Freiburg 14.01.2021

Die verborgene Arbeit der Künstler zeigen

Zweimal jährlich sollen Freiburger Künstler im Rahmen von «Artist in Residence» in diesem Raum an ihren Werken arbeiten.
Bild Charles Ellena
Diverse Ausstellungen und viele neue Projekte sind im Museum für Kunst und Geschichte Freiburg für dieses Jahr geplant – trotz momentaner Schliessung. Vorgesehen ist ein temporäres Künstleratelier, in das die Besucher hineinschnuppern dürfen.
Künstlerinnen und Künstlern bei der Arbeit zuzuschauen und dabei sogar mit ihnen zu sprechen – das ist selten möglich. Ein solches Erlebnis will das Museum für Kunst und Geschichte Freiburg jedoch seinen Besucherinnen und Besuchern in diesem Jahr bieten. Der Dachboden des Ratzéhofs soll zwei Mal in ein Künstleratelier umgewandelt werden. «Artist in Residence» soll das bisher Verborgene der Künstlerarbeit zeigen. «Viele sind fasziniert von Künstlerateliers und würden gerne wissen, wie die Künstler an ihren Werken arbeiten», sagte Caroline Schuster Cordone, Vizedirektorin des Museums, an der gestrigen Vorstellung des Jahresprogramms 2021. Die Freiburger Josiane Guilland und Christophe Maradan werden das Künstleratelier als Erste nutzen. Dort werden sie während dreier Monate ihre Ausstellung vorbereiten. Diese wird im Rahmen von «Museoscope» im Museum zu sehen sein.
 
«Menschen brauchen Kultur»
Das Jahresprogramm des Museums für Kunst und Geschichte Freiburg wird üblicherweise im Rahmen eines Dreikönigsaperitifs vorgestellt. Dieses Jahr musste aufgrund der gesundheitlichen Situation darauf verzichtet werden. Dennoch möchte Ivan Mariano, Direktor des Museums, ein umfangreiches Programm anbieten. «Wir werden viele Neuheiten präsentieren in einem Programm, das sich an jedes Publikum richtet.» Ivan Mariano ist sich bewusst, dass das Museum bis zum 22.  Februar geschlossen sein wird und die Corona-Pandemie in der nächsten Zeit präsent sein wird. «Die Menschen brauchen dennoch Kultur und wollen ins Museum gehen», so Mariano.
 
Körper und Geist verstehen
Gemäss Jahresprogramm soll die Ausstellung «Die Merowinger» bis Mitte März zu sehen sein. Diese thematisiert die Kleidung, die Religion, den Alltag, die Gesellschaftsordnung und vieles mehr aus der Epoche der Merowinger vom 5.  bis zum 8. Jahrhundert.
 
Danach folgt Anfang Mai die Ausstellung «Bruch». Neun Freiburger Künstlerinnen und Künstler werden ihre Werke zu diesem Thema präsentieren. 
Literarische Texte von acht Freiburger Autorinnen und Autoren werden die Ausstellung ergänzen und in einen Dialog mit ihr treten.
 
Im November startet eine Serie über den Körper. Dessen erster Teil behandelt die Beziehung zwischen Körper und Geist und stellt diese im Dialog mit dem 21. Jahrhundert dar, erklärte die Vizedirektorin des Museums. Unterschiedliche Hauptthemen werden in dieser Ausstellung behandelt. Dabei reichen die Themen von der Inkarnation über den Körper als Mittel, um mit dem Heiligen zu kommunizieren, bis hin zur Nacktheit in der Religion und der Ekstase. Im kommenden Jahr soll die Serie über den Körper weitergeführt werden, dann mit dem Fokus auf der Isolierung.
 
Bemalte Rennanzüge
Auch im Espace Jean Tinguely – Niki de Saint Phalle, der zum Museum gehört, wird es dieses Jahr eine aussergewöhnliche Ausstellung geben. Nach dem Ende der aktuellen Exposition vom Bieler Künstlerpaar M.S. Bastian und Isabelle L. wird Jean Tinguely im Mittelpunkt stehen: «À toute vitesse – Tinguely, die Maschine und der Motorsport» wird ab Ende September dort zu sehen sein. 
 
«Tinguely war ein grosser Autorennsport-Fan», sagte Stephan Gasser, Konservator im Museum. So soll er sogar seine Termine nach dem Formel-1-Kalender gerichtet haben, um nie ein Rennen zu verpassen. «Maschinen und Bewegung haben einen grossen Stellenwert in seinen Werken», so Gasser. Die Ausstellung beleuchtet seine Freundschaften zu Joe Siffert, Formel-1-Legende der Schweiz, und René Progin, Vizeeuropameister im Motorrad mit Seitenwagen. Dokumente, Filme, Fotografien, bemalte Rennanzüge und Sidecars werden Tinguelys Passion zeigen. Ein Teil der Ausstellung wird bis 2025 zu sehen sein. 
 
«Immer etwas Neues»
Eine weitere Neuheit, die der Museumsdirektor gestern vorstellte, ist das neue Format «Museoscope», das bereits im Oktober sein Debüt hatte, aber in diesem Jahr offiziell durchstarten wird. Vier Ausstellungen, die jeweils zwei Monate dauern, sind geplant. «Wir wollen damit den Gästen immer eine Ausstellung bieten können und immer etwas Neues haben.» Aktuelle Themen, aber auch Inhalte, die der grossen Wechselausstellung nahe sind und sie vertiefen, sollen präsentiert werden. Die erste Ausstellung behandelt das Thema Rassismus und soll im Februar starten.
 
Ebenfalls neu wird die Serie «Im Dialog» mit einem Freiburger Künstler eingeführt. «Ein Dialog zwischen zeitgenössischer Kunst und dem Kulturerbe soll entstehen» so Mariano. Diese Serie soll im Juni beginnen und in den nächsten Jahren fortgeführt werden. Ein neuer Rundgang gehört auch zu den Museumsprojekten. Dieser soll durch die Altstadt und danach durch das Museum führen und so den Besuchern Geschichte näherbringen. 
 
Programm 

Die Ausstellungen im Überblick 

Ausstellungen im Museum: 
Bis zum 14.3.2021: «Von Schatten und Licht – Die Merowinger». 
12.2–11.4.2021: «Wir und die anderen – Vom Vorurteil zum Rassismus».
30.4.–4.7.2021: «Josiane Guilland. Der sinnliche Teil».
7.5.–19.9.2021: «Bruch».
27.8.–17.10.2021: «Fri Art 1981–2021. Geist einer Kunsthalle».
26.11.2021–27.2.2022: «Corpus  – Das Sakrale und der Körper».
10.12.2021–13.2.2022: «Christophe Maradan: Unter Hunden und Wölfen».
 
Ausstellungen im Espace: 
Bis zum 28.6.2021: M.S. Bastian und Isabelle L.: «Imaginäres Museum».
24.9.2021–2025: «À toute vitesse – Tinguely, die Maschine und der Motorsport».