Murten 26.06.2020

Beim Schulhof soll der Kredit stimmen

Der Schotter und die niedrigen Schulpavillons hinter den Bäumen sollen zugunsten von Naturspielflächen verschwinden.
Der Gemeinderat Murten startet die nächste Etappe für eine moderne Schule Längmatt: Er legt die Pläne für den Schulhof auf. Ausgeben darf er dafür nur 500 000 Franken, halb so viel wie geplant. Gleichzeitig hält er das Budget für das Schulhaus nicht ein.

«Nach dem ersten Frust bin ich zuversichtlich, dass eine gute Lösung realisierbar ist», sagt der Murtner Gemeinderat Alexander Schroeter (SP). Er meint damit die Gestaltung der Engematte, also des Pausenhofs des Primarschulhauses Längmatt. Beim Murtner Generalrat hatte er dafür im Dezember einen Kredit von einer Million Franken beantragt. Doch die meisten Generalrätinnen und Generalräte empfanden das als zu teuer und bewilligten nur 500 000 Franken (die FN berichteten).

Nun liegt das Projekt für die Gestaltung des Pausenhofs auf und Schroeter rechnet mit Ausgaben zwischen 400 000 und 500 000 Franken. Auf was hat er verzichtet, um die Kosten so stark zu senken? «Ursprünglich war ein Masterplan – eine Art Fernziel – vorgesehen, mit Kosten von einer Million Franken», antwortet der Gemeinderat den FN. «Bald werden wir Offerten einholen, schauen welche Kosten darin enthalten sind und dann entscheiden, was umgesetzt werden kann.» Demnach sind noch nicht alle Details zum Schulhof entschieden. Die Kreditgrenze von 500 000 Franken wolle er unbedingt einhalten. Schroeter geht nicht davon aus, dass der Generalrat sich in ein bis zwei Jahren erneut mit einem Kredit für die Aussenraumgestaltung befassen muss.

Dem Sparauftrag des Generalrates kann Schroeter auch eine positive Seite abgewinnen. «Wir könnten einen Teil des Hofes vorerst als Brache lassen und später die Kinder bei der Gestaltung miteinbeziehen.»

Bäume und Hochbeete

Dem Gemeinderat ist wichtig, dass die Engematte neu dynamischer gestaltet wird. «Es soll nicht einfach alles Rasen sein.» Gemäss den aufgelegten Plänen sind unter anderem Baumstämme zum Balancieren und Klettern für die Kinder vorgesehen sowie eine brachliegende Naturspielfläche. Die Schulpavillons und der Schotterplatz der Baustelle werden zugunsten einer Fläche mit Bäumen und Sträuchern verschwinden. «Dies soll eine Pufferzone zwischen dem sanierten Schulgebäude und der Wiese sein», so Schroeter.

Auch Hochbeete sind vorgesehen. «Ihr Vorteil ist, dass sie bei Nichtbenutzung weggeräumt werden können, im Gegensatz zu einem Schulgarten.» Die Erfahrung zeige, dass Hochbeete nur temporär von Klassen genutzt werden.

Ob die Laufbahn in Zukunft wieder auf ihrer ganzen Länge genutzt werden kann, ist noch offen. Die 100 Meter lange Bahn sei für die damalige OS errichtet worden. Für eine Primarschule seien 60 Meter ausreichend, sagt Schroeter.

Nach dem Ende der öffentlichen Auflage solle die Engematte etappenweise umgestaltet werden mit jeweils kurzen Interventionen, die zwischen ein und zwei Wochen dauern.

Zufrieden mit der Kürzung

Kritik am ursprünglich vorgesehenen Kredit von einer Million Franken übte unter anderem die Finanzkommission des Generalrates. Damals habe der Gemeinderat das Projekt zu diesem Preis als Minimalvariante bezeichnet, sagt Kommissionspräsident Thomas Bula (FDP) auf Anfrage. Dass eine Umsetzung mit halb so hohen Kosten nun möglich sei, sei gut, zumal der Schulhausbau nun einen Mehraufwand verursacht (siehe Kasten).

Auch die SVP hatte im Generalrat eine Kürzung des Kredits verlangt. «Im öffentlichen Bauwesen muss man immer vorsichtig sein, dass keine Luxusvariante angestrebt und Geld verschwendet wird», sagt Fraktionspräsident Fritz Wüthrich. «Es freut mich zu hören, dass das Projekt auch mit 500 000 Franken machbar ist.» Mit der Forderung nach einer Kreditkürzung habe die SVP richtig gelegen, denn die finanzielle Situation der Gemeinde werde sich wegen der Corona-Krise jetzt nicht verbessern.

Martin Leu, Präsident der GLP-, CVP- und EVP-Fraktion, begrüsst die geplanten naturnahen Elemente des Pausenhofs sowie die Hochbeete als pädagogische Aktivität für Kinder. Er gibt aufgrund der Corona-Krise zu Bedenken, dass weniger Ausgaben durch die Gemeinde auch weniger Geld für die lokalen Betriebe bedeuten.

Die SP-Fraktion äusserte sich auf Anfrage nicht.

Schulhaus Längmatt

Murten überschreitet Kredit um 380 000 Franken

Rund 8,9  Millionen Franken hätte die zweite Etappe des Um- und Neubaus des Schulhauses Längmatt nahe dem Berntor kosten sollen. Doch nun, wo die Bauarbeiten nahezu abgeschlossen sind, wird bekannt, dass die Gemeinde Murten den vom Generalrat bewilligten Kredit um 380 000 Franken überschreitet.

Eigentlich wären die Mehrkosten fast noch höher ausgefallen, sagt Thomas Bula (FDP), Präsident der Finanzkommission, auf Anfrage. «Die Gemeinde Murten informierte die Kommission über eine Kostenüberschreitung in Höhe von 500 000 Franken. Durch eine schnelle Verzichtsplanung seitens der Gemeinde wurde die Überschreitung auf 380 000 Franken reduziert.» Dieser Betrag entspricht rund 4,2 Prozent des Kredits.

Laut Thomas Bula habe die Gemeinde den zuständigen Architekten zu frei gewähren lassen. «Wenn es Projektänderungen gibt, müssen die Auswirkungen auf die Kosten frühzeitiger geprüft werden.» Der Finanzkommission wurde versichert, dass die Gemeinde Lehren aus diesem Projekt gezogen habe und Verbesserungsmassnahmen in künftigen Projekten vorgesehen würden.

«Bis Herbst erhielt der Gemeinderat immer die Rückmeldung, dass wir beim Schulhaus Längmatt auf Kurs sind», sagt Gemeinderat Alexander Schroeter den FN. «Rückblickend hätten wir uns gewünscht, dass wir vom Architekten spätestens im Herbst von der Entwicklung der Kosten erfahren hätten.»

Als die Überschreitung des Kredits bemerkt worden sei, sei es für einen Nachtragskredit bereits zu spät gewesen. Der Generalrat hätte keinen Einfluss mehr auf die Kosten nehmen können.

Schroeter betont, dass die Mehrkosten mit der Verbesserung wichtiger Punkte zusammenhängen, wie zum Beispiel der Statik. «Wir haben gehofft, dass wir woanders etwas einsparen können, aber Anfang Jahr wurde deutlich, dass das nicht möglich ist.»

Bei Bauprojekten gebe es Kostenprognosen mit einer Spannweite von zehn Prozent. «Da liegen wir noch deutlich darunter», so Schroeter. Weiter erinnert er, dass der Kredit für das Schulhaus bereits vor einigen Jahren gesprochen wurde. «Seitdem hat sich viel geändert: Es braucht neue Energieexamen, die mit zusätzlichen Kosten verbunden sind.» Zudem habe es beim Umbau des 1960 errichteten Schulhauses mehrere Überraschungen im Gebäudeinneren gegeben.

jmw