SCHWARZENBURG 08.10.2020

Die Grasburg hat grosses Potenzial

Die Grasburg muss dringend saniert werden, damit die Sicherheit der Besucher weiterhin gewährleistet ist und das Kulturgut von nationaler Bedeutung erhalten bleibt.
Um das touristische Potenzial der Grasburg ausschöpfen zu können, müsste neben einer Sanierung auch eine Attraktivierung stattfinden, sagt eine Studie. Das geht dem Berner Stadtrat jedoch zu weit.

Die Grasburg ist im 13. Jahrhundert entstanden und liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Schwarzenburg. Die Ruine mit der noch bestehenden imposanten Burganlage ist ein beliebtes Ausflugsziel. Vom Felssporn, auf dem die Burg steht, hat man einen guten Blick auf den Sensegraben. Obwohl die Burg nicht weit vom Dorfzentrum der Gemeinde Schwarzenburg entfernt liegt und die Ruine relativ gut erschlossen ist, ist das touristische Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Angebote für Führungen auf der Grasburg wurden in der Vergangenheit nur spärlich genutzt. Andreas Probst hat nun in einer Masterarbeit in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Gantrisch ermittelt, wie man dieses Potenzial besser ausschöpfen könnte. Denn für den Naturpark Gantrisch ist klar: «Wir wollen die Bevölkerung wie auch unsere Gäste sensibilisieren für unsere Geschichte», sagt Karin Remund, Bereichsleiterin Gesellschaft des Naturparks Gantrisch. Die Grasburg als grösste Ruine im Kanton Bern und als Kulturgut von nationaler Bedeutung sei ein besonderer Leuchtturm.

Sagenweg und App

«Das Ziel der Arbeit war es, Grundlagen zu erarbeiten für die Schaffung von Vermittlungsangeboten auf der Grasburg», erklärt Probst. Konkret habe er in einem ersten Schritt ermittelt, ob sich die Grasburg für den breiten Tourismus eigne. «Der Mobilfunkempfang und die Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehr oder dem Auto sind im Vergleich zu anderen historischen Burgen sehr gut.» Weniger gut sehe es bei der Barrierefreiheit aus, also bei der Erreichbarkeit der Burgruine für Rollstuhlfahrer, sehbehinderte Personen, Eltern mit Kinderwagen und weniger mobile Personen. Verbessern könne man auch die Infrastruktur vor Ort, beispielsweise mit öffentlichen Toiletten oder Picknickplätzen.

In einem zweiten Schritt wollte Probst herausfinden, wie man die Informationen rund um die Grasburg der Bevölkerung vermitteln kann. Neben einer klassischen Fachexkursion für Geschichtsinteressierte könne man Jung und Alt die Geschichte um die Grasburg nämlich noch auf viele andere Arten vermitteln. So habe das Schloss Burgdorf gute Erfahrungen mit szenischen Führungen gemacht. Das könne man bei der Grasburg auch machen. «Zudem bietet es sich an, Informationstafeln aufzustellen und einen Sagenweg vom Bahnhof Schwarzenburg bis zur Burgruine einzurichten.» Auch eine Smartphone- App mit Informationen über die Grasburg sei eine Überlegung wert.

Kulturpädagogik als Auftrag

Für den Naturpark sei die Grasburg eigentlich ein idealer Ort, um ein kulturelles Objekt von historischem Wert als Destination weiterzuentwickeln und um das touristische Potenzial im Naturpark Gantrisch weiter auszuschöpfen. Dem stimmt auch Katrin Remund zu: «Die Grasburg ist Ausflugsziel für Familien mit Kindern und Kulturinteressierte.» Sie sei ein besonderer Kraftort mit tollem Ausblick auf die Sense, der die magische Senseschlucht sichtbar mache. «Gerade die Grasburg, auf der im 5-Jahres-Wechsel die Berner und die Freiburger Herren herrschten, hat auch heute noch Auswirkungen auf unsere Region.» Das Verständnis für die Geschichte bilde die Wurzeln unserer Identität, so Remund. Bildung für eine nachhaltige Entwicklung inklusive kulturpädagogischer Angebote seien schliesslich der Auftrag des Naturparks Gantrisch – «und naturnaher Tourismus ist unsere Passion».

Naturpark ist enttäuscht

Dass die Stadt Bern als Eigentümerin sich nun auf die Sanierung der Grasburg beschränke, die Weiterentwicklung der Ruine jedoch fallen gelassen habe (siehe Kasten), findet Probst schade. «Natürlich ist es angesichts der Corona-Pandemie und der damit verbundenen schwierigen finanziellen Situation verständlich. Ich hoffe aber, dass die Pläne später wieder aufgenommen werden, damit die Grasburg in Zukunft besser erschlossen werden kann.» Denn auch für die Stadt Bern sei die Grasburg aus touristischer Sicht interessant.

Auch Karin Remund vom Naturpark Gantrisch findet den Entscheid «sehr, sehr schade». Den ersten Anstoss zur Sanierung habe der Naturpark zusammen mit dem Archäologischen Dienst des Kantons Bern bereits im Jahr 2012 gegeben. Mit einem umfassenden Holzschlag sei das wertvolle Kulturgut freigestellt worden, so dass die Mauern wieder abtrocknen konnten. Die Stadt Bern als Eigentümerin sei verantwortlich für den Erhalt des nationalen Kulturguts und hafte bei Unfällen durch herabfallende Steine oder Absturz. «Sie trägt auch die Verantwortung dafür, dass das Kulturgut für alle zugänglich bleibt.»

Der Naturpark selbst dürfe nicht in Infrastruktur investieren, sei aber bereit, strukturelle Unterstützung bei der Weiterentwicklung des Projekts zu leisten, und würde auch mithelfen, nach potenziellen Geldgebern zu suchen. Denn das Ziel sei es, breite Bevölkerungskreise anzulocken und die Möglichkeit zu bieten, Kulturgut hautnah zu erleben. «Wir sehen in der Sanierung und der Weiterentwicklung der Grasburg ein ähnliches Potenzial wie im neuen Familien- und Themenweg Gäggersteg, der sich zu einem Besuchermagnet entwickelt hat.»

Information

Die Geschichte der Grasburg erleben

Der Naturpark Gantrisch lädt diesen Samstag zu einem Ausflug zur Burgruine Grasburg ein. Unter dem Titel «Berner? Freiburger? Grasburger! Die Grasburg und ihre Geschichte» wird Andreas Probst auf seinem Rundgang Wissenswertes über die Geschichte rund um die Grasburg erzählen. Probst befasste sich in seiner Masterarbeit intensiv mit der Geschichte der Grasburg (siehe Haupttext). Den Interessierten sollen das mittelalterliche Leben und die verschiedenen Herrschaftsverhältnisse auf der Burg nähergebracht werden.

nj

Treffpunkt: Bahnhof Schwarzenburg. Sa., 10. Oktober, 14 Uhr. Anmeldung bis heute an 031 808 00 20 oder aninfo@gantrisch.ch.Kosten Erwachsene: 15 Franken.

Stadt Bern

Sanierung ja, Weiterentwicklung nein

Im Frühling wurde bekannt, dass die Stadt Bern als Eigentümerin die Burgruine Grasburg sanieren will (die FN berichteten). Die Stadt Bern will mit der Sanierung die Burgruine instandhalten und dadurch sicherstellen, dass die Ruine als Kulturgut von nationaler Bedeutung erhalten bleibt. Der Berner Gemeinderat plante, die Grasburg für knapp zwei Millionen Franken zu sanieren und weiterzuentwickeln, um sie für Besucherinnen und Besucher attraktiver zu machen. Diese Pläne gingen dem Berner Stadtrat jedoch zu weit: Er wies das Geschäft im Sommer an den Gemeinderat zurück. Auf das Aufstellen von Informationstafeln, die Errichtung einer neuen Brücke zum Hauptzugang und die bessere Auslegung von Wegen für die Besucher solle angesichts der schwierigen finanziellen Lage verzichtet werden, so das Credo im Stadtberner Parlament. Dieses forderte den Gemeinderat dazu auf, die Sanierung und die Entwicklung der Ruine Grasburg «inhaltlich und finanztechnisch zu trennen». Die Stadt solle sich finanziell nur an der Sanierung beteiligen, nicht aber an der Entwicklung. Eine allfällige Weiterentwicklung sei ausschliesslich durch Dritte zu finanzieren oder aber gänzlich fallen zu lassen.

Wie die Gemeinde Bern auf Anfrage mitteilt, werde das Geschäft zurzeit in diesem Sinne von der Verwaltung überarbeitet, und es werde «dem Gemeinderat zu gegebener Zeit vorgelegt».

nj