Düdingen 23.03.2020

Die Kandidatensuche beginnt

Der aktuelle Gemeinderat von Düdingen. Ab nächstem Jahr braucht es zwei Sitze weniger am Tisch.
Ab Frühling 2021 wird der Gemeinderat von Düdingen nur noch aus sieben Mitgliedern bestehen. Nun ist klar: Die Gemeinde will diese in einem 20-Prozent-Pensum anstellen, den Syndic in einem 80-Prozent-Pensum.

Teamfähigkeit, Flexibilität, hohe Belastbarkeit, gewinnende Umgangsformen und die Bereitschaft für «Learning by doing»: Das und noch einiges mehr sollten die zukünftigen Düdinger Gemeinderätinnen und Gemeinderäte mitbringen. So steht es in einer Broschüre der Gemeinde Düdingen zum neuen Gemeinderat mit sieben Mitgliedern. Die Exekutive wird in Düdingen wie in den meisten Freiburger Gemeinden im Frühling 2021 neu gewählt. Dabei sind nicht mehr neun, sondern neu sieben Plätze zu besetzen. Die Details und die Ressortverteilung sind nun bekannt geworden (siehe auch blaue Box).

Freiwilligenarbeit erwartet

Hintergrund des Entscheids war eine Analyse der Gemeindestrukturen gewesen, die eine Professionalisierung des Gemeinderats vorgeschlagen hatte. Nun ist klar, dass die Gemeinde die Gemeinderäte fix anstellen wird, und zwar zu einem Pensum von 20 Prozent. «Es wird erwartet, dass das Mitglied des Gemeinderats zwei Halbtage pro Arbeitswoche der Gemeinde zur Verfügung stellen kann», heisst es in der Informationsbroschüre. Zusätzlich wird ein freiwilliger Einsatz von zehn Prozent erwartet. Der Gemeindepräsident wird sogar ein 80-Prozent-Pensum haben. Die Gehaltsberechnung erfolge für alle sieben Gemeinderatsmitglieder auf Basis der Lohnklasse 29, Stufe 20 der kantonalen Gehaltsskala zu Legislaturbeginn. Auf der Skala des Jahres 2020 betrug der Lohn in dieser Klasse und Stufe rund 13 200 Franken pro Monat bei einer Vollzeitanstellung.

Vereinbar mit Beruf

Warum diese Pensen? «Für Angestellte wird es schwierig, mehr als 100 Prozent arbeiten», antwortet Kuno Philipona, der aktuelle Syndic von Düdingen. «Mit einem 20-Prozent-Pensum im Gemeinderat können sie nebenher immer noch eine Tätigkeit zu 80 Prozent ausüben.» Ein 80-Prozent-Pensum sei bei vielen Arbeitgebern möglich, ein Pensum von 70 Prozent oder weniger sei schwieriger, besonders in Anbetracht der Tatsache, dass die Gemeinderäte ja erst noch gewählt werden müssen. Für eine fixe Anstellung habe man sich entschieden, weil die Gemeinderäte so Sozialleistungen und Pensionskassenbeiträge erhielten. Dies sei bei Sitzungsentschädigungen nicht der Fall.

Knackpunkt Präsidium

Ein Knackpunkt ist das Präsidium, wie Kuno Philipona sagt. Der Gemeindepräsident wird nämlich nicht vom Stimmvolk, sondern von den Gemeinderatskolleginnen und -kollegen gewählt. Kandidierende müssen also zunächst in den Gemeinderat gewählt werden und wissen erst bei der ersten konstituierenden Gemeinderatssitzung, ob sie Syndic werden – und allenfalls ihre berufliche Tätigkeit stark reduzieren oder ganz aufgeben müssen. «Eine Volkswahl für das Gemeindepräsidium würde diesen Effekt etwas abschwächen und hätte mehr Legitimität», sagt Kuno Philipona. Auf Gemeindeebene könne man am Prozedere momentan aber nichts ändern. Es bräuchte dafür eine Gesetzesänderung auf Kantonsebene.

Parteien suchen

Der aktuelle Syndic macht sich keine Sorgen darüber, ob sich genug Kandidierende für die Ämter finden lassen. «Düdingen hat eine lebendige Parteienlandschaft.» Bei der letzten Wahl, 2016, hatten sich rund 30 Kandidierende auf die neun Sitze beworben. «Ich bin zuversichtlich, dass auch nächstes Jahr einige Parteien und Gruppierungen Listen mit mehreren Kandidierenden einreichen werden», sagt Philipona. Er selbst wird nicht mehr antreten und sein Amt im April 2021 aufgeben.

Zum Auftakt des Wahlkampfs hätte Mitte März eigentlich eine Informationsveranstaltung mit Kuno Phi­lipona, dem Oberamtmann Manfred Raemy sowie dem Generalratspräsidenten André Schneuwly stattfinden sollen. Sie wurde aber wegen des Coronavirus verschoben. «Die Gemeinde unternimmt keine spezifischen Anstrengungen zur Suche von Kandidaten, das ist Aufgabe der Parteien und Gruppierungen», sagt Kuno Philipona.

Er fügt an: «Klar ist, dass die neuen Gemeinderäte im ersten Jahr noch viel werden lernen müssen, so ging es mir auch.» Es gebe ja keine Lehre für das Amt. Darum sei die Bereitschaft für «Learning by doing» besonders wichtig.

Reaktion

«Jede Gemeinde muss eine Lösung für sich finden.»

Der Oberamtmann des Sensebezirks, Manfred Raemy, begrüsst grundsätzlich die Professionalisierung in den Gemeinden. «Die Aufgaben der Gemeinderäte werden zunehmend komplexer.» Wer dieses Amt übernehme, leiste einen grossen Einsatz für das Allgemeinwohl, der auf jeden Fall vergütet werden müsse.

Sicher sei: «Da müssen alle Gemeinden über die Bücher. Allerdings gibt es keine richtige oder falsche Lösung. Jede Gemeinde muss eine passende Lösung für sich finden.» Das könne eine Festanstellung der Gemeinderäte wie in Düdingen sein. «Hier besteht für die Kandidierenden immer das Risiko, dass sie ihre berufliche Tätigkeit reduzieren müssen, dann aber vielleicht gar nicht gewählt werden.»

Auch Giffers reduziert

Düdingen ist nicht die einzige Gemeinde im Sensebezirk, die auf die neue Legislatur hin die Zahl der Gemeinderäte reduziert hat. Auch Giffers wird ab 2021 sieben statt neun Gemeinderäte haben. Die Oberland-Gemeinde stockt gleichzeitig in der Verwaltung auf, um die Gemeinderäte zu entlasten. Eine Festanstellung ist in Giffers aber bisher nicht vorgesehen.

Organisation

So erfolgt die Ressortverteilung

Ressort 1: Präsidium: Dieses Ressort umfasst Repräsentationsaufgaben und die Sicherstellung der strategischen Planung und Ausrichtung der Gemeinde. Der Syndic übernimmt die Kommunikation mit der Verwaltung, der Bevölkerung und den Medien. Auch Tourismus, regionale Zusammenarbeit und die Wirtschaftsförderung fallen in seinen Aufgabenbereich.

Ressort 2: Finanzen und öffentliche Sicherheit. Dieses Gemeinderatsmitglied hat die Aufsicht über die Finanzen. Auch fallen Bevölkerungsschutz, Einbürgerungen, Gastronomie und Anlässe, die Parkplatzbewirtschaftung und die Verkehrssicherheit, das Versicherungs- und Vertragswesen sowie die Informatik in sein Ressort.

Ressort 3: Bildung und Soziales. Dieses Gemeinderatsmitglied kümmert sich um das Schulwesen, die sozialen Dienste, die Kinder- und Jugendarbeit sowie Integrationsprojekte. Auch das Gesundheitswesen sowie Altersfragen und die Gemeinwesenarbeit gehören dazu.

Ressort 4: Kultur, Sport und Liegenschaftsbetrieb. Dieses Gemeinderatsmitglied kümmert sich um den Kulturbetrieb in der Gemeinde und pflegt Kontakte zu Kulturschaffenden. Auch das Sportwesen gehört zum Aufgabenbereich, ebenso die Aufsicht und Verwaltung der Liegenschaften der Gemeinde.

Ressort 5: Bauwesen, Hochbau und Energie. Dieses Gemeinderatsmitglied kümmert sich um das Bauwesen sowie den Ortsbildschutz und die Denkmalpflege. Auch Energie-, Umwelt- und Naturschutzfragen fallen in das Ressort.

Ressort 6: Tiefbau, Versorgung und Enstorgung. Dieses Gemeinderatsmitglied kümmert sich um die Versorgungsinfrastruktur der Gemeinde, insbesondere um das Trinkwasser. Auch das Abfallwesen und die Kanalisationen gehören zum Ressort sowie der Bereich Verkehrswege.

Ressort 7: Raum- und Verkehrsplanung. Dieses Gemeinderatsmitglied kümmert sich um die Ortsplanung der Gemeinde. Zudem koordiniert sie oder er die Verkehrsplanung.