig Schnee, doch es ging trotzdem, weil wir uns anpassen konnten.» Dieses Jahr sei nun alles anders. Weil auch die Restaurants zu seien, würden viel weniger Leute zum Lädelen kommen. «Wir brauchen den Schnee – und zwar in Freiburg und nicht in Graubünden.» Er habe nämlich den Eindruck, dass die Leute den Winter gerne in der Region verbringen würden und nicht zu weit fahren wollten.

Kaum mehr Trikots

Beide Sportgeschäfte beklagen auch Umsatzeinbussen in anderen Bereichen. Die Ausrüstung von Sportklubs und Mannschaften mit Trikots und Trainingsanzügen sowie das Bedrucken mit den Sponsorennamen ist einer der Schwerpunkte von Dany Sport. «Wir haben viel weniger Aufträge erhalten, es ist markant ruhiger als in anderen Jahren.» Wenn die Teams nicht spielten, bräuchten sie auch keine neue Kleidung. «Viele Klubs haben aber auch Mühe, Sponsoren zu finden, und verzichten deshalb ganz auf eine neue Ausrüstung.»

Auch Heinz Egger stuft hier die Situation als nicht sehr rosig ein. «Momentan betreibt kein einziges Kind mehr Hallen- oder Teamsport, das spüren wir deutlich. Seit dem Sommer liegt dieser Bereich brutal brach», so Heinz Egger. Bis August sei es relativ gut gelaufen und er sei hoffnungsfroh in den Herbst gestartet. «Aber jetzt muss ich sagen: Wir sind noch weiter unten als vorher.»

Es bleibe nicht mehr viel Zeit, bis das Jahr vorbei sei und der Januar komme. «Was bis dahin nicht läuft, können wir nicht mehr aufholen.» Er befürchte aber, dass viel Ware vom Sommer und Winter liegen bliebe. Er sei in Kontakt mit 27 Sportgeschäften in der Schweiz. «In Zürich oder Schwyz sieht es auch nicht besser aus», sagt Heinz Egger, der ein Geschäft mit 2000 Quadratmetern und 30 Angestellten führt. Er habe dem Team beim morgendlichen Briefing gesagt, dass er nicht wisse, wohin das Ganze noch führe.

Guter Sommer, guter Herbst

Etwas differenzierter sieht es Mark Huber, Inhaber des Sportgeschäfts Sidecut in Schwarzsee. Auch er spüre zwar, dass die Leute verhaltener seien als auch schon. Es sei eine gewisse Unsicherheit zu spüren. «Doch bis jetzt sind wir mit dem Umsatz noch auf gutem Kurs.» Er habe einen sehr guten Sommer gehabt. Das sonnige Wetter im Oktober habe zudem für eine verlängerte Wandersaison gesorgt, was seinem Betrieb zugute gekommen sei. Auch in Sachen Ski laufe es gut. «Am Samstag hatten wir zum Beispiel einen Supertag.» Wie es am Ende des Betriebsjahrs aussehe, könne er nicht sagen. Doch mit dem momentanen Verlauf sei er zufrieden.

Er habe den Eindruck, das es zwei Gruppen von Leuten gebe: Die einen verhielten sich sehr zurückhaltend und abwartend und wollten vermeiden, in grosse Menschenmassen zu geraten. Die anderen seien aktiv und wollten etwas unternehmen. «Die Leute gehen nach Zermatt und Saas Fee, wo man bereits Ski fahren kann.» Auch Mark Huber hofft auf einen guten Winter. «Ein Lockdown der Bahnen wäre katastrophal.» Solange diese aber liefen und das Wetter stimme, seien die Aussichten gut.

Karyion-Gutscheine

«Diese Gutscheine sind ein Riesengeschenk»

«Die Kariyon-Gutscheine haben uns viel geholfen», sagt Christophe Mauron von Dany Sport in Marly. Die Leute hätten von den Rabatten profitiert und dem Sportgeschäft zu zusätzlichem Umsatz verholfen.

Zur Erinnerung: Kunden können beim lokalen Gewerbe und bei Dienstleistungsanbietern Gutscheine kaufen. In einer ersten Phase übernahm der Staat 20 Prozent des Kaufpreises, seit gestern noch 10 Prozent. So soll die Wirtschaft angekurbelt werden.

«Das ist ein Riesengeschenk, das uns der Staat gemacht hat», sagt Mark Huber vom Sportgeschäft Sidecut in Schwarzsee. 20 Prozent seien «der absolute Wahnsinn» gewesen, «10 Prozent sind immer noch eine sehr flotte Geste.» Viele Kunden hätten davon profitiert, auch wenn es eine Weile gedauert habe, bis ihnen das System bekannt gewesen sei.

Etwas verhaltener sieht es Heinz Egger von Mondo Sport in Murten. «Die Gutscheine sind ein Tropfen auf den heissen Stein.» Er habe auch hier eine gewisse Zurückhaltung gespürt. «Auf Vorrat kauft niemand Gutscheine, wenn er nicht sicher sein kann, dass er sie verwenden kann.»

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Bergbahnen

Schon bald bereit für den Winterbetrieb

Die Schweizer Bergbahnen sind gemäss eigenen Angaben die einzigen in Europa, die zurzeit in Betrieb sind. Derzeit laufen die Wintervorbereitungen auf Hochtouren. Die Kaisereggbahnen Schwarzsee und die Jaun-Gastlosen Bergbahnen, die Mitglied des Verbunds des Magic Pass sind, profitieren von den guten Verkäufen; bereits sind über 109 000 Magic-Pässe verkauft worden. «Dies entspricht den Erwartungen», sagt Matthias Jungo, Betriebsleiter der Kaisereggbahnen. Viele Leute hätten den Ganzjahrespass schon im Frühjahr gekauft, als die Verunsicherung wegen Corona weniger gross war, als sie es jetzt ist.

Das Bahnunternehmen spürt an anderer Stelle die Ausfälle: Normalerweise liegen um diese Zeit schon viele Reservationen für den Schlittelspass vor, von Vereinen, Firmen und Gruppen. «Bis jetzt ist praktisch noch nichts da», sagt Matthis Jungo. Dieses Angebot ist sonst ein Renner, es zieht von Mitte Januar bis Ende Februar an Freitagen und Samstagen bis zu 150 Personen pro Abend an. «Von dieser Auslastung sind wir heute weit entfernt.»

Masken auf dem Lift

«Die Leute warten nur darauf, dass die Wintersaison endlich startet», sagt Thomas Buchs, Betriebsleiter der Jaun-Gastlosen Bergbahnen. Neben der Vorfreude sei aber auch eine gewisse Unsicherheit zu spüren. Das Bahnunternehmen hat für den Winter im Prinzip die gleichen Schutzmassnahmen wie im Sommer in Bezug auf Desinfektion und Abstand vorgesehen. «Und auf den Liften gilt Maskenpflicht.» Sobald der Schnee da sei, würden gewisse Absperrungen errichtet, damit die Leute beim Anstehen und an der Kasse die Abstände einhalten können. «Uns werden die Skilager fehlen», sagt Thomas Buchs. Diese hätten die Woche über für eine gute Pistenbelegung gesorgt. Er hofft auf viele Tagesausflügler, weil die Leute lieber in der Region bleiben.

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