Ski Alpin 16.02.2017

«Wir sind wie ein Pflug auf Skiern im Einsatz»

Damit die Rennfahrerinnen und Rennfahrer an der Ski-WM in St. Moritz immer perfekte Pisten haben, sind vor und zwischen den Rennen sogenannte Rutscher im Einsatz. Bruno Wyss vom Sensler Helferteam erklärt, wie kräfteraubend diese Einsätze sind.

«Ich bin an der Ski-WM in St. Moritz bei den sogenannten Rutschern im Einsatz. Unser Auftrag ist es, die Piste vor jedem Rennen von dem Schnee zu befreien, der mit Schneefräsen oder Schaufeln nicht entfernt werden kann. Wenn das Rennen beginnt, sollen alle Fahrerinnen und Fahrer eine blanke Piste zur Verfügung haben. Wir starten oben am Gelände und gleiten in rutschender Weise nach unten. Die Ski bilden dabei einen Keil, mit dem wir den Schnee in der ganzen Breite aus der Piste entfernen. «Wir sind wie ein Pflug auf Skiern.»

Diese Arbeit kann nur mit Skiern gemacht werden, es ist aber sehr anstrengend. Einerseits sind wir am steilen Hang im Einsatz und müssen aufpassen, dass wir nicht abrutschen. Andererseits sind die Muskeln dabei immer angespannt, da wir eigentlich immer am Bremsen sind. Wenn wir unten angekommen sind, geht es wieder hoch und das Ganze fängt von neuem an.

Wir sind aber auch während der Rennen auf der Piste. Nach jedem Fahrer müssen wir überprüfen, ob bei seiner Fahrt loser Schnee auf unserem Teilstück vorhanden ist. Um ihn wegzuräumen, müssen wir Rutscher schnell arbeiten. Die Sportler starten im Zwei-Minuten-Takt oder noch schneller. Das heisst, uns bleiben knapp 45 Sekunden, um mehrere hundert Meter von Schnee zu befreien. Damit diese Arbeit koordiniert abläuft, gibt es in den Sektoren klar definierte Stopps. Bis dort gehen wir jeweils nach den Einsätzen.

Nach acht anstrengenden Tagen im Dauereinsatz hat unser Rutschteam am Dienstag seinen freien Tag eingezogen. Skifahren auf der Corvatsch war angesagt. Den Ruhetag im Renngeschehen vom Dienstag konnte ich auch gut gebrauchen, weil ich mich etwas erkältet hatte. Das kann sehr schnell geschehen. Man schwitzt bei der harten Arbeit auf der Piste, draussen ist es recht warm, aber auf der Sesselbahn zieht es dann wieder. Ich hoffe, dass ich morgen wieder fit bin.

Trotz all dem macht es grossen Spass. Ich kenne Corinne Staub, die die Einsätze der freiwilligen Helfer koordiniert, schon seit Langem. Bereits vor drei Jahren, als sie dieses Amt angenommen hat, habe ich ihr versprochen, dass ich als Helfer dabei sein werde. Für diesen zweiwöchigen Einsatz habe ich gerne Ferien genommen, das ist etwas anderes als der Bürojob, den ich sonst mache. Vor allem gefällt es mir auch wegen der vielen Kontakte, die sich ergeben. In unserer Sechsergruppe sind die verschiedensten Typen dabei. Zum Beispiel Gonzalo, der Verbindungen zum argentinischen Skiverband hat, Erwin, ein Schweizer, der seit 45 Jahren in den Vereinigten Staaten von Amerika lebt, ebenso wie ein 70-Jähriger, der einst das amerikanische Ski-alpin-Nationalteam trainiert hat: eine gute Mischung.»

im/bw

Acht Mitglieder des Skiclubs Schwarzsee sind als freiwillige Helfer bei der Ski-WM dabei. Zwei davon, Bruno Zbinden und Bruno Wyss, erzählen in den FN in regelmässigen Abständen exklusiv von ihren Erlebnissen auf und neben der Piste.