murten 29.06.2020

Neues Leben im alten Lokdepot

Leonard Riesen zeigt das Murtner Stationsgebäude.
Gestern hat der 13-jährige Schüler Leonard Riesen in Murten seine neue Ausstellung «Das Depot» eröffnet. Die Besucher erfahren im alten Lokdepot mehr über die Geschichte der regionalen Verkehrsmittel.

Betritt man den alten Lokschuppen gegenüber dem ehemaligen Landi-Verkaufsladen in Murten, wird man in eine andere Zeit katapultiert. Alte Motorräder stehen in einer Ecke, ein viel gebrauchter Holz-Brückenwagen erzählt von harten Arbeitstagen. Darüber sind eine ganze Reihe alter Fahrräder angebracht – zum Teil noch mit Holzfelgen. In der Luft hängt ein leichter Werkstattgeruch, ein unleugbarer Zeitzeuge, der seinen Beitrag zum unverwechselbaren Lokschuppen-Ambiente leistet.

Lokschuppen als idealer Ort

Mitten zwischen all den alten Fahrzeugen, Plänen, Modellen und Ausstellungsbesuchern steht Museumsdirektor Leonard Riesen. Der 13-jährige Schüler aus Courlevon hat bereits vor vier Jahren in seinem Elternhaus sein erstes Eisenbahn- und Sammlermuseum gegründet. Diesen Sommer lädt er das Publikum in den 1899 von der Jura-Simplon-Bahn erstellten Lokschuppen ein. Der Ort ist perfekt für seine Ausstellung, schliesslich dreht sich im Depot alles um Technik, Verkehr und Geschichte der Dreiseenregion.

«Es wurde am Schluss schon noch ein wenig stressig», gesteht Leonard Riesen den Besuchern in der Eröffnungsrede zu seiner Ausstellung. Im letzten Moment sei aber doch noch alles fertig geworden. «Ich muss jedoch sagen, dass die Ausstellung nie fertig sein wird», präzisiert der Schüler. «Es werden immer wieder Sachen neu dazukommen oder ausgetauscht werden.»

In der Ausstellung «Das Depot» hat der Jungkurator nichts dem Zufall überlassen. Sein Billett kauft der Besucher an einem alten SBB-Schalter aus Murten. Die Eintrittskarten werden aus einem über 100-jährigen Billettkasten gezogen und abgestempelt.

Im Depot werden Geschichten von Technik und Verkehr erzählt. Zugleich aber auch von Menschen wie Eric Wavre, der als 16-Jähriger eine eigene kleine Voiturette gebaut hat, um damit ins Gymnasium zu fahren. Den Führerschein machte er dann auch gleich mit seinem Fahrzeug. Es steckt aber noch mehr hinter der Ausstellung: «Wir wollen den Besuchern auch dieses historische Lokdepot zeigen», meint Leonard Riesen. «So bekommt es einen Zweck und kann erhalten bleiben.»

Private Trouvaillen als Bereicherung

Viele der Exponate sind Leihgaben, zum Beispiel die alte Öl-Sicherheitslaterne aus dem Jahr 1903. «Diese Laterne ist einzigartig auf der Welt, es gibt kein zweites Modell», erklärt Alain Castella, Präsident des Vereins GFM-Historique. Mit grosser Freude habe der Verein Leonard Riesen dieses Exponat ausgeliehen. «Die Bahngeschichte gehört zu unserer Kultur, und es ist wichtig, die Vergangenheit nicht zu vergessen.»

Wie viele Exponate es im Depot gibt, kann Leonard Riesen nicht sagen. Er hat auch kein Lieblingsstück, obwohl ihm der Berna-Lastwagen aus dem Jahr 1948 und das historische Modell des Bahnhofs Murten sehr am Herzen liegen. In einem offiziellen Akt vervollständigt der junge Museumsdirektor dieses Modell. Beim Aufbau hat er absichtlich einige Gebäude weggelassen. «Sicher habt ihr bemerkt, dass einige Objekte fehlen», meint er schmunzelnd, als er das Stationsgebäude Murten aus einem Karton nimmt und fragt, wo es denn hingehöre. Zu guter Letzt nimmt er noch eine Miniatur seines Berna-Lastwagens in die Hand, platziert sie neben dem Bahnhof und gesteht: «Das ist jetzt allerdings historisch nicht ganz korrekt.»

Daten und Fakten

Ein sonntägliches Vergnügen

Seit Anfang Jahr hat Leonard Riesen am Konzept seiner Ausstellung gearbeitet. «Eigentlich hätte die Eröffnung früher sein sollen, aber wegen des Coronavirus mussten wir sie verschieben», so Riesen. Der junge Museumsdirektor öffnet die Tore seiner Ausstellung jeweils am Sonntag zwischen 14 und 16 Uhr, und zwar bis am 25. Oktober 2020. Das Eisenbahn- und Sammlermuseum in Leonard Riesens Elternhaus ist während dieser Zeit geschlossen. In den Wintermonaten wird es im Lokschuppen zu kalt sein, und so empfängt Riesen das interessierte Publikum dann wieder in Courlevon. Jugendliche bezahlen für das Bestaunen der facettenreichen Ausstellung 5 Franken, Erwachsene 8 Franken. Für Kinder ist der Eintritt frei.

cb