Archiv 07.02.2000

Wechselvolle Geschichte

Um den Sensler Jägern die Möglichkeit zu geben, ihre Produkte besser verkaufen zu können, haben vier initiative Jäger vor dreissig Jahren den ersten Pelzfellmarkt in St. Antoni durchgeführt. Weit über die Kantonsgrenze hinaus hat sich dieser Markt im Laufe der Jahre zu einem bedeutenden Treffpunkt für Jäger und Pelzhändler entwickelt.

30. Pelzfellmarkt St. Antoni

Für die Einführung des Marktes von St. Antoni wurden die meisten Pelze aus dem Kanton Freiburg auf dem Markt in Thun verkauft. «Statt dass unsere Jäger jedes Jahr mit ihrer Ware nach Thun fahren, versuchten wir es mit einem Markt in unserer Region», haben sich vor dreissig Jahren Marcel Gobet, Louis Schmutz, Robert Carrel und Erwin Brülhart gesagt. Sehr rasch entwickelte sich der Markt in St. Antoni zu einer festen Grösse. «Damit die damals in Jägerkreisen herrschende Meinung, wonach alles im Bezirkshauptort stattfinden müsse, nicht neuen Nährboden erhalte, haben wir bewusst St. Antoni als Marktort gewählt, sagte Marcel Gobet. Am ersten Markt seien hundert Pelze verkauft worden. Für die Fuchsfelle wurden damals bis zu drei Franken bezahlt, wusste Louis Schmutz zu berichten. Die gehandelte Menge ist in den Anfangsjahren kontinuierlich gestiegen und hat sich seit 1995 zwischen 500 und bis gegen 700 gehandelte Felle eingependelt.

Kurz nach Beginn der achtziger Jahren verlor der Pelz in der Kleiderindustrie immer mehr an Bedeutung. Entsprechend sanken auch die Preise für die Felle. Die höchsten Preise wurden den Jägern anfangs der achtziger Jahre bezahlt. Damals erhielten sie für ein Fuchsfell noch den stolzen Preis von hundert Franken. Von da an sanken aber die Preise schlagartig. Fernsehbilder über die katastrophalen Wildtierhaltungen von Farmern, welchen es lediglich darum ging, möglichst schnell reich zu werden, hatten das Ihrige dazu beigetragen. Obwohl die Nachfrage nach Pelzen im vergangenen Jahr leicht zugenommen hat, wurden die Pelze am diesjährigen Markt zu den gleichen Bedingungen wie im letzten Jahr (3 bis 7 Franken) gehandelt.
Die tiefen Preise vermögen aber den 78-jährigen Dominik Piller nicht zu erschüttern, oder ihn gar von der Jägerei abzubringen: «Ich ging schon einige Jahre auf die Jagd, als 1953 im Kanton Freiburg die Revierjagd abgeschafft wurde». Jägerprüfungen habe es damals noch nicht gegeben. Das Jagdpatent habe man damals nur erhalten, wenn man gleichzeitig auch den Nachweis erbrachte, dass man Steuern bezahle. Es habe ihn schon ein wenig gefreut, als sein Sohn Hugo vor zwanzig Jahren sein erstes Jagdpatent gelöst habe, meinte Dominik Piller. Der 72-jährige Werner Mast, Peter Piller (51) und Hermann Rohrbach (73) vervollständigen die Brünisrieder Jagdgruppe von der Buchenkapelle. Die Gruppe kommt jedes Jahr mit 25 bis 30 Fellen an den Markt nach St. Antoni.
GFM-Chauffeur und Jäger Heinri Jaggi aus La Roche kommt auch bereits seit dreissig Jahren an den Markt nach St. Antoni. Um Krankheiten in den Wildbeständen zu verhindern und einer zu starken Ausbreitung des Fuchsbestandes entgegenzuwirken, sei es Pflicht der Jäger, die Fuchse zu bejagen, meinte Henri Jaggi.
Ein Dorn im Auge ist den meisten Jägern nach wie vor der Luchsbestand in unserer Region. «Die Jäger waren jahrelang durch Hegen und Pflegen für einen gesunden Rehbestand in unseren Voralpen besorgt», meinte Präsident Marcel Bächler. Innert kürzester Zeit seien diese Bemühungen durch die Überkapazität des Luchses zerstört worden.
Gegen einen kontrollierten Luchsbestand hätten die Jäger an und für sich nichts einzuwenden. Der heutige Luchsbestand sei aber eindeutig zu hoch, was dazu geführt hat, dass das Reh in unseren Bergen heute fast gänzlich ausgestorben sei.