Kerzers 17.07.2017

«Wir konnten hier ein Wahnsinnsfest feiern»

Das Südwestschweizer Schwingfest war nicht nur ein sportlicher Anlass, auf dem Festgelände in Kerzers trafen sich auch viele Schwingfans wie auch Nicht-Schwinger zu einem Stelldichein. Die Verantwortlichen zeigen sich in einer ersten Reaktion glücklich, dass alles so erfolgreich abgelaufen ist.

Schwingfans sind Frühaufsteher. Schon deutlich vor acht Uhr sind die Ränge in den Tribünen schon gut gefüllt. Als die ersten Schwinger gestern in den Sägemehlring steigen, schauen ihnen schon Hunderte gebannt zu. Auf vier Plätzen stellen sich die Crême de la Crême der Westschweizer Aktivschwinger und ihre Gäste zum Kampf. Erstmals findet im Seebezirk ein Südwestschweizer Schwingfest statt – und die Schul- und Sportanlage Schmittengässli in Kerzers ist der Schauplatz des Grossanlasses.

Berndeutsch, Senslerdeutsch und ganz viel Französisch – das Schwingfest ist ein mehrsprachiges Stelldichein der Schwingerfamilie. Schon früh am Morgen sieht man den Präsidenten des Organisationskomitees (OK), Daniel Brandt, in der traditionellen schwarzen Weste im Eingangsbereich Hände schütteln. Und er strahlt, sein Team hat das Fest in den letzten Monaten intensiv vorbereitet, es gibt keinen Grund zur Sorge. Schwinger, ihre Angehörigen und viele Schaulustige aus der Region strömen auf den Festplatz mit seinen drei Tribünen. Viele Zuschauer scheinen eifrige Schwingfestgänger zu sein, was sich an den unterschiedlichen Sponsorenmützen erkennen lässt, die an diesen Anlässen in grosser Menge unter die Leute gebracht werden. Fahnenschwinger und Jodlergruppen unterhalten das Publikum innerhalb und ausserhalb der Arena.

Gottes Kampf mit Jakob

Nach dem zweiten Gang sorgt der Kerzerser Pfarrer Christoph Bühler als Feldprediger für einige Minuten der Besinnung. Zuvor greift er mit einem Jungschwinger zu einem Schaukampf zusammen. In seinem kurzen Gottesdienst geht Bühler auf eine Geschichte aus der Bibel ein, die er in einen Zusammenhang mit dem Schwingen setzt: dem Ringkampf zwischen dem Propheten Jakob und Gott. Letzterer stellt während der Begegnung fest, dass er seinen Widersacher trotz seiner Fähigkeiten nicht auf den Rücken werfen kann. «Gott verhandelte mit Jakob und bat ihn, ihn gehen zu lassen», so Bühler. Jakob stellte Gott die Bedingung, er solle ihn segnen. Gott nannte Jakob in der Folge Israel. «Das kann bedeuten ‹Gott schwingt für dich› oder ‹Gott setzt sich für dich ein›.» Bühler betet für die Zuschauer, wünscht den Schwingern einen gelungenen Kampf ohne Verletzungen und dem verletzten Schwingerkönig Matthias Glarner Gesundheit, welcher der Stargast am Südwestschweizer Teilverbandsfest hätte sein sollen. Kirchenglocken geben dem Gottesdienst und dem abschliessenden «Unser Vater» die musikalische Begleitung.

Eine besondere Attraktivität von Schwingfesten ist die Nähe des Publikums zum Geschehen, die vordersten Reihen auf den Sitzbänken sind nur wenige Meter von den Ringen entfernt. Die Zuschauer können den Kämpfen der Schwinger aus unmittelbarer Nähe beiwohnen. Auf den Rängen geht es dennoch gesittet zu und her. Etwas Begeisterung brandet nur dann auf, wenn bekanntere Schwinger in den Ring steigen; so zum Beispiel, wenn der einheimische Hoffnungsträger Lario Kramer aus Galmiz loslegt und seine Gegner auf den Rücken zwingt. Da in der Arena vier Paarungen gleichzeitig kämpfen, schauen alle in eine andere Richtung und interessieren sich für einen anderen Kampf.

Die Begeisterung der Kerzerser

Nach der Stärkung in der Mittagspause und einem Besuch beim Unterstand mit den drei Lebendpreisen – dem Muni Bodenlegerchampion, dem Rind Petra und dem Fohlen Simcha la Chasse – nehmen die Zuschauer die Plätze wieder ein und sehen sich die letzten drei Gänge an. Nicole Schwab, Gemeindepräsidentin von Kerzers, die auf der gedeckten Tribüne dem Geschehen beiwohnt, ist begeistert: «Es ist sensationell, diesen Anlass hier in Kerzers zu haben. Es passt einfach alles.» Die Bevölkerung habe sich auf den Anlass gefreut und sei hinter den Organisatoren gestanden. Sie sei auch froh über die guten Ergebnisse der Kerzerser Schwinger. Unter den Zuschauern ist auch die Kerzerser Alt-Gemeindepräsidentin und Grossrätin Susanne Schwander. Sie freue sich darüber, was die Kerzerser da auf die Beine gestellt hätten, sagt sie. «Die Stimmung ist hervorragend.» Vor rund 20 Jahren habe in Kerzers das letzte grössere Schwingfest stattgefunden. Sie habe gehört, dass da damals kaum jemand hingegangen sei. «Heute aber sind so viele Kerzerser hier auf dem Platz, das ist wunderschön.»

«Es hat alles geklappt»

Der Wettergott hat getan, was sich die Verantwortlichen von ihm gewünscht hatten. Es ist hervorragendes Schwingfestwetter: schön, aber immer etwas wolkenverhangen und vor allem nicht heiss. OK-Präsident Daniel Brandt ist nach dem Fest entsprechend überglücklich. «Wir konnten hier gemeinsam ein Wahnsinnsfest feiern», sagte er nach dem Schlussgang mit etwas zitternder Stimme. «Ich sehe ein Lächeln in den Gesichtern der Besucher; sie sind begeistert.» Es habe alles geklappt, und ihm seien keine gravierenden Zwischenfälle zu Ohren gekommen. Er gehe davon aus, dass weit über 3000 Besucherinnen und Besucher auf den Festplatz gekommen sind. Das sei ein grosser Erfolg und mache ihn wunschlos glücklich, sagt der frühere Topschwinger. «Mein Herz zerspringt fast vor Freude, ich finde keine Worte. Es ist einfach nur super.»

«Ich sehe ein Lächeln in den Gesichtern der Besucher; sie sind begeistert.»

Daniel Brandt

OK-Präsident

«Mein Herz zerspringt fast vor Freude, ich finde keine Worte. Es ist einfach nur super.»

Daniel Brandt

OK-Präsident