Volleyball 11.01.2018

Happy End in letzter Sekunde

Der TS Volley Düdingen steht im Achtelfinal des europäischen CEV-Cup. Die Power Cats besiegten das israelische Team Hapoel Kfar Saba im Golden Set mit 15:13, nachdem sie lange wie die Verlierer ausgesehen hatten.

Alfred Hitchcock, der Meister des Suspense, hätte am gestrigen Spiel zwischen Hapoel Kfar Saba und dem TS Volley Düdingen seine wahre Freude gehabt. Die beiden Teams boten ein Finale, das an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten war. Nachdem die Power Cats die ersten drei Sätze verloren hatten und wie die klaren Verlierer aussahen, gelang ihnen im Golden Set die unglaubliche Wende. Endlich konnten sie jene Leistung abrufen, die sie vorher drei Sätze lang schmerzlich hatten vermissen lassen. Im Schlussspurt setzten sich die Power Cats 15:13 durch – hauchdünn, glückhaft und in grösstem Freudentaumel.

Probleme in der Annahme

Mit einem 3:1-Sieg in Freiburg hatte sich Düdingen vor vier Wochen eine komfortable Ausgangslage für das Rückspiel in Israel geschaffen. Die Power Cats hatten Kfar Saba dermassen dominiert – was sollte da noch schief gehen? Doch Hapoel präsentierte sich gestern vor eigenem Anhang wesentlich bissiger und deutlich stärker als im Hinspiel. Die Israelinnen war nicht gewillt, sich erneut so widerstandslos abschlachten zu lassen. Und weil Düdingen seine Nervosität nie ganz abstreifen konnte und teilweise einen müden Eindruck hinterliess, wurde aus dem vermeintlichen Showlaufen in Kfar Safa ein regelrechter Spiessrutenlauf.

Hatten die Israelinnen beim Hinspiel in der Annahme und in der Defensive eklatante Schwächen offenbart, so waren es die Power Cats, die gestern Mühe mit den Service des Gegners hatten. Zu ungenau gerieten ihre Abnahmen, so dass sie im ersten Satz nie richtig ihr Spiel aufziehen und ihre gefährlichen Angriffe lancieren konnten. Einzig Danielle Harbin vermochte sich offensiv etwas in Szene zu setzen, das reichte aber nicht, um die entfesselten Gastgeberinnen aufzuhalten. Mit zahlreichen Finten, die zu Punkten führten, drückte Hapoel den Gästen ihr Spiel auf. 0:4, 10:16 und 20:25 – der erste Satz lief an Düdingen vorbei.

«Gezittert, gebangt, gelitten»

Nicht viel besser lief es nach dem Seitenwechsel. Die Einheimischen waren wacher und konsequenter im Angriff; die Power Cats fehleranfällig und ohne Rhythmus. «Wenn es uns einmal gelang, den Punkterückstand etwas zu verkürzen, haben wir uns mit dummen Fehlern wieder selber den Wind aus den Segeln genommen», haderte Düdingens Präsident Christian Marbach nach dem Spiel. So ging auch der zweite Satz mit 21:25 verloren.

Auch im dritten Durchgang fanden die Gäste nicht zu ihrem gewohnten Rendement und zogen mit 22:25 den Kürzeren. Damit stand es 3:0 für Kfar Saba, beide Teams hatten drei Punkte auf dem Konto und der Golden Set musste die Entscheidung bringen. Im finalen Satz konnte Düdingen erstmals in diesem Spiel in Führung gehen, wurde dann aber doch wieder eingeholt. Hapoel zeigte aber erstmals Nerven und leistete sich in den entscheidenden Momenten fatale Eigenfehler. Ganz anders Düdingen: «Plötzlich lief es wie geschmiert, keine Ahnung, warum», sagte Marbach. «Wir machten keine Servicefehler mehr, schlugen die Bälle ins gegnerische Feld anstatt ins Out und spielten endlich so, wie wir es eigentlich wollten.» Mit einem Servicewinner zum 15:13 entschieden die Power Cats die Partie schliesslich zu ihren Gunsten. «Es war ein hartes Stück Arbeit. Wir haben gezittert, gebangt und gelitten und dank Nervenstärke und Glück den Golden Set gewonnen», freute sich Christian Marbach. «Auch wenn wir heute keine gute Leistung gezeigt haben, so sind wir über beide Spiele gesehen verdient eine Runde weiter.»

Attraktiver Achtelfinalgegner

Mit dem Einzug in den Achtelfinal des CEV-Cup ist Düdingen ein Exploit gelungen, den noch nicht allzu viele Schweizer Frauen-Teams geschafft haben. In den letzten zehn Jahren haben nur Köniz, Neuenburg und Kanti Schaffhausen auf zweithöchster europäischer Stufe den Sprung unter die besten 16 geschafft – obwohl die Schweiz in europäischen Wettbewerben traditionell sehr gut vertreten ist.

Zur Einstimmung:

In der nächsten Runde treffen die Power Cats auf den Dresdner SC – das Hinspiel findet am 24. Januar in Freiburg statt. Die Ostdeutschen sind ein echtes Schwergewicht der Bundesliga, sind Tabellenleader und Cup-Finalist. Durchschnittlich 2500 Zuschauer säumen ihre Matches. Mit zwei glatten 3:0-Siegen gegen Pays d’Aix Venelles, die aktuelle Nummer vier in Frankreich, hat sich Dresden souverän für den Achtelfinal qualifiziert. «Dresden ist ein echtes Spitzenteam. Spiele gegen solche Topmannschaften sind ein Traum für jede Volleyballspielerin», zeigte sich Düdingens Trainer Dario Bettello vorfreudig. «Natürlich sind wir krasser Aussenseiter. Wir werden aber wertvolle Erfahrungen machen können, die uns alle weiterbringen.»

Keine Zeit zum Ausruhen

Viel Zeit zum Feiern ihrer Achtelfinalqualifikation und zum Erholen von den Strapazen bleibt den Power Cats nicht. Bereits heute Morgen um 8 Uhr geht es für sie wieder los mit dem Transfer zum Flughafen und dem anschliessenden Rückflug nach Genf. Morgen Freitag stehen am Mittag und am Abend die nächsten Trainingseinheiten auf dem Programm, am Samstagmittag eine weitere. Da gilt es für die Düdingerinnen das Meisterschaftsspiel gegen Volero Zürich (Samstag 19 Uhr) vorzubereiten. Die Partie beim aktuellen NLA-Leader ist für Dario Bettello und sein Team bereits das vierte Spiel innerhalb von acht Tagen. «Das ist ein happiges Programm. Es wird sich zeigen, ob unsere Europacup-Euphorie zusätzliche Kräfte frei machen kann.»

Zusätzliche Energien könnten die Power Cats gut gebrauchen, denn mit Volero haben sie noch eine Rechnung offen. Die Zürcherinnen haben Düdingen am vergangenen Sonntag mit einem 3:0 im Achtelfinal aus dem Schweizer Cup geworfen. Der Traum vom Cupfinal in Freiburg ist für Düdingen dadurch unerwartet früh geplatzt. Dafür geht das Abenteuer im Europacup weiter.

Telegramm

Kfar Saba – Düdingen 3:0 (25:20, 25:21, 25:22) – 13:15.

Kfar Saba, Green Hall. – 400 Zuschauer. –  SR: Vanya Parvanova (BUL), Carel Zuidberg (LUX).

Hapoel Kfar Saba: Galperina, Nakamura, Correa, Velikiy, Correga, Waremshtein, Erez (Libera).

TS Volley Düdingen: Marbach, Moffett, Felinski, Becker, Granvorka, Harbin, Deprati (Libera); Gfeller, Widmer.

Bemerkungen: Hinspiel: Düdingen - Kfar Saba 3:1.