29.10.2020

Nicht mit unseren Massstäben messen

Die Konzernverantwortungsinitiative zeigt zwar Missstände auf und setzt plakativ auf Emotionen. Die Bilder, die da gezeigt werden, lassen niemanden kalt. Trotzdem ist diese Initiative kontraproduktiv und ungeeignet, die Situation in Entwicklungs- und Schwellenländern wirklich zu verbessern.

Wir leben in der Schweiz im Wohlstand und neigen ungewollt dazu, die Situation in anderen Ländern mit unseren Massstäben zu messen. Wir vergessen dabei ganz, dass es auch in der Schweiz vor Jahrzehnten noch grosse Unterschiede gab. Besonders unser schönes geliebtes Freiburgerland war eine lange Zeit sehr rückständig. Erst nach dem Bau der Autobahn konnte unser Kanton wirtschaftlich zur übrigen Schweiz aufholen.

Viele Länder in Südamerika, Afrika und Asien sind korrupt und werden autokratisch oder diktatorisch regiert. Zudem sind manchmal auch Faktoren wie Mentalität oder Religion Hindernisse für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. In einem solchen Umfeld ist es für Schweizer Firmen schwierig, gegen Verstösse von Tochter- oder Zulieferfirmen juristisch vorzugehen.

Wird die Konzernverantwortungsinitiative angenommen, würden sich Schweizer Firmen aus solchen Entwicklungsländern zurückziehen. Die Gewinner wären die Chinesen, die sich kaum um Menschenrechte und die Umwelt kümmern. Schon heute werden zu Recht Firmen in die Pflicht genommen, die sich nicht korrekt verhalten. Aus diesem Grund stimme ich Nein.