Schwarzenburg 07.01.2021

Fusion zum Wohl der Jugend

Auf 2021 hat sich die Jugendarbeit Schwarzenburg der Regionalen Jugendkommission Riggisberg angeschlossen. Die FN haben sich mit René H. Bartl, dem letzten Präsidenten der Jugendarbeit Schwarzenburg, unterhalten

«Wie viel Zeit haben Sie?», fragte René H.  Bartl gespannt, als die FN ihn in seinem heimeligen Wohnhaus in Rüschegg besuchte. Bartl hat in seinem Leben nämlich schon viel erlebt und auf die Beine gestellt und erzählt gerne davon. «Ich bin ein Geschichtenerzähler», bekannte er gleich zu Beginn des Gesprächs. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, machte der gebürtige Basler ursprünglich eine Lehre zum Möbelschreiner, fuhr später Taxis und liess sich nach erfolgreichen Jahren als Verkaufsberater zum Sozialpädagogen ausbilden. Als Supervisor, Heimleiter und Gründer der «WG Guggisberg 77B» hatte sich Bartl in seinem Leben ganz der Jugend verschrieben und war somit prädestiniert dafür, Präsident des Vereins Jugendarbeit Region Schwarzenburg zu werden.

Ein komplexes Amt

Den Verein Jugendarbeit Region Schwarzenburg wurde 1981 gegründet. Er deckte das Gemeindegebiet von Schwarzenburg, Guggisberg und Rüschegg ab und schuf für die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Region ein vielfältiges Angebot. Das Betreiben von Jugendtreffs, der jeden Sommer angebotene Kinderzirkus Bajazzo und der Abschlussball der Schulabgänger gehörten ebenso dazu wie das Durchführen von Spielabenden, das Begleiten der Konfirmationslager in Zusammenarbeit mit den Kirchgemeinden oder die Teilnahme beim Netzwerk Prävention.
Immer wieder und immer mehr geriet der Verein für Jugendarbeit auf der strategischen Ebene aber in Schwierigkeiten. Nach dem Ausscheiden des früheren Präsidenten im Jahr 2014 dauerte es zwei Jahre, bis in René H. Bartl ein neuer Präsident gefunden werden konnte. Für die 2019 zurückgetretene Finanzchefin wurde gar keine ehrenamtliche Nachfolgerin gefunden. «In der heutigen Zeit ist es schwierig, Personen für Ehrenämter mit so grosser Verantwortung und so grossen zeitlichen Anforderungen zu finden», erklärte Bartl.

Auch auf politischer Ebene stellten sich dem Verein Hürden in den Weg. Der Kanton Bern subventioniert die offene Kinder- und Jugendarbeit zwar, knüpft diese Subvention aber an eine Minimalkinderzahl. «Wir erreichten diese Minimalkinderzahl schlichtweg nie und mussten alle vier Jahre ein Gesuch für eine Sonderbewilligung stellen. Das Gesuch wurde zwar immer bewilligt, trotzdem waren wir nie sicher, ob es denn auch in vier Jahren noch der Fall sein würde», führte der Sozialpädagoge aus.

Ansprüche werden grösser

Der Berner Grossratsbeschluss aus dem Jahr 2019, mit dem die Finanzierung von Praktikumsplätzen gestrichen wurde, stellte den Vorstand vor ein nächstes Problem und führte schliesslich dazu, dass die Gemeinden einspringen mussten. Denn ohne die zwei Praktikanten, die für die Jugendarbeit Schwarzenburg arbeiteten, war die Aufgabe nicht zu bewältigen.

Der Verein Jugendarbeit Schwarzenburg musste schliesslich einsehen, dass die Ansprüche von allen Seiten immer grösser wurden und dass ehrenamtlich arbeitende Personen diesen unmöglich gerecht werden konnten. «Ein Engagement aus Freude reicht nicht mehr, es benötigt zunehmend professionelles Wissen, um allen Anforderungen zu genügen», bilanzierte René H. Bartl.

Zwei Standorte

Die Schwarzenburger hatten sich nach Anschlussmöglichkeiten in Köniz und Riggisberg erkundigt. «Natürlich haben wir uns gefragt, ob die anderen uns überhaupt wollen», gestand Bartl. Die Riggisberger seien aber sehr empfänglich für das Anliegen ihrer Nachbarn gewesen. Nach einem einjährigen, von einem externen Berater begleiteten Zusammenlegungsprozess haben sich die Schwarzenburger nun auf den 1. Januar 2021 der Regionalen Jugendkommission in Riggisberg angeschlossen. Die Trägerschaft der Organisation, die neu unter dem Namen «Jugendarbeit Region Gantrisch» läuft, bilden die Gemeinden Riggisberg, Burgistein, Rüeggisberg, Toffen, Kirchenthurnen, Mühlethurnen, Kaufdorf, Schwarzenburg, Guggisberg und Rüschegg.

Von nun an gibt es keine ehrenamtlich tätigen Vorstandsmitglieder mehr, denn der Verein wird vom zuständigen Mitglied des Gemeinderats Riggisberg präsidiert. Die übrigen Gemeinden delegieren ihre zuständigen Gemeinderäte in den Vorstand.

Die Jugendarbeit wird neu an zwei Standorten präsent sein: in Riggisberg und in Schwarzenburg. Sie wird von einem professionellen Leiter «Kinder- und Jugendfachstelle» geführt. In Schwarzenburg soll die Jugendarbeit in ungefähr einem Jahr in das Generationenhaus einziehen können. Auch an den bestehenden Jugendtreffs wird sich nichts ändern.
Angebote bleiben bestehen

Oberstes Ziel für die Schwarzenburger war, dass die Jugendlichen gar nichts von der Neuorganisation mitbekommen. «Eine unserer Bedingungen war, dass unsere Angebote weiterhin bestehen bleiben», so René H. Bartl. «Auch die finanziellen Reserven, die wir mitbrachten, sollen sicher für den Standort Schwarzenburg verwendet werden.»

Das Corona-Jahr hatte auch Auswirkungen auf die Jugendarbeit. «Es galt, die Schutzmassnahmen einzuhalten, und wir nutzten vermehrt die sozialen Medien», zählte der Sozialpädagoge und Grossvater auf. Die allermeisten Jugendlichen hätten sich gut an die neuen Regeln gehalten, meinte Bartl. «Ich denke, dass die Jugendlichen weniger Mühe mit der Situation hatten als ältere Semester.»

Nicht urteilen

In über fünfundvierzig Jahren sozialer Arbeit begleitete René H. Bartl etwa 700 Jugendliche und deren Familiensysteme durch turbulente Lebensphasen. Rückblickend beobachtet er, dass Kinder heute weniger aushalten können als früher und der Respekt nicht mehr den gleichen Stellenwert hat. Vorwerfen mag er dies den Jugendlichen aber nicht. «Die Kinder wurden in die heutige Gesellschaft hineingeboren und haben sie nicht gemacht.» Überhaupt finde er es wichtig, nicht zu urteilen und immer das Gute im Menschen zu sehen. «Ein Jugendarbeiter oder Sozialpädagoge muss das einfach, er muss ein Philanthrop sein.»