Archiv 11.02.2000

Kein Fach «Ernährung»

In den Freiburger Schulen wird nicht ein Fach «Ernährung» eingeführt. Der Grosse Rat hat gestern eine entsprechende Motion der Sensler Grossräte Nicolas Bürgisser und Josef Fasel mit 64 zu 37 Stimmen abgelehnt.

Grosser Rat lehnt Motion ab

Josef Fasel (cvp, Alterswil) und Nicolas Bürgisser (csp, St. Ursen) wollten, dass das Fach «Ernährung» integrierender Bestandteil der Allgemeinbildung während der obligatorischen Schulzeit wird. Nicolas Bürgisser gab gestern zu bedenken, dass in der Schweiz immer mehr Menschen an Essstörungen leiden, womit Kosten in Milliardenhöhe verursacht würden. Ein Viertel der Bevölkerung sei übergewichtig.

SP-Sprecherin Maria Grazia Conti stritt diese Tatsachen nicht ab, auch nicht, dass die Ernährung in der Gesundheitsförderung eine zentrale Rolle einnehmen muss. Ihrer Ansicht nach muss jedoch die Gesundheitserziehung als Ganzes angegangen werden. «Die Zeiten, als die Lehrperson vorschrieb, was gesund ist, gehören der Vergangenheit an. Ernährungskunde ist überflüssig und wäre kontraproduktiv», hielt sie fest und begründete somit, weshalb die SP-Fraktion die Motion ablehnt.
Ihrer Ansicht nach müssten die Schulen z.B. Mittagstische anbieten. Sie wies auch darauf hin, dass die Eltern und Lehrpersonen bei Essstörungen oft auf Fachleute angewiesen sind und ganze Netzwerke unterstützend wirken müssen.
Marie-Louise Rudaz-Spicher entdeckte als CVP-Sprecherin in den Ess-störungen oft auch eine innere Grundstörung der Persönlichkeit. Sie begrüsste es, wenn die Schülerinnen und Schüler Sachinformationen erhalten und Zusammenhänge kennenlernen. Die Jugendlichen müssen ihrer Ansicht nach ihren persönlichen Lebensstil entwickeln können. Nach ihren Worten würde es die CVP begrüssen, wenn der Staatsrat zu dieser Frage einen Bericht ausarbeiten würde, wie dies die Umwandlung der Motion in ein Postulat zur Folge hat.
In der Tat erklärten sich die beiden Sensler Grossräte bereit, ihre Motion in ein weniger verbindliches Postulat umzuwandeln. Der SVP-Sprecher Peter Tettü jedoch konnte nicht begreifen, dass der Staatsrat nach der ausführlichen Antwort auf die Motion noch einen Bericht ausarbeiten will. Für ihn bedeutet dies bloss Beschäftigung der Kantonsverwaltung und zusätzliche Kosten. Als Arzt erklärte er, dass die Menschen ein Leben lang über die Ernährung aufgeklärt werden müssen.
Überraschend klar lehnte der Gros- se Rat das Postulat ab, weshalb das Thema «Ernährung und Schule» zumindest vorläufig auf politischer Ebene nicht weiter verfolgt wird.