Leichtathletik 24.07.2020

Auch der Murtenlauf abgesagt

Wegen der Corona-Pandemie wird der Murtenlauf dieses Jahr nicht stattfinden. Es ist erst das zweite Mal in seiner 87-jährigen Geschichte, dass der älteste Strassenlauf der Schweiz abgesagt werden muss.

Im Jahr 1939 musste der Murtenlauf wegen der Generalmobilmachung zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs abgesagt werden, ansonsten hat er seit seiner Premiere 1933 immer durchgeführt werden können. Bis ins Jahr 2020. Gestern haben die Organisatoren bekannt gegeben, dass der Gedenklauf dieses Jahr nicht stattfindet. Das Coronavirus hat sein nächstes Opfer gefordert.

«Keine Besserung in Sicht»

Ende Juni hatte das Murtenlauf-OK nach den neusten bundesrätlichen Massnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie noch erklärt, dass es die Planung der 87. Austragung vom 4. Oktober weiter vorantreibe. Man sei dabei, ein Schutzkonzept auszuarbeiten, das die Anforderungen der verlangten Schutzmassnahmen erfülle und mit dem eine Durchführung des Laufs möglich sei. Einen Monat später wurden die Organisatoren von Alltag in der Covid-19-Zeit eingeholt. «Die seit Montag im Kanton Freiburg geltende Massnahme, dass Veranstaltungen auf 300 Personen begrenzt sind, hat uns zum Umdenken veranlasst», sagte Laufdirektor Olivier Gloor gegenüber den FN. «Wir haben gehofft, dass es bis in den Herbst eine Entspannung bezüglich Corona geben könnte. Doch eine Besserung ist nicht in Sicht, die Infektionszahlen steigen wieder, anstatt zu sinken.» Die Hoffnung, dass im Herbst wieder mehr als 1000 Leute zu Veranstaltungen zugelassen sein könnten, habe sich dadurch zerschlagen. «Die organisatorischen Hindernisse für die diversen Schutzvorkehrungen inklusive Contact-Tracing sind zu hoch.»

Nach dem 42. Kerzerslauf, der am 21. März hätte stattfinden sollen, und der Corrida Bulle (21. November) ist damit auch der dritte grosse Lauf­event des Kantons Freiburg dem Coronavirus zum Opfer gefallen.

Lange gehofft

Dass der Kinder-Murtenlauf nicht würde stattfinden, das war für die Organisatoren schon länger klar, wie Gloor erklärte. «Der Kinder-Murtenlauf ist ein Rundlauf in der Stadt. Dieses Format begünstigt eine Gruppierung von Menschen rund um die Laufstrecke.» Die Einhaltung der empfohlenen Distanz- und der Hygienemassnahmen sei unter diesen Gegebenheiten nicht zu gewährleisten. «Aber ich habe wirklich lange daran geglaubt, dass wir den eigentlichen Murtenlauf irgendwie durchführen können.»

Man habe ein Konzept mit längeren Startzeiten ausgearbeitet, so dass nie mehr als 100 Leute gleichzeitig loslaufen würden, sagte Gloor. «Wir haben einen Lauf ohne Garderoben, ohne Festwirtschaft und ohne Grossleinwand im Zielraum geplant, damit der Anlass hätte über die Bühne gehen können. Erste Priorität hatte für uns aber immer die Gesundheit der Teilnehmer und da wir diese angesichts der ungewissen Entwicklung der Gesundheitslage nicht mehr garantieren können, haben wir uns entscheiden, das Ganze abzublasen.» Zudem sei der Murtenlauf nicht nur ein Wettkampf, sondern auch ein Volksfest. «Diesen Aspekt ganz aus den Augen verlieren wollten wir auch nicht.»

T-Shirts schon bestellt

Was die Absage des Murtenlaufs 2020 für finanzielle Folgen hat, konnte Laufdirektor Gloor gestern noch nicht abschätzen. «Zum einen haben wir über das ganze Jahr laufende Kosten, zum anderen haben wir bereits Ausgaben für die Kommunikation getätigt und auch schon die Werbeplakate gedruckt.» Auch die Erinnerungs-T-Shirts habe man schon bestellt. «Vorsorglich ohne aufgedrucktes Datum, damit wir sie nächstes Jahr verwenden können.»

Sponsoren, Kanton und Stadt hätten ihre Bereitschaft zur Hilfe zugesichert, «weshalb ich davon ausgehe, dass unser finanzieller Schaden nicht so gross sein dürfte», so Gloor optimistisch. «Um das Fortbestehen des Murtenlaufs muss man sich zwar keine Sorgen machen. Die aktuelle Krise stellt aber alle betroffenen Grossveranstaltungen vor eine grosse Herausforderung.»

Virtueller Murtenlauf

Ganz sollen die Läuferinnen und Läufer auch im 2020 nicht auf ihren Murtenlauf verzichten müssen. Am ersten Oktobersonntag, an dem der Gedenklauf traditionellerweise stattfindet, organisiert das OK einen virtuellen Wettkampf. Über die Applikation «viRace», die auf das Smartphone he­runtergeladen werden kann, haben Interessierte die Möglichkeit, die Distanzen des Murtenlaufes von 1,7 km (Kinder), 8,68 km und 17,17 km in ihrer Region zurückzulegen. «Wir haben noch nicht genau definiert, in welcher Form wir den virtuellen Lauf durchführen wollen», erklärt Gloor. «Wir überlegen uns, eine Art Charity-Lauf auf die Beine zu stellen. Mitte August wissen wir mehr.»