Düdingen 12.01.2021

Die Baustelle Ortsdurchfahrt bleibt

Wie weiter mit dem Verkehr im Dorfzentrum? Diese Frage wird die Düdinger wohl noch eine Weile beschäftigen.
Bild Corinne Aeberhard
In Düdingen geht die erste Legislatur mit dem neuen Generalrat zu Ende. Die FN schauen mit den Fraktionen auf die letzten fünf Jahre zurück. Für fast alle ist klar: Bei der Verkehrspolitik ist zu wenig gegangen.
«Zuerst mussten wir uns finden» – diesen Satz sagen ausnahmslos alle befragten Düdinger Fraktionspräsidenten im Rückblick auf die letzte Legislatur. Als diese 2016 begann, nahm auch das erste Gemeindeparlament der bevölkerungsreichsten Gemeinde des Sensebezirks seine Arbeit auf. Es habe etwas Zeit gebraucht, herauszufinden, welche Kompetenzen bei der Legislative und welche bei der Exekutive lägen, sagt etwa Patrick Schneuwly, Fraktionschef der SP. Die Einführung des Generalrats bewerten aber alle positiv: «Es war richtig, den Generalrat einzuführen, denn wir beurteilen die Geschäfte sachlicher», sagt Hansueli Krummen, Fraktionspräsident der Freien Wähler. «Die Zusammenarbeit zwischen den Fraktionen ist gut», sagt Adrian Brügger, Fraktionschef der SVP. Benjamin Brägger, Fraktionspräsident der FDP, kritisiert aber: «Die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat ist schlecht. Dieser geht immer noch von einer Gemeindeversammlung aus und nicht von einem Generalrat, der sich aktiv einbringt.» Sein Amtskollege von der CVP-CSP-Fraktion, Thomas Meyer, urteilt etwas positiver: «Wir haben jetzt eine Basis in der Zusammenarbeit der beiden Räte, eine Optimierung ist aber möglich.»
 
Baustelle Ortsdurchfahrt
Ein Thema, das die Generalräte in der abgelaufenen Legislatur immer wieder beschäftigt hat, ist der Verkehr im wachsenden Dorf, das mittlerweile rund 8200 Einwohnerinnen und Einwohner hat. Zu Stosszeiten stauen sich regelmässig die Autos. Thomas Meyer von der CVP bezeichnet die Aufwertung des Ortskerns denn auch als grosse Baustelle. Und auch andere Fraktionschefs sagen, hier sei man nicht wirklich weitergekommen. «Es sind viele Ideen eingebracht worden, aber mehrheitsfähig war keine», fasst Daniel Hayoz von der Jungen Liste zusammen. Und Benjamin Brägger von der FDP sagt: «Wir haben einen Lösungsstau.»
 
Zu Beginn der Legislatur hatte die SVP ein Postulat für eine Ampel beim Fussgängerstreifen vom Bahnhofsplatz zum Einkaufszentrum eingereicht. «Der Gemeinderat hat uns hier enttäuscht», sagt Postulant Adrian Brügger. «Ein Bericht hatte sich für die Ampel ausgesprochen, man wollte aber lieber auf das Ortsdurchfahrtskonzept Valtraloc setzen. Und bis heute ist hier nicht viel passiert.»
 
Später brachte die SP die Idee einer Dorfkernzone mit Tempo 30 rund um den Bahnhofskreisel ein, der Vorstoss scheiterte aber im Generalrat. «Wir wollten einen urbanen Gedanken lancieren, der ist aber noch nicht in den Köpfen angekommen», so Patrick Schneuwly. 
 
Danach war die CVP an der Reihe: Sie regte an, zu prüfen, ob es möglich sei, die Bahnhofsunterführung bis zum Bahnhofszentrum weiterzuführen. Dieses Postulat wurde an den Gemeinderat überwiesen, der diese Variante nun im Rahmen der Neugestaltung des Bahnhofplatzes prüfen muss. Wie es tatsächlich mit der Ortsdurchfahrt weitergeht, entscheidet sich erst in der kommenden Legislatur.
 
ASB, Toggelilochsteg, Ortsbus
Düdingen hat in der vergangenen Legislatur aber auch einiges erreicht: Die Fraktionschefs nennen die Fertigstellung des Toggelilochstegs, die Einführung eines Ortsbusses und die Ausweitung der ausserschulischen Betreuung. Dazu kommt die Neuorganisation der Verwaltung und des Gemeinderats. Dieser wird ab der nächsten Legislatur sieben statt neun Mitglieder haben.
Der Umbau des Bahnhofbuffets ist derzeit in vollem Gange; im Frühling soll dort der neu geschaffene Sozialdienst Sense Unterland einziehen. Das Projekt war mehrmals Thema im Generalrat: Ein erstes Mal hatten es die Generalräte zurückgewiesen, weil ihnen unter anderem der verlangte Mietzins für den Sozialdienst zu tief erschienen war. Daniel Hayoz von der Jungen Liste sagt dazu: «Die Rückweisung war eine gute Sache, dadurch haben wir jetzt ein besseres Projekt.»
 
Mehr oder weniger investieren?
Was die Gemeindefinanzen betrifft, so gehen die Meinungen auseinander. SP-Fraktionschef Patrick Schneuwly wünscht sich etwas mehr Mut bei den Investitionen. Das brauche es bei einer so rasch wachsenden Gemeinde. Ganz anders tönt es von rechts: «Die Schulden bleiben hoch, wir müssen sehr gut abwägen, welche Investitionen es tatsächlich braucht», sagt Adrian Brügger von der SVP. Und Benjamin Brägger von der FDP sagt, dass seine Partei strenger hätte sein sollen, was das Budget- und das Personalwachstum der Gemeinde angehe. Thomas Meyer von der CVP wiederum findet es erfreulich, dass die Gemeinde in den letzten Jahren ein gewisses finanzielles Polster anlegen konnte.
 
Corona zum Schluss
Die Corona-Krise prägte das letzte Jahr der Legislatur. Gemäss den Fraktionschefs funktionierte die Ratsarbeit dennoch gut. Hansueli Krummen von den Freien Wählern sieht aber Verbesserungspotenzial in der Kommunikation mit der Bevölkerung: «Der Gemeinderat hätte hier näher an der Bevölkerung kommunizieren und handeln können. Andere Gemeinden haben das besser gemanagt.»
 
Rücktritte

Stimmung im Gemeinderat gibt zu reden

Was ist los im Gemeinderat von Düdingen? An der letzten Generalratssitzung erhob Franz Schneider von der FDP schwere Vorwürfe: Der plötzliche Rücktritt des FDP-Gemeinderats Fabian Wienert sei erfolgt, weil sich dieser den ruppigen Ton im Gemeinderat nicht mehr habe gefallen lassen wollen. FDP-Fraktionschef Benjamin Brägger sagt im Gespräch mit den FN: «Die Stimmung ist schlecht im Gemeinderat.» Viele Mitglieder seien schon zu lange dabei.
 
Auch die anderen Fraktionen beschäftigt das Thema. «Der Rücktritt gibt ein schlechtes Bild ab vom Team», sagt Hansueli Krummen, Fraktionschef der Freien Wähler. «Der Gemeinderat beweist in gewissen Dingen wenig Fingerspitzengefühl.» Patrick Schneuwly, Fraktionschef der SP, findet: «Es braucht einen Wechsel im Gemeinderat.» Es sei traurig, was passiert sei. Auch Thomas Meyer, Präsident der CVP-CSP-Fraktion, bedauert den Abgang von Wienert. «Wir finden es aber nicht angebracht, so kurz vor der neuen Legislatur noch eine Untersuchung oder Ähnliches einzuleiten.» Auch sei wegen des Vorfalls nicht die ganze Arbeit des Gemeinderats als schlecht einzustufen.
 
Adrian Brügger, Fraktionschef der SVP, sagt: «Ich bedaure den Abgang, eine gewisse Kollegialität muss einfach da sein. Das Gemeindewohl sollte im Vordergrund stehen.» Für Daniel Hayoz, Fraktionspräsident der Jungen Liste, ist das Ganze in erster Linie Sache des Gemeinderats. «Sollte sich eine schlechte Stimmung im Gemeinderat aber auf die Geschäfte auswirken, wird sie zum Problem.»
 
«Nicht alles schlecht»
Syndic Kuno Philipona sagt zum Thema, der Gemeinderat werde gewählt und bestehe aus Mitgliedern verschiedener Parteien. «Das ist auch gut so, und wir haben da eine gute Mischung.» Dies bringe aber auch mit sich, dass es unterschiedliche Meinungen und Ideen gebe und in den Sitzungen nicht immer Einigkeit herrsche. Das müsse man aushalten. «Es ist nicht perfekt, aber es läuft auch nicht nur schlecht im Gemeinderat», fasst er zusammen.nas
 
Exekutive

Der Blick des Syndics auf die ablaufende Legislatur

Der Bau des Toggelilochstegs, die Einführung und der Ausbau der ausserschulischen Betreuung, der Abschluss der Ortsplanung, der Umbau des Bahnhofbuffets und der Zusammenschluss des Sozialdiensts Sense Unterland, der demnächst ins Bahnhofsbuffet einziehen wird: Für Syndic Kuno Philipona (CVP) ist in der nun zu Ende gehenden Legislatur einiges gegangen. Es wird seine letzte als Syndic sein; er tritt bei den Wahlen im März nicht mehr an. 
 
Kuno Philipona stellt aber ebenso wie die Generalratsparteien fest, dass in Sachen Ortsdurchfahrt wenig passiert sei. Das liege unter anderem daran, dass die Gemeinde dort mit Bund und Kanton zusammenarbeite: «Diese Koordination braucht seine Zeit.» Die Vorarbeiten seien aber auf gutem Wege. «Ich bin zuversichtlich, dass es in der nächsten Legislatur rasch vorwärtsgehen wird.»
 
Die Zusammenarbeit mit dem Generalrat bewertet der Syndic als gut. Der Generalrat habe sich etabliert. «Es gibt viele Anfragen, Motionen und Postulate. Das ist an sich gut, führt aber auch zu Mehraufwand beim Gemeinderat», sagt der Syndic. Er gibt sich aber auch selbstkritisch: «Wir hätten vielleicht öfter über Zwischenresultate von Projekten informieren können, dann hätte es wohl weniger Fragen gegeben.»nas