Skeleton 02.12.2016

Mit neuem Schlitten zu neuem Erfolg

Ronald Auderset startet am Wochenende in Whistler (Kanada) in seine dritte Weltcup-Saison.
Im letzten Winter hat sich der Freiburger Ronald Auderset im Weltcup etabliert, in dieser Saison strebt der Skeleton-Fahrer vor allem eines an: mehr Konstanz. Ein neuer Schlitten soll dem 29-Jährigen auf dem eisigen Weg in die Top 15 die entscheidenden Hundertstel einbringen.

Wenn der Freiburger Ronald Auderset am Wochenende im kanadischen Whistler in die Weltcup-Saison startet, geschieht dies quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Skeleton ist eine jener Randsportarten, die nur alle vier Jahre bei Olympischen Spielen kurz in den Fokus rücken. Mit Marina Gilardoni hat zwar im letzten Winter eine Schweizer Fahrerin den Schritt in die Weltklasse geschafft, dem Skeleton-Sport wird hierzulande dennoch kaum mediale Aufmerksamkeit zuteil. Dabei hätte er durchaus Spektakel zu bieten: Bäuchlings und mit dem Kopf voran schiessen die Athleten auf einem speziellen Schlitten durch den Eiskanal, mit Geschwindigkeiten um die 140 Stundenkilometer, das Kinn nur ein paar Zentimeter über dem Eis.

Freud und Leid mit dem neuen Schlitten

Ronald Auderset und der Obwaldner Marco Rohrer sind die einzigen Skeleton-Fahrer, die sich an Weltcuprennen für die Schweiz die Eisbahn hinunterstürzen. In seiner dritten Saison auf höchstem Niveau will Auderset leistungsmässig «einen Schritt vorwärts» machen. «Die vergangene Saison habe ich auf dem 20. Gesamtrang beendet, was nicht ganz dem entsprach, was ich mir vorgenommen hatte», blickt der bald 27-jährige Freiburger zurück. «Dieses Jahr will ich regelmässig unter die Top 15 fahren.»

Ob ihm dies gelingt, hängt hauptsächlich von drei Faktoren ab: vom athletisch und technisch sehr anspruchsvollen Start, vom fahrerischen Können und vom Schlitten. Beim Start kann Auderset durchaus mit den Besten mithalten, seine Fähigkeiten als Schnellstarter hat er oftmals unter Beweis gestellt. In der Bahn und beim Material hat Auderset in der letzten Saison Verbesserungspotenzial geortet. Deswegen startet er heuer mit einem neuen Schlitten. Den Materialwechsel angeregt hatte Coach Matthias Biedermann, der letzte Saison sowohl für das lettische als auch für das Schweizer Skeleton-Team verantwortlich war und sich nun zu 100 Prozent um die Schweizer kümmert. «Mit dem alten Schlitten sind wir an unsere Grenzen gestossen. Es war Zeit, das Material zu wechseln und etwas Neues auszuprobieren», erklärt Auderset. «War der alte Schlitten wie ein normales Auto, so ist der neue im Vergleich dazu wie ein Gokart: schneller und wendiger, aber auch empfindlicher und anfälliger. Ich muss ihn viel vorsichtiger fahren, jede kleinste Bewegung wird direkt auf den Schlitten übertragen.»

Seit fast zwei Wochen trainiert der Sensler mit seinem neuen Schlitten in Whistler auf der Kunsteisbahn, auf der 2010 die Skeleton- und Bobwettbewerbe der Olympischen Winterspiele von Vancouver ausgetragen wurden. «Im Schnitt bin ich schneller unterwegs, die Fahrten sind jedoch weniger sauber. Ich hatte gehofft, bis zum ersten Weltcuprennen den neuen Schlitten im Griff zu haben. Aber ich brauche noch etwas Zeit.»

Die EM und WM als Ziel

Nach dem Auftakt am Wochenende in Kanada folgt eine kurze Wettkampfpause, ehe es am 16. und 17. Dezember in Lake Placid (USA) weitergeht. Das erste Europa-Rennen steht Anfang Januar auf dem Programm. Will Auderset dann noch dabei sein, muss er sich am 30. Dezember bei den Schweizermeisterschaften in St. Moritz beweisen. «Verhaue ich die Titelkämpfe und schaffe ich es nicht aufs Podest, dann geht mein Weltcup-Startplatz an einen anderen Fahrer.»

Der 27-Jährige wird nichts unversucht lassen, um auch in der zweiten Saisonhälfte im Weltcup dabei zu sein und seine grossen Ziele, die EM und die WM, zu erreichen. Mitte Januar findet in Winterberg (D) die Europameisterschaft statt. Letztes Jahr in St. Moritz wurde der Freiburger guter Zwölfter. Und Ende Februar (24. bis 26. Februar) möchte Auderset an der Skeleton-Weltmeisterschaft in Sotschi starten.

Dopingskandal beunruhigt

Die WM in Russland wirft allerdings dunkle Schatten voraus, und es ist höchst fraglich, ob Auderset nach Sotschi fahren kann beziehungsweise will. Die letzten Enthüllungen über gedopte russische Medaillengewinner bei den Olympischen Winterspielen 2014 erschütterten in diesem Jahr die Sportwelt und sorgen auch heute noch in Skeleton-Kreisen für angeregte Diskussionen. Zu den mutmasslichen Dopingsündern gehören neben Doppel-Olympiasieger Alexander Subkow (Bob) und Langlauf-Olympiasieger Alexander Legkow nämlich auch Skeleton-Olympiasieger Alexander Tretjakow.

Auf diese Enthüllungen haben mehrere Skeleton-Fahrer mit öffentlicher Kritik an Russlands Umgang mit Doping reagiert. «Daraufhin haben sie Drohmails aus Russland erhalten, was zu einer allgemeinen grossen Unsicherheit geführt hat», erklärt Auderset. «Athleten und Trainer haben nun Angst vor Vergeltungsaktionen und überlegen sich, nicht an die WM zu fahren.» Was für die Schweizer Piloten gelten werde, sei noch nicht klar. «Swiss Olympic zeigt Verständnis für die Piloten, Swiss Sliding (Schweizer Fachverband der Sportarten Bob, Rodeln und Skeleton, Anm. d. Red.) orientiert sich hingegen am internationalen Verband IBSF, und dieser will die WM durchziehen», sagt Ronald Auderset. «Aus sportlicher Sicht würde ich gerne in Sotschi fahren, die Bahn liegt mir. Anderseits gibt es diesen moralischen Aspekt, der ein Fernbleiben durchaus rechtfertigen würde.»

Der zweite Teil des Berichts von Richard H. McLaren zum Staatsdoping in Russland wird am 9. Dezember nach den Meetings der Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) veröffentlicht. Diesen will die IBSF erst abwarten, ehe sie eine Entscheidung betreffend WM in Sotschi fällt.

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Marina Gilardoni vor dem nächsten Schritt

Nachdem Marina Gilardoni im letzten Winter den Schritt in die Weltklasse geschafft hat, will sich die Skeleton-Fahrerin in dieser Saison konstant an der Spitze einreihen. Zwei Muskelfaserrisse im Bein brachten das Sommertraining der besten Schweizerin arg durcheinander. So weiss die 29-Jährige vor dem heutigen Weltcup-Auftakt im kanadischen Whistler nicht genau, wo sie steht. «Das Gefühl ist gut, die Verletzung ist auskuriert», versichert sie. «Der Start kommt langsam wieder.» Dieser ist für die St. Gallerin entscheidend, wenn sie an ihre starke letzte Saison anknüpfen will. Erstmals fuhr sie auf das Podest– und das gleich viermal. Auch bei den Grossanlässen wusste sie mit EM-Bronze in St. Moritz und einem 4. Platz an der WM in Innsbruck zu überzeugen.sda

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Die Termine der Saison 2016/2017

Weltmeisterschaften: 24. bis 26. Februar 2017 in Sotschi. Europameisterschaften: 14./15. Januar 2017 in Winterberg (GER). Weltcup: 2./3. Dezember in Whistler (CAN). – 16./17. Dezember in Lake Placid (USA). – 6./7. Januar 2017 in Altenberg (GER). – 14./15. Januar 2017 in Winterberg (GER). – 20. Januar in St. Moritz. – 27./28. Januar in Königssee (GER). – 3. Februar in Innsbruck. – 17. März in Pyeongchang (KOR).