Unihockey 18.01.2018

Von der Teamleaderin zum Nobody

Wird am Samstag wieder in Giffers spielen, allerdings im Dress des UHC Dietlikon: Die Senslerin Christelle Wohlhauser.
Bei Ärgera Giffers war Christelle Wohlhauser jahrelang Teamleaderin, bei ihrem neuen Verein UHC Dietlikon muss sie sich in der Hierarchie erst noch nach oben arbeiten. Am Wochenende kommt es für die 26-Jährige zu einem Wiedersehen mit ihrem Ex-Klub.

Wenn an diesem Wochenende die beiden NLA-Teams Ärgera Giffers und UHC Dietlikon gegeneinander antreten, wird eine Spielerin vor dem Anpfiff besonders nervös sein: Christelle Wohlhauser. In aufgewachsen hat die 26-Jährige insgesamt acht Saisons für Ärgera gespielt. Sie hat mit dem Verein sämtliche Höhen und Tiefen durchlebt, wurde mit ihm NLB-Meister und stieg 2014 in die Nationalliga A auf.

Im letzten Sommer entschied sich Wohlhauser, ihren Herzensverein zu verlassen und ins Zürcher Unterland zu wechseln. «Ich werde bestimmt mega nervös sein, gegen meine ehemaligen und langjährigen Teamkolleginnen zu spielen», blickt die Senslerin, die inzwischen in Hinwil  ZH wohnt, auf die Partie vom Samstag in Giffers (20 Uhr) voraus. «Ich weiss, dass ich in Giffers herzlich empfangen werde. Dennoch wird es ein komisches Gefühl sein, mich in der falschen Garderobe umzuziehen und in der Halle auf dem falschen Bänkli Platz nehmen zu müssen.»

Veränderte Rollen

Mit 23 Skorerpunkten war Christelle Wohlhauser letzte Saison hinter Christel Köstinger die zweitbeste Skorerin der Freiburgerinnen. In den letzten fünf Jahren hat sie für Ärgera 121 Spiele bestritten und dabei 125 Skorerpunkte (77  Tore/48 Assists) gesammelt. Auch wenn Unihockey ein Mannschaftssport ist, so hatte die treffsichere Stürmerin mit ihrem ausgeprägten Torinstinkt doch massgeblichen Anteil am Höhenflug der Senslerinnen. Wohlhausers Konstanz blieb von der Konkurrenz nicht unbemerkt, weshalb die Senslerin im vergangenen Sommer von mehreren NLA-Vereinen umgarnt wurde. «Nach so vielen Jahren bei Ärgera war es Zeit für einen Wechsel», blickt Wohlhauser zurück. «Mit Giffers habe ich viele schöne Momente erlebt. Ich habe mir aber die Frage gestellt, was ich im Unihockey noch erreichen will. Man braucht Herausforderungen, wenn man persönlich weiterkommen will. Mich in einem anderen Umfeld neu zu beweisen, in einem neuen Team eine Rolle auszufüllen, das hat mich gereizt.»

Bei Ärgera gehörte Christelle Wohlhauser quasi zum Inventar. Ihr Wort hatte Gewicht, ihre sportlichen Fähigkeiten waren fürs Team unverzichtbar. «Ich konnte in einem Training auch mal nicht gut sein, gespielt habe ich dann doch immer.» Beim fünffachen Schweizer Meister UHC Dietlikon geniesst sie keinen Heldenstatus, im Teamgefüge musste sie sich unten einordnen. Die interne Konkurrenz ist gross: Sechs Schweizer Nationalspielerinnen und einige starke Ausländerinnen gehören dem Kader an. Wohlhauser muss sich in jedem Spiel, in jedem Training neu beweisen. «Ich bin nicht mit der Vorstellung nach Dietlikon gekommen, einen Stammplatz in der ersten Sturmlinie zu erhalten», sagt sie. «Das wäre illusorisch. Ich wollte mich für die zweite oder dritte Linie aufdrängen. Das ist mir bisher im Grossen und Ganzen nicht schlecht gelungen.»

Flexibilität ist gefragt

Beim NLA-Titelverteidiger kommt Christelle Wohlhauser vorwiegend in der dritten Sturmformation zum Einsatz. Manchmal – so wie am vergangenen Wochenende gegen UH  Berner Oberland – läuft sie aber auch mit der zweiten Linie auf. «Die Trainerin stellt die Formationen häufig um. Die erste ist fix, die anderen variieren immer. Dadurch habe ich oft eine andere Sturmpartnerin an meiner Seite und andere Verteidigerinnen hinter mir. Das macht es manchmal etwas schwierig, man muss sich immer wieder neu einstellen.»

Schnelligkeit, Übersicht, Torgefährlichkeit und Teamfähigkeit – das sind die Stärken, die Wohlhauser bei Dietlikon in die Waagschale wirft. Acht Tore und drei Assists hat sie bisher für ihren neuen Verein verbuchen können. «Für eine erste Saison ist es aber ganz okay. Gegen die sehr guten Gegner lässt unsere Trainerin nur mit zwei Linien spielen, so komme ich manchmal gar nicht zum Einsatz. In Relation zu meiner Einsatzzeit sind meine elf Skorerpunkte in Ordnung. Aber natürlich könnte die Ausbeute noch besser sein.»

Dietlikon hinter den eigenen Ansprüchen zurück

Mit der bisherigen Ausbeute ist auch der UHC Dietlikon nicht ganz zufrieden. Die hohen Erwartungen konnten die Zürcherinnen, die letztes Jahr ihren sechstes Meistertitel gewonnen und dank des Cupsieges das vierte Double der Vereinsgeschichte bejubeln konnten, bisher nicht erfüllen. Den angestrebten Finaleinzug beim europäischen Champions Cup in Finnland haben sie Anfang Oktober wegen einer 1:5-Niederlage gegen Tampere verpasst. Und am Wochenende schieden sie im Halbfinal des Schweizer Cup gegen Piranha Chur (2:6) aus. Erstmals seit drei Jahren findet damit ein Cupfinal ohne den UHC Dietlikon statt. «In beiden Wettbewerben war es das Ziel des Vereins, in den Final vorzustossen», sagt Wohlhauser enttäuscht.

Damit tanzt ihr Verein in dieser Saison nur noch auf einer Hochzeit, doch auch in der Meisterschaft läuft es nicht so gut wie erhofft. Chur ist an der Tabellenspitze enteilt, Titelverteidiger Dietlikon streitet sich mit den Skorpion Emmental Zollbrück und den Wizards Bern Burgdorf um Platz zwei. «Mit der Schwedin Linn Lund­ström und der Finnin Laura Mertsalmi haben im Sommer zwei Verteidigerinnen, die eine tragende Rolle gespielt haben, den Verein verlassen. Dadurch sind wir in der Defensive verwundbarer als letzte Saison», erklärt Wohlhauser. Dennoch ist sie optimistisch, was den weiteren Saisonverlauf anbelangt. «Chur liegt momentan zwar an der Spitze, wir haben aber die Qualität, um wieder Meister zu werden.»

Zwei Welten

Auch wenn die Zürcherinnen leistungsmässig (noch) nicht auf dem Niveau des Vorjahres sind, so haben sie doch achtzehn Punkte mehr auf dem Konto als Ärgera Giffers, mit dem sie sich am Samstag auswärts und am Sonntag zu Hause (16 Uhr) duellieren. Was macht ihr aktueller Verein denn so viel stärker als ihr langjähriger Stammklub? «Der ganze Verein ist professioneller aufgestellt», erklärt Wohlhauser. «Der ganze Trainingsumfang ist viel grösser. Es stehen mehr Hallenzeiten zur Verfügung, jede Spielerin hat ein Fitnessabo. Wie bei Ärgera haben wir drei Teamtrainings pro Woche, daneben gibt es aber noch zwei bis drei zusätzliche Kraft- und Ausdauertrainings.» Zudem gebe es viel mehr individuelle Trainings, und die Einheiten seien intensiver. «Giffers schlägt sich bisher aber sehr gut. Wir werden uns hüten, den Gegner zu unterschätzen.»

«Es wäre vermessen, einen Stammplatz in der ersten Sturmlinie zu wollen.»

Christelle Wohlhauser

Stürmerin UHC Dietlikon