Volleyball 09.03.2017

Düdingen holt erfahrenen Trainer

«Ziemlich emotional»: Dario Bettello 2013 als Trainer von Amriswil.
Der TS Volley Düdingen hat für die kommenden drei Jahre Dario Bettello verpflichtet. Der 49-Jährige ist derzeit Trainer beim NLA-Schlusslicht Luzern. Mit Männerteams hat der Tessiner deutlich erfolgreichere Zeiten durchlebt.

Nach dieser Saison geht beim NLA-Frauenteam des TS Volley Düdingen eine erfolgreiche Ära zu Ende: Nicki Neubauer, seit fünf Jahren Trainer im Sensebezirk, wechselt zu Kanti Schaffhausen. Neubauer kam 2012 als junger, relativ unerfahrener Trainer zu Düdingen. Für seine Nachfolge hat der Club nun einen ganz anderen Ansatz gewählt. Neubauers Nachfolger Dario Bettello ist im Schweizer Volleyball eine feste Grösse. Von 2012 bis 2016 war er Trainer der Schweizer Männernationalmannschaft und gleichzeitig Headcoach von Volley Amriswil, mit dem er den Cup gewann und mehrmals Vize-Schweizermeister wurde. Zuvor trainierte Bettello neun Jahre lang Pallavolo Luzern, in dieser Zeit führte er die Equipe von der 2. Liga in die Nationalliga A.

Weniger Erfahrung mit Frauenteams

Nach 15 Jahren im Männervolley übernahm er auf diese Saison hin schliesslich das NLA-Frauenteam von Volley Top Luzern – mit weniger Erfolg. Die Zentralschweizerinnen stehen auf dem letzten Rang. Ende Saison zieht sich das Team, in erster Linie aus finanziellen Gründen, freiwillig aus der NLA zurück. «Geplant war, dass wir in einem Zweijahreszyklus denken», sagt Bettello. «Wir haben viele Juniorinnen im Team, es war deshalb klar, dass das erste Jahr sehr schwierig wird. Im zweiten sollte es dann besser werden.» Ein zweites Jahr gibt es aber nicht. Vor Kurzem teilte der Club Bettello und seinen Spielerinnen mit, es gebe für das Frauenteam keine Zukunft in der NLA. So wurde der weiterlaufende Vertrag des Trainers hinfällig. «Es war mein Glück, dass zum gleichen Zeitpunkt bekannt wurde, dass Nicki Neubauer Düdingen verlässt», sagt Dario Bettello.

So übernimmt er nun mit dem TS Volley Düdingen wieder ein Frauenteam. Ist es etwas anderes, Frauen zu coachen als Männer? «Es macht natürlich schon einen Unterschied. Wenn man mit drei Männern am Tisch sitzt, redet man auch nicht gleich, wie wenn man mit drei Frauen am Tisch ist. Die Kommunikation ist ein wenig anders, die Spielweise ebenfalls.» Sorgen macht sich der erfahrene Trainer von Männerteams vor seinem Engagement in Düdingen allerdings dennoch keine. «Natürlich habe ich Respekt vor der Aufgabe. Aber ich freue mich auf die Herausforderung. Die Suche nach einer neuen Herausforderung war auch der Grund, warum ich nach 15 Jahren im Männervolleyball zu den Frauen gewechselt war.»

Über ein Dutzend Bewerbungen

Christian Marbach, Präsident des TS Volley Düdingen, ist überzeugt, in der Person von Bettello den richtigen Trainer gefunden zu haben. «Wir hatten über ein Dutzend Bewerbungen, darunter auch von Profitrainern aus dem Ausland. Aber Dario Bettello ist die Person, die zu hundert Prozent dem Anforderungsprofil entspricht.» Ihm wird zugetraut, den Spagat zu schaffen zwischen dem Anspruch, Düdingen in der oberen Tabellenhälfte der NLA zu etablieren und gleichzeitig junge Schweizer Talente zu fördern. Tatsächlich bringt Bettello auch in Sachen Nachwuchsarbeit einen gut gefüllten Rucksack mit: Der 49-Jährige war Gründer und Leiter der Talentschool Amriswil, langjähriger Nachwuchstrainer im Tessin und ist seit zehn Jahren J&S-Experte.

Wie würde Bettello, der nebst italienisch auch sehr gut Deutsch, Französisch und Englisch spricht, sich selbst als Trainer beschreiben? «Ich bin ein Tessiner, also sicher ziemlich emotional. Aber ich bin vor allem auch jemand, der immer versucht, auf das Individuum zu schauen.»

Am Samstag in Düdingen

Der Zufall will es, dass er mit Luzern am Samstag in Düdingen zu Gast ist. Über die Region wisse er nicht viel. «Aber den Club kenne ich natürlich schon ein wenig. Und ich finde es bemerkenswert, wie sich Düdingen in den letzten fünf, sechs Jahren dank grossem Wille zur Kontinuität weiterentwickelt hat. Das hat mich definitiv überzeugt.»

Die Region wird er bald schon ebenfalls besser kennenlernen, denn sein Traineramt in Düdingen beginnt er im Mai. Dann wird er auch die Wohnung von Nicki Neubauer übernehmen – und vielleicht die nächste erfolgreiche Ära des Clubs einläuten.

«Wenn man mit drei Männern am Tisch sitzt, redet man auch nicht gleich, wie wenn man mit drei Frauen am Tisch ist.»

Dario Bettello

zukünftiger Düdingen-Trainer