Freiburg 08.07.2020

Unternehmerisches Ökosystem als Rückgrat der Wirtschaft

Schweizer Start-ups sind stark international ausgerichtet.
Eine Freiburger Studie über die Hintergründe von Unternehmensgründungen zeigt einen Trend hin zu kleineren Unternehmen. Die Corona-Krise könnte dies noch verstärken.

Warum gründen und führen Personen Wirtschaftsunternehmen? Die Freiburger Hochschule für Wirtschaft geht dieser Frage seit Jahren nach: Sie beteiligt sich am Global Entrepreneurship Monitor und erstellt den Länderbericht Schweiz. Dieses Mal erhielt die Hochschule Unterstützung vom Impact Hub Bern und vom Swiss Economic Forum.

Wie aus dem Länderbericht Schweiz 2019 hervorgeht, haben 10,7 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer unternehmerische Absichten. Dieser Wert liegt um ein Drittel höher als 2018, doch ist er nur halb so hoch wie im Durchschnitt vergleichbarer Volkswirtschaften. Nur jeder zehnte Schweizer lässt sich auf ein unternehmerisches Abenteuer ein, deshalb liegt die Gründungsrate mit 12,3 Prozent tiefer als jene vergleichbarer Länder.

Wie die Hochschule für Wirtschaft in einer Mitteilung schreibt, ist in der Schweiz insbesondere seit der globalen Finanzkrise erkennbar, dass die Gesellschaft sich nicht mehr auf Grossunternehmen oder den Staat als Jobmotor verlasse, sondern ein unternehmerisches Ökosystem und die KMU als Rückgrat der Wirtschaft gefördert werden sollen. Zudem haben sich neue Organisationskonzepte und veränderte Karrierechancen für junge Talente radikal auf die Arbeitswelt ausgewirkt. «Dieser Trend wird sich vermutlich in Zukunft aufgrund der Auswirkungen von Covid-19 fortsetzen», heisst es.

Der Geschlechterunterschied

Der Studienleiter und Rektor der Freiburger Hochschule, Rico Baldegger, hat erkannt: «Die Förderung unternehmerischer Aktivitäten in der Schweiz betrifft primär die Unterstützung von technologiebasierten Gründungen und Projekten.» Schweizer Start-ups zeichnen sich auch durch eine starke internationale Ausrichtung aus.

Die Studie zeigt zudem auf, dass die Motivation zur Unternehmensgründung bei Männern und Frauen unterschiedlich ist. Während Männer eher Vermögen oder ein hohes Einkommen aufbauen (46,6  Prozent) oder eine Familientradition fortsetzen (20,2 Prozent) wollen, ist die Hauptmotivation bei Frauen, etwas in der Welt zu bewegen (47 Prozent). Gemäss Rico Baldegger könnten die Frauen einen Mehrwert für das unternehmerische Ökosystem bringen, etwa im Gesundheits- oder im Sozialbereich oder in einer Kreislaufwirtschaft. Auf zehn Männer, die ein Unternehmen gründen wollen, kommen aber nur sechs Frauen.