TENTLINGEN 13.01.2021

«Die Gemeinde ist von Ämtern abhängig»

In der letzten Legislatur hat der Gemeinderat von Tentlingen viele Geschäfte angerissen. Entweder waren sie in Rekordgeschwindigkeit abgeschlossen, oder sie ziehen sich auch nach Jahren noch hin.

Sechs Wochen hat es insgesamt gedauert, und das wichtigste Geschäft der ablaufenden Legislatur von Tentlingen war abgeschlossen: der Kauf des Sternen-Areals. «Das ist sehr schnell gegangen angesichts eines Betrags von 1,8 Millionen Franken», sagt Ammann Gerhard Liechti. Es freut ihn auch rückblickend, dass aus der Gemeinde mit 1338 Einwohnern damals über hundert an die ausserordentliche Gemeindeversammlung kamen. «Wenn wir das Areal nicht gekauft hätten, wären darauf Billigwohnungen entstanden.»

Ebenso viele Bürgerinnen und Bürger kamen an die Gemeindeversammlung gut drei Jahre später. Es ging um den Verkauf einer Landparzelle in der Nähe des Restaurants Sternen. Ein Mieter ist Coop. Doch das Projekt stockt, sagt Gerhard Liechti. Grund dafür sei das «Gstürm» wegen der Ortsplanung. Seit 15 Jahren ist die Gemeinde mit der Revision beschäftigt. Tentlingen liege auf dem Stapel des verantwortlichen kantonalen Amts. Wann ein Entscheid gefällt wird und ob dann ein Coop-Laden nach Tentlingen kommt, ist noch unklar.

Die Ortsplanung beinhaltet ein weiteres Projekt, das seit 2016 nicht vorwärts gekommen ist: eine Begegnungszone im Dorf. Gemäss dem FN-Artikel von damals sagte der zuständige Gemeinderat David Rotzetter schon damals, dass es seit Jahrzehnten ein Bedürfnis der Bevölkerung sei. Geschehen ist nichts. Gerhard Liechti wertet dies als sehr, sehr negativ. «Als Gemeinde ist man auf Gedeih und Verderb auf kantonale und teilweise auch auf Bundesämter angewiesen», sagt er. Tentlingen habe da oft nicht oberste Priorität.

Private Kita und Hofzufahrten

Neben den «Never Ending Stories», wie sie Gerhard Liechti nennt, hat die Gemeinde aber auch Projekte umgesetzt: Die Kita wurde privatisiert, das neue Rechnungsmodell HRM2 eingeführt und Hofzufahrten wurden saniert. Die Sanierung sei finanziell ein grosser Brocken gewesen, so Liechti. Auch in der kommenden Legislatur sollen Zufahrten saniert werden. Dann ist der neue Gemeinderat am Zug. «Vier oder fünf der jetzigen Gemeinderäte machen weiter», sagt Liechti, ohne Namen nennen zu wollen. Es sei schwierig, Nachfolger zu finden. Früher sei damit Werbung gemacht worden, dass es nur zwei Sitzungen im Monat gebe. Tatsächlich seien es hundert im Jahr. Das Amt gebe einem viel, man stehe aber auch im Wind. Er selbst stellt sich nach seiner ersten Legislatur zur Wiederwahl. «Syndic sollte man zehn Jahre lang sein, denn nach den ersten fünf Jahren ist man erst eingearbeitet.» Im Vergleich zu seiner über zwanzigjährigen Tätigkeit als Gemeinderat sei der Aufwand als Ammann zehn Mal höher.