Freiburg/St. Ursen 25.04.2020

Landschäden wegen Spaziergängern

Bauer Thomas Jungo will Spaziergänger mit Absperrband von den Feldern fernhalten.
Freiburger Bauern rufen die Spaziergängerinnen und Spaziergänger dazu auf, auf den Wegen zu bleiben. Rund um die Stadt Freiburg beklagen sie Schäden, weil die Menschen teils quer über Felder und Wiesen gehen.

«Wenn nur einer allein über eine Wiese läuft, ist das kein Problem. Das Problem entsteht, wenn so viele Leute über eine Wiese gehen, dass ein neuer Weg entsteht», sagt Thomas Jungo. Der Gemeinderat von St. Ursen hat einen Landwirtschaftsbetrieb zwischen Bürglen und St. Ursen. Seit der Bund die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus erlassen hat, beobachtet er sehr viel mehr Spaziergängerinnen und Spaziergänger rund um seinen Hof als zuvor. Viele von ihnen würden nicht auf den Wegen bleiben und quer über Felder und Wiesen gehen. Teils seien so neue Wege entstanden, die dann weitere Spaziergänger einladen würden, den gleichen Weg zu nehmen. Andere folgten Karrwegen, die zu Feldern führen, dort aber aufhören. Statt umzudrehen, suchten sie einen Weg über das Feld. Und wieder andere parkierten ihr Auto sogar an den Wegrändern in Wiesen und Feldern, um von dort aus zu spazieren.

Thomas Jungo ist nicht der Einzige, der das erlebt. Er berichtet von anderen Landwirten gerade rund um die Stadt Freiburg, die das gleiche Pro­blem haben. Auch Frédéric Ménétrey, Direktor des Freiburger Bauernverbandes hört derzeit viele Reklamationen. «Im Frühling, wenn es wieder wärmer wird, ist das immer ein Thema, aber dieses Jahr noch stärker als sonst.»

Thomas Jungo sagt, er verstehe es ja, dass die Leute jetzt mehr spazieren würden. Denn die Ausübung vieler Sportarten ist derzeit wegen der Res­triktionen aufgrund der Corona-Krise nicht möglich. «Aber wir haben so viele schöne Wanderwege in der Region, in dessen Unterhalt die Gemeinden viel Geld stecken.» Er bittet die Spaziergängerinnen und Spaziergänger, auf den Wegen zu bleiben und keine neuen anzulegen. Gerade jetzt in der Vegetationszeit seien die Pflanzen empfindlich und könnten kaputt gehen, wenn zu viele Leute über die Felder gingen. Besonders an Waldrändern sei dies ein Problem, auf sogenannten Ökostreifen. «Diese Flächen sollen die Biodiversität fördern. Wir Landwirte dürfen sie erst am 15. Juni mähen.» Wenn nun aber viele Spaziergänger das lange Gras niedertrampelten, nütze das der Biodiversität nichts mehr.

Tiergesundheit leidet

Neben Schäden an den Kulturen gebe es noch andere Probleme, wenn Spaziergänger quer über Landwirtschaftsland gehen, sagt Frédéric Ménétrey vom Bauernverband. «Ganz grundsätzlich ist das Land Privatbesitz, dass der landwirtschaftlichen Produktion dient», stellt er klar. Der Landbesitzer müsse dazu gewisse Hygiene- und Sicherheitsregeln einhalten. «Besonders Hundekot in Wiesen für Kühe ist problematisch, da so Krankheiten übertragen werden könnten.» Auch Abfall, besonders Aludosen, seien ein Problem: Die Tiere könnten schwerwiegende Verletzungen davontragen, wenn sie Abfall fressen.

Um die Spaziergänger von seinen Feldern fernzuhalten, hat Thomas Jungo doppelte Stromzäune und rot-weisse Absperrbänder gezogen. Frédéric Ménétrey verweist auf Schilder, bereitgestellt vom landwirtschaftlichen Informationsdienst, welche die Bauern aufstellen können und die über die Thematik aufklären.