Jeuss/Düdingen 22.05.2020

«Das habe ich noch nie erlebt»

Die Bienen füllen die Waben mit Honig. Im nächsten Schritt verschliessen sie die Waben mit einer Wachsschicht: Sie deckeln jede einzelne Zelle.
Die Honigernte fällt diesen Frühling besonders reich aus, wie Imker aus dem See- und Sensebezirk berichten. Gründe dafür sind das zeitige Blühen und das sonnige Wetter. Auch für andere Insekten ist es ein gutes Jahr.

Seit 1993 pflegt Bruno Hayoz aus Düdingen das Hobby als Imker, dieses Jahr ist für ihn ein besonderes: «Ich habe noch nie so viel Honig ernten können. Es ist ein sehr gutes Jahr für die Bienen und damit auch für den Honig. Das habe ich noch nie erlebt.» Wie viel Honig er von seinen 22 Honigbienenvölkern ernten konnte, will Bruno ­Hayoz nicht sagen, er verrät den FN nur soviel: «Es ist etwa die Hälfte mehr als in normalen Jahren.» Andreas Landolf aus Gempenach geht es genauso: «Ich kann dies nur bestätigen, es ist ein besonders gutes Jahr für die Bienen.» Landolf imkert seit 15 Jahren und ist Präsident des Imkervereins Deutschfreiburger Seebezirk. Seine Bienenstöcke stehen in Jeuss. Am Dienstag habe er die Waben geschleudert, also den Honig mittels Zentrifugalkraft aus den Waben befördert. «Von vier Völkern konnte ich 60 Kilogramm Honig ernten – so viel gab es noch nie.» Als eine gute Frühlingsernte gilt unter Imkern alles über zehn Kilogramm Honig je Volk. Mit 15 Kilogramm pro Bienenstock ist die Ausbeute damit ausserordentlich.

Bruno Hayoz wie auch An­dreas Landolf führen die reiche Honigernte auf das gute Wetter und das frühzeitige Frühlingserwachen zurück: «Alles hat zwei bis drei Wochen früher geblüht als sonst, die Obstbäume wie auch der Raps. Zudem war das schöne Wetter im April ideal für die Bienen, sie konnten täglich fliegen», sagt An­dreas Landolf. «Sie haben die Kästen in dieser Zeit prall gefüllt», freut sich der Imker. Gerade die vielen blühenden Obstbäume und Rapsfelder in der Region hätten viel zur guten Ernte beigetragen.

Rettung in der Krisenzeit

«Wegen der Rapsblüten ist der Honig dieses Jahr heller», erklärt Bruno Hayoz. Er habe schon gelesen, dass Honig von Raps gut für das Herz sein soll. Der Rapshonig zeichne sich auch dadurch aus, dass er schneller hart wird. Bruno Hayoz ist pensioniert, von März bis August ist er fast täglich bei seinen Bienenvölkern anzutreffen. «Ich habe grosse Freude an dem Hobby. Es ist besser, als den ganzen Tag zu Hause zu sitzen.» Während der Corona-Krise ganz besonders: «Ich konnte zu den Bienen in den Ausgang, das war meine Rettung.»

Der Standort seiner Völker ist das Düdinger Moos, «dort finden sie immer etwas». Die Hälfte seiner Bienenvölker habe er aber vor einigen Tagen in die Berge auf den Sangernboden gebracht. Ob er ein zweites Mal Honig ernten kann, weiss Bruno Hayoz noch nicht: «Es sieht nicht schlecht aus, ich kann es aber noch nicht sagen.» Der Honig aus den Bergen werde auf jeden Fall anders sein: «Im Gegensatz zum Blütenhonig ist der Wald- und Berghonig dunkler und bleibt flüssiger.»

Auch Daniel Buntschu, Vize-Präsident des Imkervereins des Sensebezirks, ist zufrieden: «Wir konnten viel ernten und ausserordentlich früh mit dem Schleudern des Honigs beginnen.» Er hat seine Bienen in Alterswil. Ein kurzer Kälteeinbruch habe zwar dazu geführt, dass die Bienen einen kleinen Teil des Honigs selber brauchten, «aber das ist richtig so».

Allen drei Imkern ist in diesem Frühjahr aufgefallen, dass es besonders viele Insekten zu entdecken gibt: «Das Jahr hat nicht nur für die Honigbienen gut begonnen. Es hat diesen Frühling auch besonders viele Hummeln, Schmetterlinge und Wildbienen», sagt Andreas Landolf. «Die gute Luft während des Lockdowns und das gute Wetter haben der Natur gut getan.»

Bienensterben

Weltbienentag und das Verbot von zwei Insektiziden

Am Mittwoch hat der von den Vereinten Nationen ausgerufene Weltbienentag zum dritten Mal stattgefunden. Wie der Landwirtschaftliche Informationsdienst (lid) meldete, erreichte der Tag einen Rekord: Rund 50 000 Kinder und Erwachsene beteiligten sich an Bienenretter-Aktionen zum Weltbienentag.

Der Schweizer Bienengesundheitsdienst (BGD) appellierte im April an die Produzentinnen und Produzenten von Obst und Raps, sparsam mit Insektiziden umzugehen. Bienenvölker finden im Frühling in Obst- und Rapskulturen wertvolle Nahrung. 2019 sind laut BGD 16 Vergiftungsverdachtsmeldungen eingegangen. Fünf davon seien mithilfe von Laboruntersuchungen bestätigt worden. Verursacht wurden die Bienenvergiftungen vor allem durch die Insektizide Chlorpyrifos, Chlorpyrifos-methyl und Spinetoram. Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-methyl dürfen ab Juli laut Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) nicht mehr verwendet werden. Der BGD empfiehlt den Landwirten, auf Pestizide zu verzichten. Lässt sich ein Einsatz nicht vermeiden, sollten die Produkte nur nach dem Bienenflug am Abend angewandt werden.

lid/emu