Skeleton 10.11.2017

Ein Schritt zurück, zwei vorwärts

Startet mit neuem Elan und neuem Selbstvertrauen in die Saison: Ronald Auderset.
Die Probleme mit seinem Schlitten hat Ronald Auderset gelöst, heute startet der Freiburger Skeletonfahrer in Lake Placid (USA) in die neue Weltcup-Saison. Eine Saison, die ihren Höhepunkt in Pyeongchang haben soll.

Eigentlich hätte es die Saison von Ronald Auderset werden sollen. Alles schien angerichtet für den Freiburger Skeletonfahrer: Er hatte sich letztes Jahr einen schnelleren und wendigeren Schlitten zugelegt, trainierte mit einem neuen Trainer und wollte in seiner dritten Weltcup-Saison leistungsmässig einen Schritt vorwärts. Die Voraussetzungen, um endlich regelmässig unter die Top  15 der Weltelite zu fahren, waren ideal. Doch alles kam anders. Auderset fand nie das richtige Set-up für seinen neuen Schlitten – mal fehlte der Speed, mal die Stabilität, immer die Erfolge und zuletzt das Selbstvertrauen. Je mehr der 27-Jährige an seinem Gefährt herumschraubte, desto schlechter wurde sein Fahrgefühl. Negativer Höhepunkt der verkorksten Saison: Auderset verlor seinen Startplatz im Weltcup und verpasste die Weltmeisterschaften.

Audersets Kampf zurück

Die Rückstufung in den Europacup hatte für Auderset allerdings auch etwas Gutes: Er konnte ohne grossen Resultatedruck seine Karriere «resetten». «Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um anschliessend zwei nach vorne machen zu können», sagt der Freiburger heute.

Im Europacup konnte Auderset mehr Fahrten absolvieren und seinen Schlitten besser auf sich abstimmen. Nach Saisonende hängte der Skeletonpilot noch selbstständig eine Trainingswoche in Innsbruck (AUT), verlängerte Wochenenden in St. Moritz und ein Trainingslager in La Plagne (FRA) an und fand so sein Fahrgefühl wieder. Und mithilfe eines deutschen Technikers tüftelte er viel an seinem Schlitten, bis alles passte. «Wir haben eine neue Wanne montiert, damit ich satter auf dem Schlitten liege und hintenraus mehr Geschwindigkeit habe. Das Set-up ist jetzt gut, ich kann mich diese Saison voll auf mich und mein Fahren konzentrieren», sagt Auderset, der im August sein Studium an der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg abgeschlossen und nun auch in dieser Hinsicht einen freien Kopf hat. Seit September ist der gebürtige Mertenlacher als Profi-Skeletonfahrer unterwegs.

Olympia im Visier

Die Selbstzweifel der letzten Saison sind der Zuversicht gewichen, Auderset konnte bereits erste Erfolgserlebnisse feiern. Bei den internen Selektionsrennen von Swiss Sliding gelangen ihm zwei Siege und zwei dritte Plätze. Mit dem zweiten Rang in der Gesamtwertung hinter Riet Graf sicherte er sich einen der beiden Schweizer Weltcup-Startplätze.

Damit werden heute in Lake Placid (USA) beim Weltcup-Auftakt Graf – der Überraschungsmann der letzten Saison – und Auderset bäuchlings auf ihren Schlitten den Eiskanal hinunterrasen. Marco Rohrer, die langjährige nationale Nummer  1, muss im Europacup starten. Zumindest vorläufig. In drei Wochen, nach den ersten drei Übersee-Weltcups, nimmt der Schweizer Verband eine Neubeurteilung und allenfalls eine Neueinteilung vor. «Ich bin zuversichtlich, dass ich mich im Weltcup behaupten kann», gibt sich Auderset optimistisch. Er sagt aber auch: «Ich fahre meine vierte Saison im Weltcup. So intensiv wie dieses Jahr war der interne Dreikampf um die zwei Startplätze noch nie.»

Im Weltcup dabei zu sein ist für den Freiburger heuer besonders wichtig. Skeleton ist eine jener Randsportarten, die nur alle vier Jahre bei Olympischen Spielen kurz in den Fokus rücken – und diese Saison ist es wieder so weit. Vom 9. bis 25. Februar 2018 finden in Pyeongchang die 23. Olympischen Winterspiele statt, das grosse Ziel von Auderset. Will der 27-Jährige in Südkorea dabei sein, muss er mindestens zwei Top-16-Klassierungen und eine Top-10-Startzeit im Weltcup vorweisen können. Um diese Vorgaben zu erfüllen, muss er sich an den Rennen mindestens zweimal für den zweiten Lauf der besten  20 qualifizieren – etwas, das den Schweizer Piloten zuletzt eher selten gelungen ist und das angesichts der immer stärker werdenden Konkurrenz nicht einfacher wird.

Weltcup-Auftakt mit Hindernissen

Ob dies Auderset gelingt, hängt hauptsächlich von drei Faktoren ab: vom Schlitten, vom athletisch und technisch sehr anspruchsvollen Start und vom fahrerischen Können. Die Probleme mit dem Material sind inzwischen gelöst. Beim Start kann Auderset durchaus mit den Besten mithalten, das hat er schon des Öfteren unter Beweis gestellt. «Die geforderte Top-10-Startzeit stellt für mich im Normalfall kein Problem dar. Im Sommer habe ich viel im Athletikbereich gearbeitet und bei den ersten drei, vier Schritten deutliche Fortschritte erzielt. Dadurch bin ich beim Start noch etwas schneller geworden.»

Gut eingestelltes Material, überdurchschnittliche Fähigkeiten als Schnellstarter – wenn Auderset auch fahrerisch in der Bahn überzeugen kann, dann liegt die Olympiaqualifikation durchaus im Bereich des Möglichen. So richtig warm geworden ist der Pilot auf der technisch sehr anspruchsvollen Bahn in Lake Placid allerdings noch nicht. «Wegen des milden Wetters konnten wir nur vier Trainingsläufe absolvieren. Ich hatte etwas Mühe, mich auf die zackige Bahn einzustellen, bin aber zuversichtlich, dass es beim Rennen besser gehen wird.» Bei der Startnummernauslosung hatte Auderset allerdings wenig Glück. Er wird mit der 31 heute erst als letzter Fahrer auf die Bahn dürfen.

Nach dem Weltcup-Auftakt in Lake Placid folgen die Rennen in Park City (USA, 17./18. November) und Whistler Mountain (CAN, 24./25. November). «Das sind Bahnen, die mir von ihrem Charakter her besser zusagen», sagt Ronald Auderset. «Spätestens da will ich mein erstes Top-16-Resultat herausfahren.»

«So intensiv wie dieses Jahr war der interne Dreikampf um die zwei Weltcup-­Startplätze noch nie.»

Ronald Auderset

Skeletonfahrer

«Am Start habe ich bei den ersten drei, vier Schritten deutliche Fortschritte erzielt.»

Ronald Auderset

Skeletonfahrer