LAUPEN 28.05.2020

Freiwillige retten in Laupen Amphibien vor Strassenverkehr

Der Zaun schützt die Amphibien vor der Strasse.
Jedes Jahr nehmen ­Hunderte von Erdkröten und Grasfröschen die gefährliche Wanderung vom Wald zum Halden­weiher und zurück in Angriff. Zwei Zäune ­schützen sie davor, ­überfahren zu werden.

«Der Verkehr hat in den letzten zehn Jahren schon enorm zugenommen», sagt Markus Graf. Das habe dazu geführt, dass in den letzten Jahren vermehrt Frösche, Kröten und Molche bei ihrer jährlichen Wanderung über die viel befahrene Neueneggstrasse überfahren wurden. Die Amphibien wandern jedes Jahr vom Wald in den Haldenweiher, um dort zu laichen, und kehren den gleichen Weg wieder in ihren Sommerlebensraum zurück.

Zäune retten Amphibien

Markus Graf und ein Team von Freiwilligen sorgen dafür, dass nicht mehr Amphibien getötet werden und so die Erdkröten- und Grasfroschpopulation aufrechterhalten wird.

In diesem Frühling halfen die Freiwilligen schon das vierte Jahr hintereinander. Auf der Seite des Waldes montierten sie einen 40 Zentimeter hohen Zaun. Auf einer Länge von 200 Metern stellten sie zwölf Kübel auf. Die Amphibien, die es in Richtung Wasser zieht, können den Zaun nicht überwinden. So wandern sie am Zaun entlang, bis sie in einen Kübel fallen. Freiwillige tragen diese dann zum Wasser.

Auch entlang des Weihers stellten die Freiwilligen einen Zaun auf: «Die Amphibien wollen nach dem Laichen wieder zurück in ihre Lebensräume.»

In über 1000 Einsatzstunden haben 17 Freiwillige dieses Jahr an 65 Tagen die Zäune mit ihren Auffangkübeln kontrolliert. Insgesamt hätten sie 259 Erdkröten, 40 Grasfrösche und 3  Molche vom Wald zum Weiher getragen. Trotz der Hilfe der Freiwilligen hätten sie 37  tote Tiere gefunden.

Grosse Erdkrötenpopulation

Die Aktion fand erstmals 2017 statt. Damals habe sich eine besorgte Bürgerin aus Laupen an die Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz (Karch) gewandt, weil ihr auffiel, dass im Frühling jeweils viele Frösche auf der Strasse getötet würden. Die Karch habe daraufhin den pensionierten Biologen Markus Graf angefragt, ob er diese ­Aktionen leiten könne. «Da ich früher bei der Fachstelle Naturschutz gearbeitet habe, kannten sie mich. Sie wussten auch, dass ich in Laupen wohne.» Zunächst habe man abgeklärt, ob sich eine Schutzaktion in Laupen überhaupt lohne. «Wir haben herausgefunden, dass vor allem die Erdkrötenpopulation in Laupen doch beträchtlich ist.» Diese belaufe sich auf ungefähr 400 bis 500 Tiere. «Eine so grosse Population ist eigentlich erstaunlich, aber natürlich sehr erfreulich. Bei einer solchen Population lohnt es sich auf jeden Fall, Zäune aufzustellen.» Neben den Erdkröten gebe es auch noch eine kleine Anzahl an Grasfröschen. «Diese Population ist allerdings nicht so gross, da die Bedingungen im Haldenweiher für sie nicht ideal sind.»

Auf den Aufruf, sich bei der Rettung von Amphibien in Laupen zu beteiligen, hätten sich zahlreiche Freiwillige gemeldet, sagt Graf. Dies sei sehr erfreulich, da die Aktion doch sehr zeitaufwendig sei. Zudem müsse man die Tiere in die Hände nehmen. «Viele Leute finden das zuerst eklig.» Doch nach und nach würden sie ihre Abscheu ablegen und Spass daran finden. Besonders gefalle ihm, dass die Freiwilligen ihre Kinder oder Enkelkinder mitbringen würden. «So können wir die junge Generation für die Natur begeistern.»

Laut Graf sichert diese Schutzaktion, wie sie nun jedes Jahr durchgeführt wird, den Bestand der Amphibien in Laupen. «Ohne diese Zäune wäre es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Amphibienpopulationen verschwunden wären.»

Fakten

Tiere wandern künftig sicherer

Trotz der Rettungsaktion von Freiwilligen wird jedes Jahr eine grosse Anzahl Amphibien auf der Strasse überfahren. Diese Situation soll sich zumindest in Laupen in Zukunft ändern. Dank des Projekts der Bahnhofverlegung und der Verkehrssanierung sollen die Frösche und Kröten künftig sicherer wandern können. Konkret ist ein Tunnel vorgesehen, durch den die Amphibien unter der Strasse hindurch zu ihren Laichplätzen gelangen können. Mit der Untertunnelung der Strasse können Amphibien und andere Kleintiere künftig ganzjährig gefahrlos in beide Richtungen wandern.

nj