Murten 24.10.2020

«Ein sehr komplexes Ökosystem»

Der Regionalverband See und Murten Tourismus haben seit Juli eine gemeinsame Leitung. Stephane Moret und Deborah Defalque wollen Synergien schaffen zwischen den beiden Organisationen, die sich um Wirtschaft und Tourismus in der Region kümmern.

Die Förderung der Wirtschaft und des Tourismus im Seebezirk sind die wesentlichen Aufgaben des Regionalverbands See (RVS). Seit dem 1. Juli steht Stephane Moret an dessen Spitze. Seine bisherige Tätigkeit als Geschäftsleiter von Murten Tourismus behält er bei. Deborah Defalque ist Marketingleiterin von Murten Tourismus sowie Morets Stellvertreterin im RVS und bei Murten Tourismus. Im Interview sprechen die beiden über ihre neuen Rollen und Aufgaben.

Deborah Defalque und Stephane Moret, wie sind Sie in die neue Doppelfunktion gestartet?

Stephane Moret: Bevor Deborah Defalque und ich unsere Arbeit beim RVS aufnahmen, mussten wir sicher sein, dass die Aktivitäten bei Murten Tourismus weiterhin funktionieren. Darum hat sich vor allem Simon Neuhaus, neuer Leiter der Lichtprojekte, gekümmert. Er ist mit Deborah und mir Teil der Direktion von Murten Tourismus. So hatten Deborah und ich Zeit, um die Aktivitäten des Regionalverbands See im Detail kennenzulernen und den Übergang mit der Vorgängerin Elisabeth Ruegsegger sicherzustellen.

Deborah Defalque: Für mich ist es eine riesige Chance, für diese Region zu arbeiten und ihre Attraktivität weiter zu steigern. Aufgewachsen bin ich im Vully. Ich liebe unsere Region. Sie hat so viel zu bieten, sei es für Geniesser mit den guten Weinen von Vully und dem Gemüse vom Seeland oder für Neugierige mit unserem Stedtli. Zu Beginn habe ich die Welt des Tourismus besser kennengelernt und mich gut in das Team integrieren können. Es war eine sehr positive Einstiegsphase. Wir hatten sehr viel Austausch im Team zur zukünftigen Zusammenarbeit.

Was haben Sie bereits in Angriff genommen?

Moret: Die erste Phase bestand darin, eine neue Zusammenarbeit zwischen RVS und Murten Tourismus auf die Beine zu stellen. Diese beiden Strukturen haben bereits gut zusammengearbeitet. Aber wir haben festgestellt, dass einige Personen in den zwei Strukturen dasselbe machen. Jetzt können wir die Kompetenzen aller Teammitglieder besser nutzen und effizienter werden. RVS und Murten Tourismus bleiben als zwei Strukturen bestehen, haben aber ein gemeinsames Team, und wir versuchen, Synergien zu schaffen. Seit September können wir an konkreten Projekten arbeiten. Die Resultate werden in den nächsten Monaten oder Jahren zu sehen sein. Derzeit machen Deborah und ich viele Besuche bei Partnern. Da hören wir vor allem zu, um zu erfahren, was von uns erwartet wird und was ihre Bedürfnisse sind.

Die Hauptaufgabe des RVS ist die Förderung der Wirtschaft und des Tourismus. Wie sorgen Sie dafür, dass kein Bereich vernachlässigt wird?

Moret: Kultur, Tourismus und Marketing laufen vor allem über Deborah. Unsere Partner sind unter anderen die Tourismusregionen und Akteure aus der Werbung. Da konnte Deborah mit ihren Marketingkenntnissen neues Know-how einbringen. Im Bereich Wirtschaftsförderung und in der Geschäftsleitung habe hingegen ich den Lead. Die Partner dort sind unter anderem Gemeinden, Firmen und Gewerbevereine. Ich würde sagen, die Aufteilung zwischen uns beiden funktioniert ziemlich gut. Scharf trennen lassen sich Wirtschaft und Tourismus aber nicht. Es ist ein Ökosystem, das sehr komplex ist.

Defalque: Wenn die Region touristisch attraktiv ist, dann ist sie es auch für die Wirtschaft und die Unternehmen. Wir müssen gut zusammenarbeiten. Das ist schon jetzt der Fall.

Moret: Wirtschaft und Tourismus müssen zusammenarbeiten, aber trotz allem getrennt bleiben. Die Rhythmen und Partner sind unterschiedlich. Strategische Diskussionen führen Deborah und ich immer zusammen.

Wirtschaft und Tourismus sollen also getrennt bleiben. Ist eine mögliche Fusion von RVS und Murten Tourismus damit vom Tisch?

Moret: Nein. Wirtschaft und Tourismus sind im RVS zwei separate Bereiche. Derzeit gibt es Diskussionen, wie wir besser zusammenarbeiten können. Die Frage, ob die Wirtschaft separat funktioniert oder zusammen mit dem Tourismus ist noch offen. Unser Ziel ist es, die beste Lösung zu finden, um effizient zu sein in beiden Bereichen. Für mich ist mehr Wirtschaft oder mehr Tourismus eine falsche Diskussion.

Warum?

Moret: Tourismus ist ein Wirtschaftsbereich, der einen grossen Einfluss auf andere Bereiche hat. Tourismus und die globale Wirtschaft interagieren in unserer Region stark zusammen. Es ist jedoch schwieriger, in der Wirtschaft sichtbare Resultate zu zeigen als im Tourismus. Dies kann falsche Eindrücke generieren.

Welche Schwerpunkte haben Sie für Ihre Arbeit in der nächsten Zeit festgelegt?

Defalque: Für uns ist es wichtig, eng mit unseren Partnern zu arbeiten und diese Partnerschaften auch weiterzuentwickeln, damit wir einen grösseren Ausstrahlung in der Schweiz generieren. Unsere Region soll noch beliebter werden. Diesen Sommer hat das gut funktioniert. Wir hatten in der Region sehr viele Besucher aus der ganzen Schweiz.

Moret: Unsere Arbeit soll eine positive Wirkung auf die Wirtschaft und den Tourismus haben, und vielleicht sogar auf die Lebensqualität in der Region. Der Schwerpunkt zu Beginn ist es, Vertrauen zu schaffen. Dies braucht aber viel Zeit. Wir haben das in den letzten Jahren aufbauen können mit grossen Events und Projekten. Jetzt möchten wir dieses Vertrauen weiter nutzen.

Auch der Verband der Gemeinden des Seebezirks soll zur wirtschaftlichen Entwicklung des Bezirks beitragen. Wo verläuft die Grenze zwischen RVS und Gemeindeverband?

Moret: Der Gemeindeverband ist mehr auf die Zonenplanung ausgerichtet. Es ist aber sehr wichtig, dass zusammen diskutiert und gearbeitet wird. Denn es gibt Überschneidungen. Mit dem Kanton gibt es ebenfalls viele Kontakte. Der RVS hat sehr wenig Mittel, um wirklich Wirtschaftsförderung zu betreiben. Deswegen sind die Koordination mit diversen Partnern und eine gute Vernetzung umso wichtiger.

Wie kann der RVS die Wirtschaft unterstützen?

Moret: Eine Schnittstelle zu sein, ist unsere Hauptmission. Das heisst: schauen, dass die Wirtschaftsakteure im Seebezirk zusammen diskutieren. Somit werden Projekte vielleicht nicht unter unserer Leitung realisiert, aber durch unser Mitwirken. Unsere zweite Mission ist es, Rahmenbedingungen zu setzen, damit es für die Wirtschaftsakteure so unkompliziert wie möglich ist, zu arbeiten. Für einen Bezirk ist es wichtig, dass es eine Struktur gibt, die eine Vernetzung schafft und bei Fragen unterstützt.

Wie bekannt ist der RVS?

Moret: Ich denke, dass alle Akteure den RVS kennen. Es ist aber nicht immer klar, was der RVS macht. Da müssen wir unsere Rolle proaktiver kommunizieren. Wir haben aber eine Hintergrundrolle. Deshalb ist es wichtig, dass die Akteure, die uns brauchen, uns kennen. Also die Gemeinden, die Firmen, die etwas ändern möchten, oder die Gewerbevereine. Es ist jedoch nicht schlimm, wenn nicht die gesamte Bevölkerung weiss, was der RVS macht.

Stephane Moret, Sie sind seit 2009 Geschäftsleiter von Murten Tourismus. Wie haben Sie sich auf Ihre neue, zusätzliche Aufgabe im RVS vorbereitet?

Moret: Ich habe als Weiterbildung einen Executive Master of Business Administration begonnen. Diese Weiterbildung zeigt mir, welche Überlegungen in wirtschaftlichen Strukturen im Vordergrund stehen. Das bringt mir sehr viel, um die Bedürfnisse der Firmen und KMU zu verstehen.

Wie hat die Corona-Pandemie die internen und externen Aktivitäten des RVS beeinflusst?

Defalque: Natürlich wurde vieles durcheinandergeworfen. Es ist aber auch eine riesige Chance, neue Projekte zu unternehmen. Die Planung für 2021 müssen wir abändern, damit sie zur neuen Situation passt.

Moret: An der Situation an sich können wir nichts ändern. Für uns als Struktur ist es eine Chance, zu zeigen, dass wir professionell und anpassungsfähig sind. Das ganze Team arbeitet stark daran, Lösungen zu den neuen Umständen zu finden. Es ist in dieser Zeit besonders wichtig, zusammen mit dem Tourismus und der Wirtschaft neue Wege zu suchen. Wir müssen alle weiterhin zusammen sprechen, investieren und an die Zukunft denken.