NEUENEGG 31.12.2020

Nach zwölf Jahren ist Schluss

René Wanner vor dem Gemeindehaus in Neuenegg.
Heute ist der letzte offizielle Arbeitstag von René Wanner als Gemeindepräsident von Neuenegg. Im Gespräch erzählt er, wie er die zwölf Jahre an der Spitze der Exekutive erlebte und wie sich die Gemeinde verändert hat.

«Ich bin in Neuenegg aufgewachsen, und abgesehen von einem kleinen Unterbruch habe ich mein Leben immer hier verbracht», sagt René Wanner. Die Gemeinde Neuenegg liege ihm am Herzen, und dies sei der Grund gewesen, weshalb er sich vor zwölf Jahren entschlossen habe, für das Amt des Gemeindepräsidenten zu kandidieren. Er sei zuvor acht Jahre in der Steuer- und Finanzkommission und vier Jahre in der Rechnungsprüfungskommission gewesen. Zudem habe er sich stets für Politik interessiert und sei praktisch an jeder Gemeindeversammlung anwesend gewesen. Nachdem er sich 40 Jahre für seinen Betrieb engagiert hatte, verspürte er den Wunsch, auch daneben etwas zu bewegen. «Ich wollte mit meinem Wissen etwas zu unserer Gemeindepolitik beitragen.» Der Einstieg als Gemeindepräsident sei eine Herausforderung gewesen, zumal er zuvor nicht im Gemeinderat tätig gewesen war. «Es brauchte eine gewisse Anlaufzeit.» Zum Glück habe er einen langjährigen und erfahrenen Gemeindeschreiber an seiner Seite gehabt, der ihn in sein Amt eingeführt habe, so Wanner. Nun sind zwölf Jahre vergangen, und Wanner tritt als Gemeindepräsident von Neuenegg ab.

Bauboom nach Ortsplanung

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit sei eine grosse Ortsplanungsrevision angestanden. Diese habe der vorherige Gemeinderat aufgegleist. «Mir wurde die Revision fixfertig auf den Teller serviert.» Als er die Revision an der Gemeindeversammlung präsentierte, sei diese mit grosser Mehrheit durchgekommen. Die Ortsplanungsrevision habe die Gemeinde Neuenegg auf viele Jahre hinaus geprägt. «Es gab bezüglich der Infrastruktur grosse Herausforderungen, die wir zu meistern hatten.» Vor seiner Amtszeit hatte Neuenegg zwölf verschiedene Wasserversorgungen, die sie zusammengelegt hätten. «Nun hat die Gemeinde eine einzige Wasserversorgung, die das ganze Gemeindegebiet mit Trinkwasser versorgt.» Es sei eine grosse Aufgabe gewesen, die verschiedenen Wasserversorgungen unter einen Hut zu bringen. «Nun sind aber alle froh um diese Lösung.»

Die grösste Veränderung seit seinem Amtsantritt sei aber der Bauboom, den die Ortsplanungsrevision ausgelöst habe. «In den zwölf Jahren, in denen ich Gemeindepräsident sein durfte, hat Neuenegg rund tausend neue Einwohnerinnen und Einwohner erhalten.» Wenn er etwas rückgängig machen könnte, hätte er wohl dafür gesorgt, dass das Wachstum der Gemeinde langsamer und nachhaltiger stattgefunden hätte. Dies habe man bei der damaligen Ortsplanungsrevision zu wenig bedacht. Denn ein Bauboom bringe es mit sich, dass auch neue Infrastruktur gebaut werden müsse, was nicht immer einfach sei. «Hinterher ist man stets schlauer.»

Keine Steuererhöhungen

Ein grosses Ziel von ihm sei es in diesen zwölf Jahren gewesen, die Gemeindeverwaltung in einem neuen Gebäude unterzubringen, so Wanner. Dies sei nun endlich gelungen. Im Mai dieses Jahres hat die Neuenegger Stimmbevölkerung dem Kauf und Umbau eines neuen Gemeindehauses zugestimmt. Somit kann die Gemeindeverwaltung bald umziehen und Räumlichkeiten beim Dorfplatz beziehen. «Das ist ein Gewinn für die Verwaltung wie auch für die Bevölkerung von Neuenegg», sagt Wanner. Dass ihm dies gelungen sei, sei wohl einer seiner grössten Erfolge. Am Herzen liege ihm auch die Sanierung des Schul- und Kirchenzentrums (SKZ) im Dorf. Dort habe es zu wenig Räumlichkeiten für die Schule und die Kirche. «Das wird wohl das grösste Projekt der nächsten Jahre für die Gemeinde. Wir rechnen mit Kosten von 17 Millionen Franken.»

Dass die Gemeinde in den zwölf Jahren, in denen Wanner Gemeindepräsident war, so einiges erreicht hat, sei aber nicht nur ihm zu verdanken, betont er. «Ein Gemeindepräsident darf sich nicht zu wichtig nehmen.» Er sei halt stets zuvorderst gestanden. Die Knochenarbeit sei aber in den Kommissionen und Ausschüssen getätigt worden. Als überaus positiv erachte er, dass in den zwölf Jahren, in denen er Gemeindepräsident war, die Gemeinde die Steuern nie erhöhen musste. «Darauf bin ich stolz.»

«Freue mich auf freie Abende»

Auf der anderen Seite gebe es auch Dinge, die er als Gemeindepräsident gerne anders gemacht hätte oder bei denen er sich gewünscht hätte, dass es anders komme. Ein Beispiel sei die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Köniz bei den Schulen in Thörishaus. Die Gemeinde Köniz hatte der Gemeinde Neuenegg dort jährlich einen Beitrag für diese Schulen überwiesen. Letztes Jahr ist bekannt geworden, dass die Gemeinde Köniz den Vertrag auf das Jahr 2024 gekündigt hat. Dass sie nicht in der Lage gewesen seien, mit Köniz eine Einigung zu erzielen, nage noch an ihm. «Insbesondere dass ich mich mit meinem Parteikollegen von der SVP in Köniz, der für diese Angelegenheit zuständig war, nicht einigen konnte, erachte ich als negativ.»

Als abtretender Gemeindepräsident werde er den Kontakt zu den Menschen am meisten vermissen. Er freue sich aber auch, dass er nun nicht mehr der oberste Neuenegger sein müsse. «Ich werde die vielen Sitzungen sicher nicht vermissen und freue mich auf die freien Abende.» Die Gemeindepolitik werde er noch verfolgen und die Gemeindeversammlungen besuchen, «ich will mich aber nicht mehr gross in die Politik einmischen». Er werde sich nun vermehrt seinem Hobby, dem Velofahren, widmen und die Politik anderen Leuten überlassen. Die Nachfolgerin von Wanner steht bereit fest: Marlis Gerteis-Schwarz ist ab morgen die neue Gemeindepräsidentin von Neuenegg.

Zur Person

Stets in Neuenegg

René Wanner wurde im Jahr 1950 geboren und wuchs in Neuenegg auf, wo er sein ganzes Leben verbrachte. Er betreibt eine Metzgerei mit einem dazugehörigen Party-Service. Er ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Töchtern.

nj