Gurmels 09.01.2021

Gurmels hofft auf eine Lösung für seine Quelle

Bild Aldo Ellena
In Gurmels steht das Weisse Kreuz Vereinen und der Jugendarbeit zur Verfügung. Für ältere Menschen sind Alterswohnungen im Bau. Beide Projekte kamen in der vergangenen Legislatur zustande. Ein schwieriger Aspekt der letzten fünf Jahre ist das Wasser.
Der Gemeindepräsident von Gurmels kann der vergangenen Legislatur viel Positives abgewinnen: «Dass wir das ehemalige Restaurant Weisses Kreuz kaufen konnten, ist ein Gewinn für die Gemeinde», sagt Daniel Riedo im Gespräch. «Damit ist allen gedient: den Vereinen, der Jugendarbeit. Und es hat Parkplätze.» Das Weisse Kreuz ist zentral gelegen. «Es wird sehr fleissig genutzt.» 
 
Mit dem Seebezirk sei die Gemeinde in den letzten Jahren stärker zusammengewachsen: «Wir sprechen mehr miteinander und sind uns näher gekommen», freut sich Daniel Riedo, der selber in Murten arbeitet. Gurmels bleibe zwar speziell mit der Lage zwischen See- und Sensebezirk und seinem Dialekt. «Aber Gurmels gehört ganz klar zum Seebezirk.» 
 
Die Revision der Ortsplanung startete Gurmels 2003. Inzwischen sei sie fast ganz im Trockenen: «Ziemlich sicher erhalten wir Mitte des nächsten Jahres die abschliessende Bewilligung.» Ein Wermutstropfen sei jedoch, dass es mit der Sportplatzerweiterung nicht so geklappt hat wie gewünscht. Lange gedauert habe es mit der Ortsplanung wegen Gesetzesänderungen und auch wegen der Fusionen. Auf eine Fusion mit Kleinbösingen angesprochen, sagt Daniel Riedo: «Das wäre schön für Gurmels, ist aber in Kleinbösingen im Moment kein Thema.» 
 
Ein weiteres Highlight der Legislatur sei der Baustart der Alterswohnungen. «Wir sind froh, denn es ist ein Bedürfnis der Bevölkerung.» Bis jetzt gebe es in der Gemeinde kein vergleichbares Angebot. 
 
Die Schülerzahlen steigen in Gurmels seit etwa zwei Jahren. Wieso das so ist, kann sich der Gemeindepräsident auch nicht genau erklären: «Wir sehen keinen direkten Zusammenhang mit der Bautätigkeit.» Die Schulen seien seit seinem Eintritt in den Gemeinderat vor 25  Jahren ein Schwerpunkt – nicht nur in der vergangen Legislatur, in der die Gemeindeversammlung diverse Kredite für Sanierungen und Erweiterungen befürwortet habe. 
 
Die Verschuldung der Gemeinde stieg in den letzten Jahren an und wird voraussichtlich noch weiter steigen. «Wie weit wir gehen können, sagt schlussendlich die Bevölkerung.» Klar sei, dass nicht 
 
alle Wünsche berücksichtigt werden könnten. «Die Puffer sind die Strassensanierungen.» Das habe aber nicht nur finanzielle Gründe: «Die Bauverwaltung braucht auch genügend Zeit für die Projekte.»
 
Quelle umsonst saniert
Wenig abgewinnen kann Daniel Riedo der Tatsache, dass Gurmels seine Wasserquelle für zwei Millionen Franken saniert hat und das Wasser nun im wahrsten Sinne des Wortes den Bach runter geht. Grund dafür sind die neuen Grenzwerte für Chlorothalonil-Metaboliten. Der Grenzwert ist im Gurmelser Quellwasser überschritten. Die Gemeinde erhält nun Wasser aus Freiburg. 
 
«Wir starteten das Trinkwasserprojekt vor etwa 15 Jahren und entschieden, dass wir unsere Quelle weiter nutzen wollten.» Damals habe sich alles um den zu hohen Nitratgehalt gedreht. «Es war nicht einfach, mit den Landwirten Einigungen zu erzielen, so dass sie auf den vielen Hektaren Einzugsgebiet zum Beispiel keine Kartoffeln und keinen Mais mehr anbauten.» Denn diese Kulturen hatten zur Überschreitung der Nitrat-Grenzwerte geführt. «Das bedeutete, dass es die Bereitschaft brauchte für Umtausch und Umstellung auf Weiden.» Die Landwirte erhalten laut Riedo nun eine Entschädigung von Bund, Kanton und Gemeinde. Doch die Chlorothalonil-Metaboliten seien wohl ein längerfristiges Problem. Dennoch ist die Situation für Riedo alles andere als ideal: «Ich begreife das nicht. Es tut einer Gemeinde weh, so viel Zeit und Geld umsonst investiert zu haben.» Er hoffe sehr, dass Lösungen gefunden werden, das Wasser wieder zu nutzen.
 
Im Gemeinderat von Gurmels gab es in der vergangenen Legislatur keine Wechsel. «Es hat gut funktioniert, jeder konnte seine Meinung sagen. Wir pflegten eine kollegiale und gute Zusammenarbeit.» Er selber sowie Vizepräsident Jean-Marc Sciboz treten für die kommenden Wahlen nicht mehr an. «25 Jahre sind genug für mich», sagt Daniel Riedo. 
 
Dass es in Gurmels eine neue SVP-Sektion gibt, habe ihn nicht überrascht: «Das habe ich erwartet, da Parteigründungen schon lange Thema sind», sagt das CVP-Mitglied. Den Vorwurf, dass der jetzige Gemeinderat mit seinen fünf CVP-Mitgliedern und zwei Unabhängigen zu CVP-lastig sei, lässt er sich aber nicht gefallen: «Die Gemeinde wird nicht parteipolitisch geführt. Das hat sich ergeben. Parteipolitik war nicht ein Mal Thema im Gemeinderat.» Man müsse das trennen: «Nach den Wahlen ist das vorbei.»
 
Drei Listen mit je sieben Kandidatinnen und Kandidaten seien für die kommenden Wahlen bereits eingegangen: «Wir haben eine SVP-, eine CVP- und eine Unabhängigen-Liste mit je sieben Kandidatinnen und Kandidaten erhalten.» Damit ist klar: «In Gurmels fehlt es nicht an Kandidaten für den Gemeinderat.»
 
Die Gemeinde Gurmels zählt rund 4500 Einwohnerinnen und Einwohner. 
 
Parteien

«Immer mehr Kritik»

Die Parteileitungen der CVP Gurmels sowie der Unabhängigen Wähler Gurmels sind im aktuellen Gemeinderat vertreten. Der Präsident der SVP Gurmels-Kleinbösingen, Jean-Claude Goldschmid, nimmt zur vergangenen Legislatur nur kurz Stellung, da die Sektion erst seit einem Monat besteht: Grundsätzlich strebe die Partei eine grössere Vielfalt im Gemeinderat an. «Denn wir haben festgestellt, dass immer mehr Kritik und Unzufriedenheit mit dem gegenwärtigen Gemeinderat in der Bevölkerung aufkommt.» Diese Kritik betreffe die Aufteilung der Kosten zwischen der Gemeinde und Privatpersonen bei Erschliessungen, die Probleme bei der Wasserversorgung sowie die Planung der Baustellenzufahrt für das Quartier Bulliardhöhe West. emu