Granges-Paccot 12.01.2021

Impfdosen reichen noch nicht weit

Die Impfung gegen Corona ist für die Freiburger Bevölkerung gratis.
Ab morgen können sich im Kanton Freiburg Menschen über 75 Jahre online und Risikopatienten via ihren Hausarzt für die Covid-Impfung anmelden. Klar ist aber schon heute: Die Dosen reichen nicht weit.

Im Idealfall kann die Covid-19-Pandemie gestoppt werden, wenn über 70 Prozent der Bevölkerung geimpft ist. Im Kanton Freiburg sind das über 220 000 Personen, die bis Sommer/Herbst 2021 geimpft werden müssen. Da für die Immunisierung zwei Impfungen nötig sind, entspricht dies über 440 000 Impfdosen, die innert weniger als sechs Monaten gespritzt werden müssen.

Bis Ende Januar stehen dem Kanton 11 000 Dosen von Pfizer/Biontech zur Verfügung. Damit ist klar: Es können momentan bei weitem nicht alle Personen gegen das Coronavirus geimpft werden, die dies möchten. Dazu kommt, dass auch Rationen für die zweite Impfung, die drei Wochen nach der ersten nötig wird, zurückbehalten werden müssen. Auch die vom Bund in Aussicht gestellte Zulassung eines zweiten Impfstoffs, eines Produkts von Moderna, macht den Braten nicht feiss. Sollte diese erfolgen, würde der Kanton Freiburg von 10 000 zusätzlichen Dosen bis Ende Januar profitieren. Doch immerhin: Nebst Menschen in Pflegeheimen kommen ab Montag, 18. Januar, weitere Personengruppen zum Zug. Ab Morgen Mittwoch können sich diese für einen Impftermin anmelden.

Priorisierung der Empfänger

Wie der Kanton gestern vor den Medien bekannt gab, sind dies Personen ab 75 Jahren und Hochrisikopersonen mit chronischen Erkrankungen wie Herz- und Ateminsuffizienz, schwerem Bluthochdruck, Krebs, starkem Übergewicht oder Immunschwäche. Dazu kommt das Gesundheitspersonal mit regelmässigem Kontakt zu Covid-19-Patienten und zu besonders vulnerablen Patientinnen. Ziel des Kantons bei dieser Priorisierung sei es gewesen, angesichts der beschränkten Impfstoffmengen die besonders gefährdeten Personen zuerst zu schützen, sagte Gesundheitsdirektorin Anne-Claude Demierre (SP). Bis im Sommer soll die Impfung aber nach und nach der ganzen Bevölkerung zugänglich gemacht werden.

Personen über 75 Jahre und das Gesundheitspersonal können sich selber auf www.fr.ch/de/impfung-covid anmelden. Sie erhalten eine Bestätigung ihrer Anmeldung und innerhalb eines Tages die Termine für die beiden Impfungen. Können die Interessierten wegen des Mangels an Impfstoff nicht sofort berücksichtigt werden, kommen sie auf eine Warteliste. Diese werde über einen Algorithmus nach und nach entsprechend den festgelegten Prioritäten abgearbeitet, erklärte Stéphane Brand, operativer Direktor des Freiburger Spitals HFR. «Darum ist es wichtig, dass sich die Leute nur einmal anmelden», betonte er. Auch sollen Personen mit tieferer Priorität mit der Anmeldung vorerst abwarten. Hochrisikopatienten dagegen werden über ihre Hausärzte per E-Mail angemeldet. «Sie sollen sich bitte nicht selber anmelden», so Brand.

Die Verteilung der Termine innerhalb der priorisierten Gruppe erfolgt nach dem Prinzip: «Der Schnellere ist der Geschwindere.» Weil sich dies zum Nachteil von Menschen auswirken könnte, die mit der Online-Anmeldung nicht zurecht kommen oder die über keinen Computer verfügen, hat der Freiburger Gemeindeverband die Gemeinden aufgefordert, diese Personen zu unterstützen. Die Rentnervereinigung des Sensebezirks rät zudem, sich von Verwandten und Bekannten helfen zu lassen.

Logistische Herausforderung

Die Impfungen finden im Forum Freiburg und im Espace Gruyère statt. Ab dem 25. Januar können sich Bewohnerinnen und Bewohner des Broyebezirks zudem ins Interkantonale Spital des Broyebezirks in Payerne begeben. Im Forum Freiburg und im Espace Gruyère können theoretisch bis zu 1800 Personen pro Tag geimpft werden. Noch ist das allerdings nicht der Fall. Denn die Impflinien werden nach Verfügbarkeit der Impfdosen eröffnet. Auch praktisch wären die Zentren dafür noch nicht gerüstet, denn der Kanton hat eben erst mit der Personalrekrutierung begonnen. Total werden 200 Mitarbeitende gesucht.

Covid-Entwicklung

Erstmals seit langem wieder steigende Zahlen

Im Kanton Freiburg sind im Verlauf der letzten Woche 633 Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden. In der Neujahrswoche waren es 529 positive Fälle gewesen. Es ist der erste Anstieg der Zahlen im Kanton seit zehn Wochen, und die Zahl liegt höher als in den letzten drei Wochen. Entsprechend ist der Reproduktionswert erstmals seit langem wieder über 1 geklettert, nämlich auf 1,15. Mit 350 Fällen pro 100 000 Einwohner über die letzten 14 Tage weist Freiburg den drittniedrigsten Wert aller Kantone auf. «Die Situation ist immer noch sehr angespannt», kommentierte Gesundheitsdirektorin Anne-Claude Demierre gestern die neusten Zahlen vor den Medien. «Und es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, den Anstieg der Infektionszahlen zu begrenzen.» Dabei spielten die Impfungen eine zentrale Rolle.

Am meisten Fälle wurden letzte Woche im bevölkerungsreichen Saanebezirk registriert (172), im Verhältnis zur Bevölkerungszahl gab es im Seebezirk mit 123 am meisten positive Fälle. Im Sensebezirk wurden 70 Ansteckungen registriert. Letzte Woche sind im Kanton sechs Personen an Covid-19 gestorben.

Weiter zurückgegangen ist die Zahl der hospitalisierten Covid-Patienten: Am Sonntag waren es noch 46 Personen. Dies umfasst die weiterhin positiven Covid-Patienten und jene, die nach einer Ansteckung immer noch im Spital sind. Letztmals war die Zahl der hospitalisierten Patienten am 21. Oktober auf diesem Niveau. Gestern morgen lagen neun Covid-Patienten auf der Intensivstation.

uh/rsa