Granges-Paccot 26.03.2020

Abschlussprüfungen als Knackpunkt

Die Zeugnisse zum Lehrabschluss werden auch dieses Jahr ausgehändigt. Die Abschlussprüfungen sind aber noch nicht geregelt.
Die Berufsbildungszentren und die Fachhochschulen arbeiten derzeit an Lösungen, wie sie Berufsabschlüsse diesen Sommer gewährleisten können. Dabei gilt es, die Prüfungen zu regeln und Praktika zu validieren.

«Die Wirtschaft braucht Nachwuchs, und die Jugendlichen brauchen eine Ausbildung», sagte Volkswirtschaftsdirektor Olivier Curty (CVP) gestern an einer Medienkonferenz über die Berufsbildung zu Zeiten der Coronapandemie. Die Jungen in einer Berufsausbildung sollen nicht Opfer eines Kol­lateralschadens werden, so Curty. Er versprach: «Es soll für niemanden in Ausbildung ein verlorenes Jahr werden.»

Christophe Nydegger, Vorsteher des Amts für Berufsbildung, wies darauf hin, dass die Berufsbildung vom Bund geregelt wird. Auf dieser Ebene komme täglich eine Krisen­zelle mit Vertretern der Verbundpartner zusammen. Einzelne Arbeitsgruppe suchen nach Lösungen für die Lehrabschlussprüfungen, für die allgemeine Organisation der Berufsbildung, aber auch für die Rekrutierung der künftigen Lehrlinge.

Nydegger hielt zwei Grundsätze fest: «Die Lernenden sollen ihr Fähigkeitszeugnis, den Berufsattest oder die Berufsmaturität auch dieses Jahr abschliessen können. Zudem muss das kommende Lehrjahr vorbereitet werden. Es ist wichtig, dass den Jugendlichen die Gelegenheit gegeben wird, eine Ausbildung anzutreten. Auch wenn Firmen derzeit andere Sorgen haben, es kann kein Jahr ohne Lösungen für die Jugendlichen geben.»

Lösung für Prüfungen gesucht

Bereits umgesetzt hätten die Freiburger Berufsbildungszentren den Übergang vom Präsenz- zu Fernunterricht, so der Amtsvorsteher. Dabei hätten die Abschlussklassen Priorität. Grundsätzlich müssen die Lehrbetriebe den Lernenden den üblichen Schultag gewähren, damit sie lernen und ihre Aufgaben erledigen können.

Ausnahmen kann es gemäss Nydegger in Berufsgruppen geben, die in der Coronakrise besonders gefordert seien, etwa im Gesundheitswesen und im Detailhandel.

Nydegger wies auch darauf hin, dass die Lehrabschlussprüfungen bis auf weiteres suspendiert seien. Eine Krisenzelle mit Experten suche auf Ebene des Bundes nach Lösungen, die rasch umsetzbar seien, damit die Lehrabschlussprüfungen absolviert werden können. Einige Prüfungen seien bereits beendet, andere hätten begonnen, und wiederum andere stünden bevor. Die mündlichen Prüfungen von Mitte Mai seien derzeit noch vorgesehen, könnten aber bei Bedarf durch Erfahrungsnoten kompensiert werden.

Schwieriger seien Lösungen für die praktischen Prüfungen, etwa dort, wo externe Experten in den Lehrbetrieb kommen, damit Lernende die Prüfung in der gewohnten Umgebung absolvieren können. «Die Lehrabschlussprüfung braucht es», so Nydegger. «Wir wollen keine Lehrabschlüsse mit Rabatt.»

Er sprach auch Szenarien an, bei denen letzte Prüfungen im Juli oder August stattfinden könnten und neue Lehrlinge eventuell etwas später beginnen. Er betonte aber, dass Lernende befristete Verträge haben und die Ausbildung nicht darüber hinaus gehen kann.

Nydegger ergänzte, dass auch die überbetrieblichen Kurse derzeit geschlossen seien. Man suche nach Möglichkeiten, bei denen hauptsächlich die Firmen gefordert sind, die diese Kurse finanzieren.

Studierende an vorderster Front

Vor ähnliche Probleme sind die Fachhochschulen gestellt, wie deren Freiburger Generaldirektor Jacques Genoud betonte. Die vier Standorte der Fachhochschulen sind geschlossen. Seit dem 23. März werde ein Maximum an Fächern per Fernunterricht erteilt. Das gesamte Personal arbeite im Homeoffice.

Schwieriger ist gemäss Genoud die Regelung der Praktika. «Da müssen wir Lösungen von Fall zu Fall ausarbeiten.» Es stellen sich Fragen bezüglich der Schlussprüfungen, der Validierung von Modulen und Bildungsleistungen. Antworten darauf würden bis am 15. April mitgeteilt, versprach er. Er betonte aber auch, die besondere Situation der Studierenden würde berücksichtigt, die im Rahmen dieser Gesundheitskrise an vorderster Font engagiert seien. Dies sind insbesondere die Studierenden im Bereich der Gesundheit und der Sozialen Arbeit, sowie diejenigen, die Militär-und Zivildienst leisten.»

Zahlen und Fakten

12  000 Personen in Ausbildung

Im Kanton Freiburg gibt es sieben Zentren für die Berufsbildung, darunter vier Berufsfachschulen. Insgesamt sind dort 9000 Personen in Ausbildung, 660 Lehrpersonen unterrichten. 2500 Firmen im Kanton bilden Lernende aus; diese können aus 250 Berufen auswählen. Die Regeln erlässt der Bund, für die Umsetzung ist das kantonale Amt für Berufsbildung zuständig. Daneben gibt es in Freiburg vier Fachhochschulen: für Gesundheit, Technik und Architektur, Wirtschaft sowie Soziale Arbeit. 1000 Lehrpersonen kümmern sich um 3000 Studierende.