Unihockey 06.04.2017

Noch fehlt im Märchen das letzte Kapitel

Freiburgs Captain Olivier Müller (links) im Duell mit Olten-Verteidiger Roman Pass.
Mit einem Sieg in Olten kann Unihockey Freiburg morgen in die Nationalliga B aufsteigen. Im Interview spricht Captain Olivier Müller über die Schlüssel zum Sieg, die Unihockey-Euphorie und die Wandlung von der sympathischen Losermannschaft zum 1.-Liga-Meister.

UH Freiburg liegt in der Auf-/Abstiegsserie (Best of 5) gegen NLB-Team Mittelland Olten Zofingen 2:1 vorne. Mit einem Sieg morgen (20 Uhr) in Olten könnten die Freiburger damit die Serie für sich entscheiden. Eine grosse Genugtuung wäre das auch für Stürmer und Captain Olivier Müller. Der 29-jährige Stadtfreiburger spielt seit der Gründung des Clubs 2008 für Unihockey Freiburg und hat dabei zahlreiche Tiefschläge und vergebliche Anläufe in Richtung NLB miterlebt …

«Lustigerweise schwirren seit Jahren Ideen in unseren Köpfen herum, doch momentan wagt es niemand, darüber zu sprechen.»

Olivier Müller

Captain Unihockey Freiburg

 

Olivier Müller, Unihockey Freiburg ist noch einen Sieg vom Aufstieg in die Nationalliga B entfernt. Beschreiben Sie die Gemütslage der Spieler.

Die Stimmung ist sehr gut, wir sind endlich dort, wo wir sein wollen. Wir wissen, dass das nun die grosse Chance ist, deswegen ist selbstverständlich auch eine gewisse Anspannung vorhanden.

Ist das Team nervös?

Nein, ich würde es wirklich als positive Anspannung bezeichnen. In Gesprächen untereinander und in den Teamsitzungen machen wir uns immer wieder klar, dass wir die Situation als Chance annehmen müssen. Das klappt ganz gut. Wir gehen nicht mit der Einstellung auf das Feld, nicht verlieren zu wollen, sondern im Wissen, viel gewinnen zu können.

In den letzten Jahren hat sich Freiburg den Ruf als sympathische Losermannschaft eingehandelt, die im entscheidenden Moment versagt. In dieser Saison scheint alles anders zu sein. Letzten Sonntag verspielte das Team zwischenzeitlich einen 5:0-Vorsprung, steckte das jedoch weg und gewann am Ende doch noch 8:7. Woher kommt diese plötzliche mentale Stärke?

Wir profitieren viel von den Erfahrungen aus der letzten Saison. Damals hatten wir eine schwierige Qualifikation und stiegen relativ unbeschwert in die Playoffs. Dort haben wir dann gezeigt, dass wir Serien gewinnen können. Es hat uns gutgetan, zu sehen, dass wir auch schwierige Situationen meistern können.

Kam letztes Jahr noch die schmerzliche Erfahrung mit der dramatischen Overtime-Niederlage in der Belle des 1.-Liga-Finals gegen Basel dazu …

Genau, auch das sind Erfahrungen, von denen man später zehren kann. Letztlich haben wir in den Playoff-Serien der letzten Jahre alles bereits einmal erlebt: 0:1 hinten, 1:0 vorne und so weiter und so fort. Uns bringt so schnell nichts mehr aus der Ruhe.

Kommen wir auf die Auf-/Abstiegsserie gegen Olten Zofingen zu sprechen. Wodurch waren die ersten drei Spiele in erster Linie geprägt?

Die wichtigste Feststellung ist wohl: Es ist eine brutal ausgeglichene Serie. Auffällig ist zudem, dass Olten selbst die kleinsten Fehler von uns ausnutzt.

Ist das der grösste Unterschied zwischen einem Gegner aus der 1. Liga und einem aus der NLB?

Für mich persönlich ja. Oft sind es nicht einmal grobe Schnitzer, die zu den Gegentoren führen, die Marge ist einfach extrem klein. Gegen 1.-Liga-Teams hat man oft die Chance, einen Fehler wieder auszubügeln. Gegen Olten mit seinen starken Einzelspielern eher nicht.

Dennoch führt Freiburg in der Serie 2:1. Was hat Ihr Team bisher besser gemacht als der Gegner?

Auf die gesamte Mannschaft betrachtet befinden wir uns auf Augenhöhe. Wir spielen mit drei Linien durch und können so Druck machen. Wenn wir Olten unser Spiel aufzwingen können und den Ball laufen lassen, dann tun sich in der gegnerischen Verteidigung ebenfalls Lücken auf.

Olten spielt nicht immer mit drei Linien durch. Je länger die Serie dauert, desto mehr müsste theoretisch der physische Aspekt zum Vorteil für Freiburg werden …

Ich denke nicht, dass das einen Einfluss auf das Spiel haben wird. Wir haben das bereits letzten Sonntag gesehen. Da haben die Oltner nicht mit drei Linien durchgespielt, ich hatte aber nicht das Gefühl, dass sie im letzten Drittel abbauten. Sie sind sich halt NLB-Rhythmus gewöhnt und physisch deshalb auf der Höhe.

Wäre der Aufstieg für Sie und Ihre Teamkollegen mit einem grossen Mehraufwand verbunden?

Den Trainingsaufwand würden wir nicht erhöhen, wir trainieren bereits dreimal pro Woche. Allerdings könnten die Auswärtsreisen länger werden, da wir gegen Teams wie Ticino, Gordola, Davos-Klosters und Sargans spielen müssten. Aber diesen Mehraufwand würden alle gerne auf sich nehmen, ich habe jedenfalls aus dem Team noch nie eine kritische Stimme diesbezüglich gehört.

Beeindruckend ist der Zuschauerauflauf bei den Heimspielen in Freiburg. Letzten Sonntag verfolgten über 800 Zuschauer die Partie in der Heilig-Kreuz-Halle. Wie erklären Sie sich dieses grosse Interesse?

Schon während der Saison hatten wir sehr gute Zuschauerzahlen. Ich denke es hat damit zu tun, dass wir wirklich ein Team mit Spielern aus der Region sind. Zudem spielt uns vielleicht in die Karten, dass wir als sympathische Losermannschaft gelten. Das hat für die Zuschauer einen gewissen Reiz, sie wollen schauen, ob wir es vielleicht dieses Mal schaffen – das wäre dann so etwas wie ein Märchen.

Das letzte Kapitel könnten Sie bereits am Freitag schreiben. Mit einem Sieg in Olten wäre der Aufstieg in die NLB Tatsache. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Wiederum ein sehr enges. Der Start wird extrem wichtig sein. Wir müssen mit derselben Einstellung in die Partie steigen wie letzten Sonntag und sofort Präsenz markieren. Dann bin ich zuversichtlich, dass wir den Sack zumachen können.

Ist bereits eine Aufstiegsparty geplant?

Lustigerweise schwirren seit Jahren gewisse Ideen in unseren Köpfen herum, jetzt, da der Aufstieg in Griffweite ist, wagt jedoch niemand, darüber zu sprechen. Aber wir würden bestimmt spontan eine Möglichkeit finden, um zu feiern …