Archiv 08.02.2000

Die Freiburger Wirtschaft erstarkt

Die Freiburger Wirtschaft braucht dringend mehr Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten, um das Volkseinkommen und damit auch die öffentlichen Finanzen zu verbessern. Eine Analyse der Betriebszählung 1995-1998 zeigt, dass sich die Struktur der Freiburger Wirtschaft leicht verbessert hat. Doch sind Betriebe mit hoher Wertschöpfung immer noch untervertreten.

Analyse der Wirksamkeit der Wirtschaftsförderungsmassnahmen

Der Kanton Freiburg hat namentlich in den 90er Jahren, als rezessionsbedingt verschiedene Rückschläge zu bewältigen waren, verschiedene neue Instrumente geschaffen und Aktionen lanciert, um die Wirtschaft zu fördern (siehe auch Ausgabe vom letzten Samstag). Nun stellt sich
die Frage, ob diese Massnahmen auch entsprechende Resultate bewirken.

Arbeitsplatzrückgang: erhebliche
Unterschiede je nach Bezirk

Wichtige Hinweise dazu kann die Eidgenössische Betriebszählung liefern. Die Verantwortlichen der Wirtschaftsförderung des Kantons Freiburg haben in ihrem letzten Tätigkeitsbericht diese gegen Ende des letzten Jahres veröffentlichten Resultate analysiert. Sie kommen zum Schluss, dass die bisherigen Bemühungen fortzusetzen sind. Es sei notwendig, «über Rahmenbedingungen und Instrumente zur Förderung von Unternehmen mit Wertschöpfung und hohem Wachstumspotenzial zu verfügen». Gleichzeitig müsse vermehrt qualifiziertes Personal ausgebildet werden.

Die Zahl der Arbeitsplätze im Sekundär- und Tertiärsektor ist zwischen 1995 und 1998 um 2,2 Prozent zurückgegangen (siehe auch Frontseite). Nur gerade die Kantone Zug, Appenzell-Innerrhoden und Schwyz weisen eine Zunahme aus; bei allen anderen ist die Veränderung negativ. Im Kanton Freiburg beträgt der Rückgang gemäss Betriebszählung 1,46 Prozent.
Je nach Bezirk ist die Entwicklung der Arbeitsplätze sehr unterschiedlich. Einzig im Greyerzbezirk ist sie mit +3,58 Prozent positiv. Im Seebezirk blieb sie praktisch gleich und im Sensebezirk wird ein Rückgang um 1,89 Prozent ausgewiesen. Im Saane-Bezirk, der fast die Hälfte aller Arbeitsplätze in den genannten beiden Bereichen zählt, macht der Rückgang 2,58 Prozent aus.

Trotz Rückgang strukturelle
Verbesserung in der Industrie

Trotz Anpassungen und teils schmerzlichen Restrukturierungen gibt es in der Entwicklung der Freiburger Industrie und des Gewerbes gewisse Lichtblicke. In diesem Sektor ist die Zahl der Arbeitsplätze im Kanton um 7,51 Prozent, gegenüber 7,96 Prozent auf Landesebene, zurückgegangen (siehe Tabelle). Klammert man aber den Bausektor, der in der Freiburger Wirtschaft seit Jahren übervertreten war, aus, so beträgt der Rückgang im Kanton Freiburg lediglich 1,37 Prozent gegenüber 5,57 Prozent im schweizerischen Durchschnitt.

In der Zeitspanne, welche von der letzten Betriebszählung erfasst wurde, ist die Zahl der Arbeitsplätze in den Branchen elektrische und elektronische Anlagen, Präzisionsinstrumente, Maschinen und Metallbau angestiegen, während sie in den gleichen Branchen gesamtschweizerisch rückläufig war. Folglich nähert sich der Kanton in den erwähnten Branchen dem schweizerischen Durchschnitt, heisst es im Tätigkeitsbericht der Wirtschaftsförderung. Im Bereich Chemie sind aber viele Arbeitsplätze verloren gegangen (Wegzug von Ciba/Novartis).

Durchzogene Entwicklung
bei den Dienstleistungen

Der Tertiärsektor (Dienstleistungen) bietet nahezu zwei Drittel aller Arbeitsplätze. Insgesamt ist die Zahl der Arbeitsplätze in diesem Sektor um 1,59 Prozent angestiegen, gegenüber 0,46 Prozent im schweizerischen Durchschnitt.

Analysiert man die einzelnen Branchen in diesem Sektor, dann stellt man fest, dass die Zunahme zu einem grossen Teil auf die öffentliche Verwaltung, das Unterrichtswesen sowie Gesundheits- und Sozialwesen zurückzuführen ist. Die öffentlichen Dienste, deren Anteil im Kanton bereits höher ist als in der übrigen Schweiz, ist somit nochmals stärker gewachsen als im schweizerischen Vergleich. Demgegenüber sind (private) Dienstleistungsbetriebe mit hoher Wertschöpfung im Kanton Freiburg weiterhin untervertreten. Durch die Entwicklung im vergangenen Jahr, welches von der Betriebszählung noch nicht erfasst wurde, dürfte dieses Bild etwas korrigiert worden sein.

Erfreuliche Steigerung
beim Volkseinkommen

Die Entwicklung des Volkseinkommens ist ein Indiz, wie sich die strukturellen Verbesserungen in der Wirtschaft auf das Einkommen der Bevölkerung auswirken. Gemäss Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung hat das kantonale Volkseinkommen von 6,9 Mrd. Franken im Jahre 1990 erstmals 1995 die 8-Mrd.-Grenze überschritten und erreichte 1997 8,6 Mrd. Damit hält die Entwicklung im Kanton Freiburg ungefähr jener auf schweizerischer Ebene stand, auch wenn sie etwas weniger kontinuierlich verläuft.

Mit einem kantonalen Volkseinkommen von 8,6 Mrd. ergab dies ein Volkseinkommen pro Einwohner von 37137 Franken. Gesamtschweizerisch beträgt dieses 44500 Franken. Nur vier Kantone haben ein tieferes Volkseinkommen pro Einwohner als Freiburg, während das Tessin etwa gleich liegt. Trotz beträchtlicher Steigerung des Volkseinkommens konnte der Kanton Freiburg somit seine Stellung innerhalb der anderen Kantone (noch) nicht verbessern. Dies unterstreicht die Richtigkeit der Feststellung der Verantwortlichen der Wirtschaftsförderung, dass ihre langjährigen Bemühungen fortzusetzen sind.