Eishockey 26.03.2020

Ein harter Hund für die Düdingen Bulls

Der neue Trainer der Düdingen Bulls heisst Manfred «Freddy» Reinhard. Der 46-jährige Berner, der als Spieler für den EHC Biel 62 NLA-Partien bestritten hat, bezeichnet sich selbst als «harten Hund».

46 Jahre alt, wohnhaft in Worben, 62 NLA-Partien als Spieler des EHC Biel, sechs Saisons Trainer des HC Saint-Imier-Sonceboz und drei Jahre beim EHC Zuchwil-Regio – das sind die Eckdaten des neuen Bulls-Trainers Manfred «Freddy» Reinhard. Die FN sprachen mit dem zweifachen Familienvater über seine Beziehung zu den Düdingen Bulls und seine Eishockey-Philosophie und wollten von ihm wissen, wie er mit seiner Mannschaft den Ligaerhalt schaffen will.

Manfred Reinhard, Ihr Vorgänger Thomas Zwahlen war Polizist, Sie arbeiten bei der Polizei. Bei den Düdingen Bulls scheint man eine Vorliebe für Polizisten als Trainer zu haben ...

Es scheint fast so (lacht). Aber da würde ich nichts hineininterpretieren, das ist purer Zufall. Ich kenne Thomas, habe mit ihm einige schöne Geschichten erlebt. Er war unter anderem Coach der Schweizer Polizeimannschaft und ich Spieler. Zusammen haben wir 2011 den Titel an der Polizei-WM gewonnen. Dass ich nun in Düdingen bin, hat aber nichts mit ihm zu tun.

Was für eine Beziehung haben Sie zu den Düdingen Bulls?

Die beschränkt sich eigentlich auf meine Erfahrungen als Spieler und Trainer. Mit ­Franches-Montagnes habe ich in der 1. Liga manch tolle Duelle gegen Düdingen ausgetragen. Wir und die Bulls, das waren zwei Teams mit einer ­speziellen Mentalität, die aufeinandergetroffen sind. Beide auf ihre Art kämpferisch, unnachgiebig und dickköpfig. Da war immer viel Zündstoff in diesen Partien. Und als Trainer von Saint-Imier-Sonceboz habe ich ebenfalls einige Begegnungen mit den Bulls gehabt. Thomas war da Trainer in Düdingen, und auf Coachingebene habe ich die Spiele immer als sehr kollegial empfunden. Düdingen war immer schon eine Mannschaft, die mich beeindruckt hat.

Inwiefern?

Wenn du gegen die Bulls gespielt hast, wusstest du immer, dass es unangenehm wird. Die Bulls waren immer ein zäher Gegner, ein Team mit viel Biss – so soll es auch künftig sein. Der Verein hat es immer geschafft, gute Spieler im Kader zu haben, die insbesondere in den Special Teams sehr stark waren. Düdingen hat sich in den letzten Jahren in der Schweizer Eishockey-Landschaft einen sehr guten Namen gemacht.

Zuletzt waren die Bulls allerdings nicht mehr so erfolgreich.

In der Swiss Regio League konnte Düdingen nicht so überzeugen, das stimmt. Allerdings finde ich die Tatsache, dass ein so relativ kleiner Verein auf diesem Niveau spielt, schon beeindruckend.

Düdingen ist diese Saison sportlich abgestiegen, wegen des Saisonabbruchs aufgrund der Coronavirus-Pandemie kann das Team nächste Saison doch in der Swiss Regio League verbleiben. Sie waren als Trainer eigentlich für die 1. Liga gedacht, nun kommen Sie unerwartet eine Stufe höher zu Ihrer Premiere. Was ändert sich dadurch für Sie?

Nicht viel. Ich war zwar noch nie Trainer in der Swiss Regio League, aber ich hatte das Glück, drei Jahre lang in Zuchwil ein Top-Team zu coachen. Wir waren in der 1. Liga immer Spitze und hatten Gelegenheiten aufzusteigen. Der Verein wollte aber nie aufsteigen, das entsprach nicht seiner Philosophie. Als Trainer von Zuchwil habe ich auch all die geilen Spiele gegen Thun, Basel oder Wiki-Münsingen miterlebt, als es die Swiss Regio League noch nicht gab. Gegen diese Teams spiele ich nun mit Düdingen. Ich kenne das Niveau also durchaus.

Das Team der Düdingen Bulls wurde in der Annahme zusammengestellt, dass es nächste Saison in der 1. Liga spielt. Hat es denn die Qualität, um eine Stufe höher mitzuhalten?

Es wird meine Aufgabe und die des Vorstands sein, dafür zu sorgen. Ich denke, die Voraussetzungen dafür sind vielversprechend. Der Kern des neuen Teams besteht bereits, nun müssen wir darum herum ein stabiles Gerüst aufbauen. Wir müssen das Kader aber noch verbreitern und finalisieren, noch die eine oder andere punktuelle Verstärkung dazuholen. Etwas Routine und ­Erfahrung, und etwas jugendlicher Biss. Dann müssen wir in der Zusammenarbeit mit unseren Partnervereinen vorwärtsmachen.

Mit welchen Vereinen gedenken Sie zusammen­zuspannen?

Unser Partner Nummer eins muss Freiburg-Gottéron sein, Es wäre falsch, an anderen Orten zu suchen. Auch die Zusammenarbeit mit Sierre hat sich letzte Saison als fruchtbar erwiesen. Auch da gilt es dranzubleiben.

Die Zusammenarbeit mit Gottéron hat in den letzten Jahren aus diversen Gründen nicht so gut funktioniert wie erhofft.

Wir haben alle unsere kleinen Schlachtfelder, auf denen wir uns aufreiben und die dafür sorgen, dass nicht immer alles so läuft, wie geplant. Aber ein neuer Trainer bedeutet ja auch neue Ideen und neuer Schwung. Vielleicht kann ich da etwas bewirken.

Die Integration von jungen Spielern wird in Düdingen grossgeschrieben. Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich?

In meinen drei Saisons bei Zuchwil hatten wir in dem Jahr den grössten sportlichen Erfolg, in dem wir die meisten Junioren in das Team integriert haben. Als ich ein junger Spieler war und in ein neues Team kam, da war immer klar, dass der Junge sich erst seine Sporen abverdienen muss. Das hat sich in den letzten Jahren etwas verändert. Heute kommen die jungen Spieler häufig mit Erwartungen und Ansprüchen in das Team. Die Balance zu finden zwischen diesen beiden Extremen ist die Herausforderung in der Arbeit mit Jungen. Ich arbeite gerne mit jungen Spielern, es spielt aber keiner, nur weil er jung ist. Jeder muss mir Tag für Tag beweisen, dass er unbedingt spielen will und dass er seinen Platz verdient.

Wie würden Sie Ihre Eishockey-Philosophie beschreiben?

Ich lebe die alten, für viele schon fast antiquierten Werte wie Arbeit, Respekt und Disziplin. Die Beschreibung «harter Hund» trifft wohl auf mich zu. Die Spieler brauchen Leitplanken, sie müssen sehen und verstehen, was sie dürfen und was von ihnen verlangt wird. Ich bin aber immer offen für Kritik. Wenn etwas nicht funktioniert, darf man mir das sagen. Ideen der Spieler sind immer willkommen, entscheiden tue aber ich.

Wann werden Sie Ihre neue Mannschaft kennenlernen?

Unser Kick-off in die neue Saison ist am 6. Mai. Dann werde ich die Mannschaft erstmals treffen. So ist es zumindest geplant. Ob das angesichts der aktuellen Corona-Problematik möglich ist, da habe ich meine Zweifel. Ich werde in den nächsten Tagen zusammen mit dem Konditionstrainer einen Plan B ausarbeiten. Sollten wir nicht gemeinsam das Training aufnehmen können, wird jeder ein individuelles Konditions- und Kraftprogramm für zu Hause erhalten. Meine Vorfreude ist gross. Spass ist überhaupt der wohl wichtigste Faktor. Nur wer Spass hat, an dem, was er macht, hängt sich dafür auch voll rein.

Welche Ziele setzten Sie sich für die kommende Saison?

Das oberste Ziel ist ganz klar der Ligaerhalt. Da ich die Mannschaft noch nicht gesehen habe, kann ich nicht genau beurteilen, was alles möglich ist. Clubpräsident Josef Baeriswyl meint, dass ein Platz im Mittelfeld der Liga durchaus drinliege. Ich hoffe, er hat recht (lacht).