Volleyball 24.03.2017

Es kommt auch auf die zweite Garde an

Ob im Training oder für die positive Stimmung während dem Spiel, der Support von Anna Niederhauser (Nr. 5) ist wichtig.
Eine positive Teamstimmung ist im Volleyball vielleicht noch wichtiger als in anderen Sportarten. Eine zentrale Rolle kommt dabei den Auswechselspielerinnen, wie Anna Niederhauser beim TS Volley Düdingen eine ist, zu.

Der TS Volley Düdingen lebt nicht nur von den Angriffspunkten einer Chantale Riddle oder Tamara Ignjic, von den Rettungsaktionen der Libera Johana Edberg oder den genauen Zuspielen Kristel Marbachs. Zum intakten Teamgefüge gehören auch die Spielerinnen aus der zweiten Reihe. Spielerinnen wie Anna Nieder­hauser. Obwohl die 21-jährige Aussenangreiferin meistens nur zu Kurzeinsätzen kommt, ist sie ein wichtiges Puzzleteil im Düdinger Team. «Als eine der Einwechselspielerinnen versuche ich, meine Teamkolleginnen so gut es geht zu unterstützen. Sei es, indem ich am Spielfeldrand Stimmung mache, sei es bei den Einsätzen, indem ich mit einem guten Service oder einer guten Annahme einen positiven Input einbringe.» Aber nicht nur während den Spielen kommt Niederhauser und der zweiten Garde eine nicht zu unterschätzende Rolle zu. «Wenn wir im Training spezifische Dinge einüben, imitieren wir das gegnerische Team. Wir probieren dabei, alles rauszuholen, um die Stammspielerinnen so gut wie möglich vorzubereiten», erklärt Niederhauser.

Keine Frustration

Die gebürtige Emmentalerin aus Langnau macht kein Geheimnis daraus, dass sie gerne mehr Einsatzzeit hätte. «Das ist keine Frage, schliesslich spielt jede gerne. Aber ich sehe das Ganze realistisch.» Für sie sei von Anfang an klar gewesen, dass sie nicht zum Stamm gehören werde. «Ich wusste, dass die Ausländerinnen, die über mehr Erfahrung verfügen, gesetzt sind. Deshalb versuche ich, das Beste daraus zu machen, wenn ich auf dem Feld stehen kann.» Frustriert sei sie aufgrund ihrer Rolle ­keineswegs.

Eine Umstellung war es aber gleichwohl. Nach zwei Saisons in Düdingen hatte Nie­der­hau­ser im letzten Jahr ihre Zelte in den USA aufgeschlagen. Mit einem Stipendium in der Tasche begann sie in Louisiana ein Biologiestudium und spielte im Team der Nicholls State University. «In den USA sind die Strukturen perfekt, Studium und Sport sind perfekt aufeinander abgestimmt.» Nie­der­hau­ser konnte in der College-Meisterschaft als Stammspielerin Erfahrungen sammeln und viel Verantwortung übernehmen. Obwohl sie sich vorstellen konnte, vier Jahre in Übersee zu studieren, blieb es letztlich bei einem Zwischenjahr.

Ziel: «Am Sonntag freihaben»

Zurück in der Schweiz nahm sie an der Universität Bern das Studium in Humanmedizin auf – etwas, was in den USA nicht möglich gewesen war. Die Vereinbarkeit zwischen Ausbildung und Volleyball ist hierzulande jedoch ungleich schwieriger, wie Niederhauser sagt. «Die Belastung ist viel grösser, ich kann nicht an allen Trainings teilnehmen.» Deshalb sei klar, dass sie sich demnächst neu organisieren müsse. Ihre Zukunft beim TS Volley Düdingen ist infrage gestellt. «Ich habe noch keinen Entschluss gefasst, wie es für mich weitergehen wird.» Keine Rolle spiele dabei, dass sie nicht Stammspielerin sei. Dies ändere an der Entscheidungsfindung nichts.

Vorerst steht für Nie­der­hau­ser sowieso der Playoff-Viertelfinal gegen Neuenburg im Vordergrund. Am letzten Sonntag konnten die Düdingerinnen das Heimspiel der Best-of-3-Serie knapp im Tiebreak gewinnen. «Dass wir die Partie am Schluss drehen konnten, tat der Moral sehr gut.» Sollte Düdingen den Sack am Samstag nicht zumachen können, würde tags darauf – wiederum in Neuenburg – eine Belle folgen. «Unser Ziel ist ganz klar: Wir wollen den zweiten Sieg schon am Samstag holen. Klar hätten wir theoretisch eine zweite Chance, aber wir alle wollen den Sonntag freihaben», sagt sie schmunzelnd. Das Potenzial, um in Neuenburg zu gewinnen, habe ihre Equipe allemal, so Niederhauser. «Volero einmal ausgenommen, können wir überall gewinnen.» Um dies morgen zu schaffen, müsse die Fehlerquote reduziert werden, insbesondere beim Service. «Wir müssen die Balance finden. Es ist wichtig, beim Aufschlag Druck zu machen. Aber wir dürfen Neuenburg gleichzeitig mit Fehlern nicht zu viele Punkte schenken.»

Playoff-Viertelfinal gegen Neuenburg

Der TS Volley Düdingen hat morgen den ersten Matchball

In der Best-of-3-Serie der Playoff-Viertelfinals gegen Neuenburg legte Düdingen am letzten Sonntag zu Hause mit dem 3:2-Sieg im Tiebreak vor. Der Modus sieht vor, dass Spiel zwei der Serie und die allfällige Belle beim besser klassierten Team der Qualifikation ausgetragen werden. Düdingen braucht also einen Sieg in Neuenburg. Entweder morgen (17.30 Uhr) oder im Fall einer Niederlage im entscheidenden Spiel vom Sonntag (17.30 Uhr). Der Sieger der Serie wird im Halbfinale auf Volero Zürich treffen.

Für Neuenburg-Trainer Silvan Zindel ist klar, dass sich sein Team insbesondere im Angriff steigern muss. «Gegen die gute Defensive und den Block von Düdingen haben wir in Spiel eins immer mehr an Effizienz verloren. Zudem verloren wir das Selbstvertrauen. Es wirkt sich auf die Moral aus, wenn es so schwierig ist, zu punkten», sagte Zindel nach dem verlorenen ersten Spiel. Trotz dem Siegesdruck ist er überzeugt, dass die Chancen seines Teams gut stehen. «Ich denke nicht, dass Düdingen viel besser spielen kann als am Sonntag. Wir hingegen konnten nicht überzeugen, und dennoch war es eng. Das gibt viel Hoffnung.»

Mit Selbstvertrauen kann aber auch Düdingen Spiel zwei in Angriff nehmen. «Mit dem Startsieg im Rücken ist es unsere Aufgabe, Neuenburg unter Druck zu setzen und zu stressen. Ich bin überzeugt, dass es ein ähnlich knappes Spiel wie am Sonntag geben wird», sagt Trainer Nicki Neubauer. Es werde zwar nicht leichter als zu Hause, aber auswärts spielen zu müssen, sei kein grosses Problem. «Wir fühlen uns in der Halle in Neuenburg wohl.»

fs