0

Der erste Schnee

Zum dritten Adventssonntag ist Zeit für ein wenig Poesie

Wie geht es Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, wenn der erste Schnee fällt?
Obwohl wir praktisch jeden Winter zumindest einmal auch im Flachland in den Genuss von etwas Schnee kommen, ist der erste weisse Wintereinbruch für viele immer wieder ein spezielles Erlebnis.
Es sieht wunderschön aus, wenn die weissen Flocken vom Himmel rieseln, sanft landen und sich nach und nach eine kalte Decke bildet. Er bringt soviel Helligkeit in die trüben, kurzen Tage, er macht die Welt stiller. Wenn Schnee fällt habe ich den Eindruck, die Zeit vergehe langsamer.
Schnee stimmt die meisten Kinder fröhlich, den einen oder anderen unter uns mag es melancholisch stimmen, dass die weisse Pracht im Flachland meist nur von kurzer Dauer ist.
Er lässt uns von gemütlichen Kaminfeuern, heisser Schokolade, Zimtschnecken träumen, er beglückt den Skifahrer und weckt vielleicht den Poeten in uns… oder zumindest in mir.
Und so schenke ich Ihnen heute ein paar Verszeilen zum ersten Schnee.

Der erste Schnee
Er fällt, er fällt

Deckt Felder zu und Strassen
Bepudert Sträucher, Brücken, Dächer
Hüllt die Skulptur ins weisse Kleid

Weiss und rein
Glitzernd und strahlend
Als trüge sie ihr Hochzeitskleid

Harte Kanten werden weich
Strenge weicht dem Sanften
Marmorne Kälte
Verborgen unter schnee'ger Pracht

Der erste Schnee
Er fällt, er fällt

Bedeckt züchtig ihre Brüste
Liegt still auf kühlen Lippen
Umschleiert zart gelocktes Haar

Schmiegt sich um Taille und Schenkel
Unnachgiebig, unschuldig weiss
Wie der hermelin'sche Königsmantel

Sonnenstrahlen zaubern Glitter, Diamanten und Saphire
Auf Felder, Bäume, Strassen - auf die holde Gestalt
Lassen sie leuchten und schillern im edelsten Glanz
Für einen illusorisch lichten Moment

Funkelnder Sonnenschein
Frostig, klar und kalt

Glitter, Diamanten, Saphire
schmelzen zu perlenden Tropfen
Zu grauen Lachen – schwindender Glanz

Das Hermelin gleitet von nackten Schultern
Von schlanken Schenkeln, vom steineren Schoss
Zerfällt, vergeht, verdampft

Schwarz und glanzlos die Strassen
Verletzlich nackt Bäume und Felder
Die Sonne folgt unbeirrbar ihrer Bahn
Entrückt hinter schneeschweren Wolken

Es fällt der Schnee
Er fällt, er fällt

www.ich-schreibe-fuer-dich.com
 

Kommentare zu diesem Artikel