Volleyball 08.02.2018

Kurz an der Sensation geschnuppert

Die Düdingerinnen (weisse Trikots) waren gestern für Dresden ein schwer zu überwindendes Hindernis.
Der TS Volley Düdingen ist im Achtelfinal des CEV-Cup ausgeschieden. Nach dem 0:3 im Hinspiel verloren die Power Cats gestern Abend beim starken Dresdner SC 1:3, verkauften ihre Haut dabei allerdings sehr teuer.

«Es muss lauter werden hier», forderte der Stadionsprecher in der Margon-Arena von Dresden das Publikum immer wieder auf. «Wir müssen unser Team anfeuern.» Dass es in der mit 2531 Zuschauern gefüllten Halle phasenweise sehr ruhig wurde, war die «Schuld» der Power Cats. Ohne jeglichen Respekt traten sie dem grossen Favoriten gegenüber, spielten forsch und frech und sorgten bei den deutschen Fans und Spielerinnen für ratlose Gesichter. Die Services der Düdingerinnen war dermassen wuchtig und präzis, dass die Einheimischen gar nie richtig nie ins Spiel fanden. Insbesondere Ines Granvorka brachte den Gegner mit ihren Aufschlägen immer wieder in Verlegenheit. Sie war es denn auch, die beim Stand von 11:11 mit einer Fünf-Punkte-Servicereihe dafür sorgte, dass sich ihr Team entscheidend absetzte. Und wenn Dresden dann doch einmal einen Angriff zustande brachte, war da immer wieder der Düdinger Block, der wie eine Mauer am Netz emporragte und den Ball ins gegnerische Feld zurückspickte. Nach dem 25:23-Satzsieg der Power Cats war auch dem letzten deutschen Fan klar, dass es für seine Lieblinge kein Spaziergang werden würde, wie es nach dem klaren 3:0-Sieg im Hinspiel den Anschein machen konnte.

Jeder kleinste Fehler bestraft

Auch im zweiten Satz legte Düdingen vor, was Dresdens Cheftrainer Alexander Waibl beim Stand von 9:10 veranlasste, seine Passeuse Mareen Apitz – immerhin fünffache MVP der Bundesliga – durch die zweite Zuspielerin Madison Bugg zu ersetzen. Diese Massnahme zeigte Wirkung. Die Deutschen fanden nun besser ins Spiel, auch weil Düdingen beim Service nicht mehr so druckvoll war, und glichen mit 25:20 aus.

Davon liessen sich die Power Cats aber nicht entmutigen, sie übernahmen wieder den Lead und gingen 11:7 in Führung. Zuweilen agierten sie allerdings zu ungeduldig, suchten überhastet den Punkt. Mitte des dritten Satzes zeichnete sich ab, dass Düdingen sein unglaubliches Level vom ersten Satz nicht würde über das ganze Spiel halten können. Eine kleine Unsicherheit in der Annahme, ein Smash knapp ins Out, ein nicht ganz optimal positionierter Block – jeder noch so kleine Fehler wurde von den Dresdnerinnen erbarmungslos ausgenutzt. Sie gewannen schliesslich mit 25:18 und standen als Sieger des Achtelfinalduells fest.

Den Düdingerinnen stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, versteinert sassen sie in der Pause auf ihrer Bank. Regungslos liessen sie anfangs auch den vierten Satz über sich ergehen. Erst als sie mit 8:18 in Rückstand lagen, fingen sie sich wieder. Das war natürlich zu spät, um den Satz noch zu drehen. Aber immerhin konnten sie noch einige Glanzpunkte setzten und Punkte aufholen (22:25).

Erfolgreiche Kampagne

Trotz der beiden Niederlagen gegen Dresden kann Düdingen ein positives Fazit ziehen aus seiner Europacup-Kampagne – der dritten seit dem Aufstieg in die NLA vor zehn Jahren. Besonders erfreulich dabei: Die Power Cats vermochten erneut einen Schritt vorwärtszumachen. Im Jahr 2014, als sie ihr internationales Debüt gaben, spielten sie im Challenge Cup, dem dritthöchsten europäischen Wettbewerb. Zwei Jahre später konnten sie sich eine Stufe höher im CEV-Cup präsentieren, wo sie gegen Béziers (FRA) in der ersten Runde ausschieden. Und heuer gelang ihnen eine weitere Steigerung, indem sie im erstmals im CEV-Cup eine Runde überstanden und dank des Sieges gegen Kfar Saba (ISR) ins Achtelfinal einzogen.

Dass sie dort gegen den Dresdner SC den Kürzeren zogen, entspricht der Logik. Das Budget der Ostdeutschen (1,85 Millionen Franken) ist rund viermal so hoch wie jenes von Düdingen. Dresden führt zurzeit die Bundesliga an – und wie stark die deutsche Liga im internationalen Vergleich einzuschätzen ist, zeigt die Tatsache, dass sich gestern Abend mit MTV Stuttgart und Palmberg Schwerin zwei weitere deutsche Teams für den Viertelfinal des CEV-Cup qualifiziert haben. Vom gestrigen Gegner gab es für die Power Cats jedenfalls ein dickes Lob für seine Leistungen im Europacup. «Dass es ein so kleiner Verein wie Düdingen in den Achtelfinal schafft, ist aussergewöhnlich und verdient grösste Anerkennung», sagte das Dresdner Clubmanagement schon am Tag vor dem Rückspiel.

Platz vier muss es sein

Nicht nur sportlich war die dritte Europacup-Kampagne für Düdingen ein Erfolg, auch finanziell lief es besser als erwartet. Dank den Einnahmen aus dem Crowdfunding und den Side-Events, die Düdingen bei seinen beiden Heimspielen gegen Kfar Saba und Dresden organisiert hat, konnte die Rechnung ausgeglichen gestaltet werden.

Ob die Power Cats auch nächste Saison wieder im Europacup vertreten sind, hängt nicht zuletzt von seinem Abschneiden in der diesjährigen NLA-Meisterschaft ab. Die Anzahl teilnahmeberechtigter Schweizer Teams wird nach dem internationalen CEV-Ranking berechnet, das die erreichten Resultate im Europacup berücksichtigt. In den vergangenen Jahren konnten jeweils fünf Schweizer Frauen-Teams in einem europäischen Wettbewerb mitmachen (2x Champions League, 2x CEV-Cup, 1x Challenge Cup) und es ist davon auszugehen, dass dies auch nächste Saison der Fall sein wird. Definitiv entschieden wird dies aber kaum vor Ende Mai, wenn alle Rahmenbedingungen geklärt sind.

Für Düdingen bedeutet dies, dass sie Ende Saison in den Top  4 klassiert sein müssen, um auch nächstes Jahr wieder im CEV-Cup dabei sein zu können. Champions League liegt für Düdingen aus finanziellen Gründen nicht drin. Aktuell liegen die Power Cats in der Meisterschaft auf Platz drei –wenn sie weiterhin so spielen wie gestern in Dresden, dann werden sie diesen auch Ende Saison innehaben. Mindestens.

Telegramm

Dresden - Düdingen 3:1 (23:25, 25:20, 25:18, 25:22)

Margon Arena, Dresden. – 2531 Zuschauer. – SR: Suciu (ROM)/Papageorgiou (GRI).

Dresdner SC: Mrdak, Apitz, Jasper, Planinsec, Korhonen, Schwabe, Petter (Libera); Bugg, Wezorke.

TS Volley Düdingen: Granvorka, Becker, Harbin, Felinski, Deprati (Libera), Marbach, Moffett; Widmer, Gfeller, Marx.

Hinspiel: Düdingen - Dresden 0:3.