Freiburg 25.11.2020

Der eigene Wille kann den Schlaf verschlechtern

Wer sich vornimmt, schlecht zu schlafen, schläft tatsächlich schlechter, wie eine Studie der Uni Freiburg zeigt. Umgekehrt funktioniert es aber nicht.

Wer kennt das nicht: Man liegt im Bett und will einfach nur tief und fest schlafen. Das will aber nicht gelingen, und so wälzt man sich gefühlt die ganze Nacht im Bett.
Die Schlafforscherin Selina L. Combertaldi und ihr Kollege Björn Rasch von der Universität Freiburg untersuchen, wie der eigene Wille den Schlaf verändert. Denn der Schlaf wird nicht nur durch biologische, sondern auch durch psychologische Faktoren beeinflusst. In einer Studie haben die Forscher nun nachgewiesen, dass die Absicht, gut zu schlafen, nicht zu besserem Schlaf führt, wie die Uni in einer Mitteilung schreibt. Hingegen könne man seinen Schlaf negativ beeinflussen: Wer sich vornehme, schlecht zu schlafen, schlafe tatsächlich schlechter.

Für die Studie liessen Combertaldi und Rasch 22 junge gesunde Schläferinnen und Schläfer drei Nächte lang im Schlaflabor übernachten. Vor dem Einschlafen wurden sie instruiert, in dieser Nacht «so gut wie möglich», «so schlecht wie möglich» oder «wie normal» zu schlafen. In der Nacht massen die Forscher die elektrische Aktivität des Gehirns mit einem sogenannten Elektroenzephalogramm. Dieses machte Aussagen über die Schlafqualität, die Dauer des Einschlafens, die Zeiten des Tiefschlafs sowie die Anzahl und die Dauer der Wachphasen während der Nacht. Die Probandinnen und Probanden wurden zudem am Morgen gefragt, wie sie geschlafen hätten – ihre Aussagen wurden dann mit den Messungen verglichen.

Häufiger aufgewacht
Wenn sich die Probanden vornahmen, schlecht zu schlafen, verdoppelte sich die Zeit zum Einschlafen. Zudem erhöhte sich die Zahl der Aufwachreaktionen in der Nacht um rund 70 Prozent. Die Probanden gaben am Morgen denn auch an, schlecht geschlafen zu haben. Ihrer Einschätzung nach schliefen sie signifikant schlechter, als dies die objektiven Messungen zeigten.

«Die Ergebnisse der Studie können für ein besseres Verständnis der Entstehung von Schlafproblemen von zentraler Bedeutung sein», wird die Forscherin Selina L. Combertaldi in der Mitteilung zitiert. «Wir konnten zum ersten Mal aufzeigen, dass schlechter Schlaf auch bei gesunden Personen herbeigeführt werden kann, und dies allein durch Willenskraft.» Dabei zeige sich wie auch bei Personen mit Schlafstörungen: Subjektiv werde schlechter Schlaf meist als viel schlechter wahrgenommen, als dies objektiv tatsächlich aufgezeigt werden könne.nasIm Schlaflabor der Universität Freiburg kann untersucht werden, wie gut jemand schläft. Bild Charles Ellena/a