FREIBURG 18.05.2020

«Wir vertrauen unseren Studierenden»

Die Universität Freiburg verzichtet dieses Semester fast komplett auf Präsenzprüfungen und will nur Online-Examen.
Für die Studentinnen und Studenten der Universität Freiburg beginnen diese Woche die Prüfungen. Dieses Jahr jedoch unter besonderen Umständen: Die meisten Prüfungen werden von zu Hause aus abgelegt. Da stellt sich die Frage der Kontrolle.

Die Prüfungssession Mai/Juni 2020 startet für einige Studierende an der Universität Freiburg bereits heute Montag. Wegen der Corona-Pandemie finden die Prüfungen unter ausserordentlichen Umständen statt. «Wir mussten aufgrund dieser aussergewöhnlichen Notsituation eine Notverordnung entwerfen», sagt Astrid Epiney, Rektorin der Universität Freiburg. Das Rektorat hat für alle Fakultäten Grundsätze zur Prüfungsorganisation verabschiedet.

Die einzelnen Fakultäten können die genaue Ausführung dieser Grundsätze selbst festlegen. Im Falle der Philosophischen Fakultät kümmern sich sogar die einzelnen Departemente um gewisse Ausführungsbestimmungen. «Wichtig ist, dass die Studierenden ihre Prüfungen in dieser Frühlingssession absolvieren können», sagt die Rektorin. «Es wurde nie wirklich in Erwägung gezogen, keine Prüfungen durchzuführen.» Die meisten Studierenden in Freiburg werden fast alle ihre Prüfungen von zu Hause aus auf ihren persönlichen Laptops ablegen. Doch wie genau überprüft die Universität, dass die Studenten die Prüfungen auch allein ablegen und nicht von unerlaubten Hilfsmitteln Gebrauch machen?

Betrügen erschweren

«Wir vertrauen unseren Studierenden. Prüfungsbetrug kann aber nie völlig ausgeschlossen werden», sagt Astrid Epiney. «Die Prüfungen müssen so konzipiert werden, dass ein Betrug schwierig wird.» Fragestellung und Formulierung sollen so gestaltet werden, dass die Studierenden möglichst wenige Möglichkeiten haben zu betrügen. Ausserdem kann zum Beispiel die Fragereihenfolge bei jeder Prüfung variieren. Die Studentinnen und Studenten müssen zudem vor den Examen eine ehrenwörtliche Erklärung unterschreiben beziehungsweise anklicken.

«Unsere Prüfungen werden so ausgelegt sein, dass sie das Verständnis und die Anwendung der gelernten Materie prüfen. Das wird das Betrügen sehr schwer machen», sagt Gregor Rainer, Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen und der Medizinischen Fakultät. Ausserdem setze man auf Vertrauen. «Wir wollen die Studierenden während der Prüfung nicht filmen oder sonst überwachen, das wäre auch nicht realistisch.» Auch die Verantwortlichen der Wirtschafts- und der Sozialwissenschaftlichen Fakultät setzen auf das Vertrauen zu den Studierenden und überwachen sie nicht.

Videoüberwachung

Strengere Regeln gibt es bei der Rechtswissenschaftlichen Fakultät. Damit dort Betrug verhindert werden kann, greift die Fakultät unter anderem zur Videoüberwachung. «Die Studierenden werden während ihrer schriftlichen Prüfung ein Smartphone neben sich aufstellen, das sie während der Prüfung filmt und alles in Echtzeit überträgt», sagt Bettina Hürlimann-Kaup, Examensdelegierte der rechtswissenschaftlichen Fakultät. Andere Universitäten in der Schweiz machten ebenfalls von dieser Methode Gebrauch. «So können wir die Prüfungsaufsicht und damit die Qualität unserer Prüfungen sicherstellen, auch wenn ein Prüfungsbetrug, genau wie bei Präsenzprüfungen, natürlich nicht vollständig ausgeschlossen werden kann.»

Examenssession

Online-Prüfungen für Freiburger Studenten

Die Hygienevorschriften machen es in Zeiten der Corona-Pandemie unmöglich, Prüfungen wie gewohnt durchzuführen. «Grundsätzlich wird es Online-Prüfungen geben. Diese können sowohl mündlich als auch schriftlich sein», sagt Astrid Epiney, Rektorin der Universität Freiburg. «Wir möchten so wenig Präsenzprüfungen wie möglich durchführen, weil wir Publikumsverkehr vermeiden wollen», sagt sie. «Fast 80 Prozent unserer Studenten kommen nämlich nicht aus Freiburg.»

Ein Teil an der Wandtafel

Es gibt jedoch eng begrenzte Ausnahmen in gewissen Fakultäten, in denen mündliche Prüfungen nicht über das Internet durchgeführt werden können: Ein kleiner Teil der mündlichen Prüfungen der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen und der Medizinischen Fakultät erfordert die physische Präsenz der Studierenden. «Das sind vor allem solche Prüfungen, bei denen sie an der Wandtafel Aufgaben lösen müssen», sagt Gregor Rainer, Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen und der Medizinischen Fakultät.

Alle Fakultäten sollen die erschwerten Bedingungen der Studierenden bei der Prüfungsvorbereitung und die besondere Situation bei der Prüfungsabsolvierung berücksichtigen. So können die Fakultäten selbst entscheiden, ob es eine zusätzliche Prüfungssession gibt, ob die derzeitige unter Umständen verlängert werden soll, wie die Prüfungen genau durchgeführt werden und wie genau Fehlversuche gewertet werden. Auch ein Rückzug von einer Prüfung sei ausserhalb der ordentlichen Fristen möglich.