Tafers 14.01.2021

Bürgergruppe will eine gemeinnützige Trägerschaft für das Asta-Projekt

Die geplante Überbauung des Asta-Platzes in Tafers sorgt nicht zum ersten Mal für Diskussionen.
Bild Corinne Aeberhard/a
Die IG Asta-Areal lanciert in Tafers eine Petition. Die Bürgergruppe will, dass die Trägerschaft des Generationenprojekts im Zentrum von Tafers gemeinnützig organisiert wird.
Über den Asta-Platz im Zentrum von Tafers ist schon viel diskutiert worden. An den vergangenen Gemeindeversammlungen war die geplante Überbauung immer wieder ein Thema, das ausgiebig und emotional diskutiert wurde. Nachdem der frühere Gemeinderat an den letzten Versammlungen Informationen über den Stand der Planung gegeben hat, verlangt eine Bürgergruppe vom neuen Gemeinderat einen Marschhalt. 
 
Keine private Trägerschaft
«Wir fordern den Gemeinderat auf, kein Verfahren zu starten, bei dem eine private Bauträgerschaft im Baurecht den Bau von Alterswohnungen mit Dienstleistungen, Gemeinderäumlichkeiten und öffentlichen Aussenflächen realisieren kann», heisst es in der Petition der Interessengruppe (IG) Asta-Areal, die am Dienstagabend lanciert worden ist. Die IG argumentiert, dass die Gemeinde mit der Vergabe an einen privaten Investor ihren Handlungs- und Gestaltungsspielraum auf dem eigenen Grundstück für die nächsten Jahrzehnte aus der Hand geben würde. Das würde sie stark binden und unnötig einschränken.
 
Die Bürgergruppe verlangt ein Konzept, in dem die Verantwortung der geplanten Bauten von öffentlichem Interesse einer gemeinnützigen Bauträgerschaft übertragen wird, etwa einer Stiftung oder einer Genossenschaft. Es geht dabei um die vorgesehenen Alterswohnungen sowie die Räumlichkeiten, die für ausserschulische Betreuung oder andere Dienstleistungen geplant sind. Dieses Konzept soll der Gemeindeversammlung vorgelegt werden. Die Petitionäre zitieren die Botschaft zur Gemeindeversammlung vom 1. Dezember 2016, als es um einen Planungskredit ging. Dort steht, dass Tafers eine ähnliche Überbauung für Alterswohnungen plane wie dies in Bösingen umgesetzt worden ist, wo eine eigens dafür gegründete Stiftung die Trägerschaft bildet. 
 
«Mit einer gemeinnützigen Trägerschaft behält die Gemeinde die Flexibilität für eine allfällige Anpassung an sich ändernde Bedürfnisse», heisst es in der Petition. Die IG weist darauf hin, dass es zahlreiche Projekte in der Region gebe, die beweisen, dass diese Art von Trägerschaft finanziell realisierbar sei und gut funktioniere. Als dritte Forderung wollen die Petitionäre, dass die Gesamtplanung inklusive eines Detailbebauungsplans gleich nach der Genehmigung der Ortsplanung gestartet wird.
 
Es geht um Bürgerinteressen
In der IG Asta-Areal haben sich 17 Bürgerinnen und Bürger aus Tafers zusammengeschlossen. Sie ziehen es vor, anonym zu bleiben, weil es um Bürgerinteressen gehe, bei denen die Funktion oder die Parteizugehörigkeit keine Rolle spiele, wie sie den FN sie auf Nachfrage erklärten. Ihr Ziel sei es, eine breite Diskussion über dieses für die Zukunft von Tafers wichtige Projekt anzustossen, in der Hoffnung, dass der neue Gemeinderat bei der Planung eine andere Richtung einschlage.
 
Die Unterschriftensammlung läuft bis zum 12. Februar. Der Zeitpunkt ist strategisch geschickt gewählt: Denn nur kurze Zeit später, am 25. Februar, findet die Gemeindeversammlung statt. Der Gemeinderat hat die Lancierung der Petition mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. Syndic Markus Mauron hält fest, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch kein Entscheid über die künftige Trägerschaft gefallen sei (siehe Kasten).
 
Gemeinderat 

«Wir haben viele Gespräche geführt» 

Es sei dem früheren Gemeinderat von Tafers klar gewesen, dass sich nach den letzten beiden Gemeindeversammlungen bei einigen Bürger Widerstand geregt habe, sagt Ammann Markus Mauron. «Ich bin aber nicht sicher, wie breit diese Befürchtungen in der Bevölkerung abgestützt sind.» Er stört sich daran, dass die IG Asta-Areal in ihrer Petition eine falsche Ausgangslage propagiere. So hätten die Petitionäre geschrieben, dass zum Asta-Areal auch das Vinzenzhaus und das Pflegeheim St.  Martin gehören. Das stimme aber nicht, sagt der Syndic. «Die beiden Institutionen sind nicht Bestandteil des Geschäfts, über das wir an der Gemeindeversammlung sprechen.»
 
Gut zugehört 
Der Gemeinderat habe die Reaktionen an den Versammlungen und die Argumente aus Gesprächen, die sich daraus ergeben hätten, aufgenommen, sagt Markus Mauron weiter. «Wir haben viele Gespräche geführt und gut zugehört.» Wo gute Argumente gekommen seien, habe man diese im Gemeinderat diskutiert und Korrekturen angebracht. So habe der Gemeinderat etwa die Bedenken der lokalen Gewerbetreibenden ernst genommen. Diese hatten befürchtet, dass sie zu kurz kommen könnten, je nachdem, wer die Überbauung realisiere. «Deshalb hat der Gemeinderat beschlossen, die Baurechtsvergabe im Einladungsverfahren durchzuführen», erklärt er. «So erzielen wir eine lokale Verankerung und können sicher sein, dass nicht eine grosse Immobilienfirma irgendetwas hinstellt. Denn wir wollen auch keinen Grossinvestor, der ein Renditeobjekt realisiert», hält er fest. 
 
Der Ammann sagt weiter, dass es durchaus sein könne, dass die künftige Trägerschaft eine Stiftung oder eine Genossenschaft sei. Die Kriterien, wer zu diesem Verfahren eingeladen werde, müssten noch definiert werden. Es sei möglich, dass dort die Art der Trägerschaft genau definiert sein wird.
 
Lead nicht bei der Gemeinde
«Klar ist, wir wollen das Land im Baurecht abgeben. An wen ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.» Für den Gemeinderat sei etwas anderes aber auch klar: Die Gemeinde habe nach der Fusion sehr viele eigene Projekte, und es bestehe ein grosser Investitionsbedarf. «Deshalb will die Gemeinde nicht auch noch den Lead für dieses Projekt übernehmen.» Die Gemeinde wolle auch nicht die Mehrheit der Anteile an der künftigen Trägerschaft übernehmen. «Sonst sind wir gezwungen, das Projekt öffentlich auszuschreiben, und die angestrebte lokale Verankerung könnte wieder nicht garantiert werden.» 
 
Zudem würden 70 Prozent der Anforderungen an diesen Platz – nämlich für den Bau von Alterswohnungen – nicht eigentlichen Gemeindeaufgaben entsprechen. Die Gemeinde habe aber Bedarf an Räumen für vor- und ausserschulische Betreuung. Das mache etwa 30 Prozent aus. 
Mit all diesen Erklärungen, die der Gemeinderat schon an der letzten Gemeindeversammlung abgegeben habe, erstaune es schon, warum die Petition jetzt lanciert worden sein. «Man versucht, den Gemeinderat in eine Ecke zu drängen und mit Informationen, die nicht ganz exakt sind, zu polarisieren», sagt Markus Mauron.