Volleyball 29.06.2017

«Ich habe ein gutes Gefühl»

«Ich bin ein Tessiner, also sicher ziemlich emotional»: Dario Bettello.
Seit gut zwei Monaten ist Dario Bettello Trainer des TS Volley Düdingen. Im Interview erzählt der 48-Jährige von seinen ersten Eindrücken und Zielen mit den Power Cats – und weshalb er nicht für das Volley lebt.

Seit gut zwei Monaten arbeitet Dario Bettello als neuer Trainer des TS Volley Düdingen. Der 48-Jährige soll dafür sorgen, dass die Power Cats an die Erfolge der letzten Jahre unter Nicki Neubauer anknüpfen können.

Das Rüstzeug, um die grossen Fussstapfen seines Vorgängers ausfüllen zu können, bringt Bettello zweifellos mit. Seit Jahren ist der Tessiner im Schweizer Volleyball eine feste Grösse, er traininerte unter anderem von 2012 bis 2016 die Männernationalmannschaft. Gleichzeitig war er Headcoach von Volley Amriswil, mit dem er den Cup gewann und mehrmals Vize-Schweizermeister wurde. Letzte Saison war Bettello beim NLA-Frauenteam Top Volley engagiert, ehe er für drei Saisons zu Düdingen wechselte.

Dario Bettello, von der Grossstadt Luzern ins beschauliche Düdingen – haben Sie den Kulturschock gut überstanden?

Sehr gut, Freiburg ist ja nicht weit, wenn ich etwas brauche oder mal das Bedürfnis nach Stadtluft habe (lacht). Mir gefällt es gut in Düdingen. Der Verein unternimmt alles, damit ich mich so rasch als möglich wie zu Hause fühle. In Düdingen wohne ich in einem Appartement in der Turnhalle, in der wir trainieren. Das ist für mich eine etwas spezielle Premiere, bis jetzt sehe ich darin aber nur Vorteile. Wenn es etwas zu diskutieren gibt, können wir dies sofort in meiner Wohnung machen und müssen uns nicht erst einen ruhigen Ort suchen. Ob ich diese räumliche Nähe auch in sechs Monaten noch gut finde, wird sich zeigen.

Was ist der grösste Unterschied zwischen dem Verein in Düdingen und ihrem letzten Arbeitgeber?

Die Anzahl Leute, die in Düdingen mitarbeiten, um das Team zu führen, ist beeindruckend. Letzte Woche hatte ich eine Sitzung mit unserem Medical-Staff, allein da waren sechs Personen anwesend. In Luzern hatte der Vorstand wenig Erfahrung. In Düdingen spürst du, dass die Leute wissen, was sie machen. Man kann nicht sagen, dass hier professioneller gearbeitet wird, schliesslich sind keine Profis am Werk. Aber man fühlt sich in einem professionellen Umfeld dank der Arbeit der zahlreichen Helfer, die sich in ihrer Freizeit mit viel Leidenschaft und Herzblut engagieren.

Sie hatten inzwischen knapp zwei Monate Zeit, Ihr Team kennenzulernen. Ihre Eindrücke?

Die ausländischen Spielerinnen stossen erst Mitte August zum Team, von den Schweizerinnen konnte ich mir aber schon einige Eindrücke machen. Ich bin sehr zufrieden. Wir konnten es organisieren, dass nicht nur die NLA-Volleyballerinnen an den Trainings waren, sondern auch die Spielerinnen unseres NLB-Partnerteams VBC Freiburg und jene des Düdinger 1.-Liga-Teams. So konnte ich alle kennenzulernen und auch Gespräche bezüglich der künftigen Zusammenarbeit führen.

Die Zusammenarbeit mit dem VBC Freiburg wird also auch unter Ihnen weitergeführt?

Natürlich, Freiburg ist ein sehr wichtiger Partner für uns. Eine Zusammenarbeit zwischen Vereinen ist eigentlich immer eine gute Sache, sie birgt aber auch Risiken. Wenn die Erwartungen der einzelnen Partner nicht übereinstimmen, sind Probleme vorprogrammiert. Es ist wichtig, dass alle die gleichen Ziele verfolgen. Florian Steingruber (technischer Leiter VBC Freiburg, Red.) hat mir in einem Gespräch die volle Unterstützung seines Vereins zugesichert. Bezüglich Zusammenarbeit hat der VBC Freiburg eine perfekte Einstellung.

Erstmals seit Jahren stehen nur vier ausländische Spielerinnen im Kader der Power Cats. War das ein bewusster Entscheid?

Der Verein verfolgt für die kommende Saison zwei Hauptziele: Erstens streben wir sportlich einen Platz in der vorderern Tabellenhälfte an. Zweitens wollen wir vermehrt junge Spielerinnen integrieren. Als Konsequenz daraus treten wir mit nur vier Ausländerinnen an. Die Schweizer Spielerinnen erhalten mehr Verantwortung.

Sportlich erfolgreich sein und gleichzeitig junge Spielerinnen integrieren – diese Aufgabe stellt für jeden Trainer eine grosse Herausforderung dar ...

Meine Aufgabe als Trainer ist es, diesen Spagat zu schaffen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass dies gelingt. Wir haben einige sehr talentierte Nachwuchsspielerinnen im Kader, die den Willen haben, sich für die NLA aufzudrängen. Ihren Platz auf dem Feld werden sie sich verdienen müssen, so wie alle anderen Spielerinnen auch. Es werden aber alle die Chance erhalten, sich zu beweisen.

Anders als im Vorjahr, als Nicki Neubauer quasi mit einem unveränderten Team in die Saison starten konnte, hat es diesen Sommer viele Wechsel gegeben. Hätten Sie sich etwas mehr Konstanz im Team gewünscht?

Bei den Ausländerinnen hatten wir tatsächlich einige Wechsel, mit Sabel Moffett konnten wir aber eine wichtige Spielerin halten. Es gibt verschiedene Gründe, warum es Wechsel gab: Entweder konnten sich die Spielerinnen mit den neuen Zielen des Vereins nicht identifizieren, oder sie haben anderswo einen besser dotierten Vertrag erhalten, oder wir haben Änderungen angestrebt. Die Schweizer Spielerinnen waren fast alle bereit, den Weg mit Düdingen weiterzugehen. Da haben wir seit Jahren Konstanz. Einige sind schon seit fünf Jahren dabei und stellen sich jetzt der neuen Herausforderung mit anderem Trainer und anderen Gegebenheiten.

Ist Ihr Team bereits komplett oder suchen Sie noch eine Verstärkung?

Gerne würden wir noch eine Schweizer Mittelblockerin engagieren. Aktuell absolviert jemand bei uns Probetrainings, eventuell kommt es noch diese Woche zu einer Vertragsunterzeichnung. Mit dem Team bin ich aber bereits jetzt sehr zufrieden, ich habe ein gutes Gefühl. Wir haben eine gute Mischung von Erfahrung und Jugend im Team. Zudem haben wir fast alle Positionen doppelt besetzt. Wie gut der Konkurrenzkampf tatsächlich funktionieren wird, sehen wir allerdings erst, wenn dann auch die Ausländerinnen zum Team stossen und wir sie in Aktion erleben.

Wie wird sich das Team unter Dario Belletto auf dem Feld präsentieren?

Tendenziell soll das Team noch etwas schneller spielen als in den Vorjahren. Ich werde auch versuchen, mehr taktische und spielerische Varianten hineinzubringen.

Vorerst steht aber die Sommerpause an.

Genau. Nächste Woche ist noch Training, dann folgen sechs Wochen Pause. In dieser Zeit werden die Spielerinnen allerdings nicht auf der faulen Haut liegen. Unser Konditionstrainer Bruno Knutti hat für alle ein individuelles Sommertrainingsprogramm zusammengestellt. In den letzten zwei Monaten haben die Spielerinnen physisch hart traininert und eine sehr gute Basis gelegt. Dieses Level möchten wir gerne über die Sommerpause retten. Mitte August beginnt dann das Balltraining, Ende August stossen die Ausländerinnen zum Team. Ab September werden wird dann komplett sein und uns für den Saisonstart am 14. Oktober in Form bringen.

Wie werden Sie persönlich den Sommer verbringen?

Ich werde in Magglingen einige Trainerkurse geben, dann stehen zwei Trainingscamps für junge Volleyballerinnen und Volleyballer im Thurgau und im Wallis auf dem Programm. In Zusammenarbeit mit Suisse Volley versuchen wir, unseren Sport auch in Regionen zu tragen, wo er noch nicht so populär ist.

Viel Zeit für Erholung bleibt da nicht mehr.

Doch, doch, ich werde auch drei Wochen Ferien haben. Das ist mir wichtig. Man bekommt in vielen Sportarten immer wieder von Trainern oder Spielern zu hören, dass sie für ihren Sport leben. Ich finde das nicht gut. Das Leben abseits des Sports – als Vater, Musiker oder Nachbar – bietet einem sehr viele wertvolle Erfahrungen, die einem auch als Trainer weiterhelfen.

«Das Leben abseits des Sports – als Vater, Musiker oder Nachbar – bietet wertvolle Erfahrungen, die einem auch als Trainer weiterhelfen.»

Dario Bettello

Trainer TS Volley Düdingen

«Wir haben einige sehr talentierte Nachwuchsspielerinnen im Kader, die den Willen und die Qualität haben, sich in der NLA aufzudrängen.»

Dario Bettello

Trainer TS Volley Düdingen

Zur Person

Dario Bettello

Geburtsdatum: 12. Oktober 1968

Geburtsort: Affoltern ZH

Aufgewachsen: Genestrerio TI

Grösse: 185 cm

Verein: TS Volley Düdingen

Andere Vereine: Morbio, Chiasso, Bellinzona, Pallavolo Lugano, Amriswil, Top Luzern (Frauen)

Schweizer Nationalteams Junioren und Elite Männer

Grösster Erfolg: Schweizermeister 2010 und Cupsieger 2012 mit Amriswil, Aufstieg mit Pallavolo Lugano von der 2. Liga bis in die NLA

Trainer-Idol: Julio Velasco (Arg) und Carl McGown (USA)

Motto: «Hard work beats talent when talent fails to work hard» (Kevin Durant)

Hobbys: Reisen, Kochen, Musik

Lieblingsreiseziel: «generell andere Kulturen entdecken und verstehen»

Lieblingsessen: «italienische Spezialitäten mit einem Glas Rotwein»

Lieblingsmusik: «nostalgische Sachen wie Dire Straits, Bruce Springsteen und Eric Clapton»