Unihockey 12.04.2017

Mit den Aufstiegshelden in die NLB

So gut wie alle Spieler der Aufstiegsmannschaft von Unihockey Freiburg wagen den Sprung in die Nationalliga B.
Unihockey Freiburg wird mit dem Gros des Teams in die NLB aufsteigen, das den Aufstieg geschafft hat. Dennoch ist Sportchef Yvan Jungo auf der Suche nach punktuellen Verstärkungen. Eine Suche, die so ihre Tücken hat.

Nach der Saison ist vor der Saison – das gilt auch für Yvan Jungo, den Sportchef von Unihockey Freiburg, das sich künftig Floorball Freiburg nennen wird. Nach dem dritten Sieg in der Auf-/Abstiegsserie am letzten Freitag gegen Unihockey Mittelland Region Olten Zofingen und der lang ersehnten Promotion in die NLB arbeitet der frühere NLA-Spieler und Schweizer Internationale auf Hochtouren am Kader für die nächste Saison. Bereits jetzt steht fest, dass die Freiburger mehr oder weniger mit der Aufstiegsmannschaft in die zweithöchste Liga gehen werden. «James Rappo wird uns aus beruflichen Gründen verlassen, zudem ist die Zukunft von Torhüter Matthias Stern noch offen. Die restlichen Spieler werden aber bleiben», sagt Jungo, der mit U21-Spieler Loris Roulin, der fix ins Fanionteam integriert wird, einen ersten «Zuzug» vermeldet. Obwohl der Sportchef überzeugt ist, dass Freiburg auch mit dieser Equipe in der NLB mithalten könnte – der letztjährige NLB-Aufsteiger Regio Basel schloss die Qualifikation im dritten Rang ab –, ist er auf der Suche nach Verstärkungen. «Unabhängig davon, ob 1. Liga oder NLB, bin ich schon lange mit Spielern im Kontakt. Es sind noch viele Dossiers offen.»

Die Krux mit Ex-NLA-Spielern

Interesse hat Jungo, der seine Spielerkarriere in Freiburg beendet hat, einerseits an diversen U21-Spielern vom NLA-Club Köniz, die den Sprung in die erste Mannschaft nicht schaffen werden, sowie an ehemaligen NLA-Spielern. Diese für sich zu gewinnen ist allerdings kein leichtes Unterfangen. Der Aufstieg ist diesbezüglich Fluch und Segen zugleich. «Mir ging es damals ja nicht anders. Ich hatte zwar noch viel Spass, zu spielen, doch der Aufwand für die NLA wurde mir zu gross. Dann gehst du eben in die 1. Liga.» Die NLB sei hingegen fast genau so zeitintensiv. «Gerade heute Morgen (Red.: gestern) hat mir deshalb ein Spieler eine Absage erteilt.» Die Freiburger werden ihr Trainingspensum von drei Einheiten pro Woche trotz dem Aufstieg beibehalten. «Mehr ist gar nicht möglich, weil die meisten Spieler voll im Berufsleben stehen.»

Nicht ausschliessen will Jungo, dass Freiburg für die NLB, deren Teams in der abgelaufenen Saison nicht weniger als 34 Ausländer beschäftigt haben, ebenfalls einen Importspieler engagieren wird. «Aber sollte es so weit kommen, muss schon alles passen. Ein Ausländer ist immer mit sehr viel Arbeit verbunden. Du musst eine Wohnung und ein Auto stellen und einen Job für den Spieler finden. Wir holen sicher keinen, nur damit wir einen haben.» Kontakte würden bestehen, es gebe inzwischen Agenten, die ausländische Spieler anbieten würden. «Doch bisher war es schwierig zu planen, weil wir noch nicht wussten, in welcher Liga wir spielen werden.»

Es muss nicht immer ein Trainerwechsel sein

Mehr Gelder zur Verfügung hat Yvan Jungo trotz dem Aufstieg nicht. «Der Verein braucht sicher etwas mehr für die längeren Reisen ins Tessin oder nach Davos, aber für das Team an sich bleibt nicht mehr übrig. Sollte ein wirklich guter Spieler auf dem Markt sein, lässt sich bestimmt darüber diskutieren, zumal wir in dieser Saison mit den vielen Zuschauern in den Playoffs gutes Geld verdient haben, aber wir alle wissen, dass wir finanziell auch schon schwierigere Zeiten hinter uns haben.» Bis auf den möglichen Ausländer werde auch in der NLB kein Spieler Geld verdienen, stellt Jungo klar.

Eine Personalie ist indes geregelt: die des Trainers. «Intern war schon länger klar, dass wir die Zusammenarbeit mit Richard Kaeser fortführen werden, kommuniziert haben wir es aber erst letzte Woche.» Jungo erinnert daran, dass Kaeser vor einem Jahr den Verein fast verlassen hätte, dann aber doch weitergemacht habe. «Trainer und Team wurden ein wenig müde voneinander. Dennoch waren ich und die Mannschaft dafür, dass Kaeser bleibt.» In dieser Saison habe der Trainer dann auch für ihn etwas Spannendes getan, erklärt Jungo. «Er liess ein neues System mit recht hohem Pressing spielen, mit dem wir 2017 nur gerade zwei Partien verloren haben. Dadurch hat Kaeser das Team wieder gefordert und aus dem Alltag herausgerissen. Es muss nicht immer ein Trainerwechsel sein. Mit Kopfarbeit und neuem Diskussionsstoff kann eine Mannschaft auch bei Laune gehalten werden.» Kaeser und sein Staff würden mit Videoanalysen, Trainingslagern und so weiter eine tolle Leistung erbringen. «Wollten wir dieselbe Leistung extern beziehen, würde das einiges mehr kosten.»

Richard Kaeser

«Nicht bloss auf Biegen und Brechen den Abstieg verhindern»

Trainer Richard Kaeser sieht im Hinblick auf die kommende Saison insgesamt nicht allzu grosse Änderungen auf sich und sein Team zukommen. «Ich habe mich noch nicht im Detail damit befasst, aber grundsätzlich werden wir versuchen dieselben Stärken auszuspielen.» Kleine Änderungen im Spielstil sieht er dennoch vor. «Einige Anpassungen müssen wir bestimmt vornehmen. Schliesslich gehen wir erstmals seit langem nicht als Favoriten in die Saison. Wir werden nicht wie bisher Wochenende für Wochenende unsere spielerische Überlegenheit ausspielen können.» Eine Variante könnte sein, einen Tick defensiver zu spielen. «Aber es kommt natürlich auch darauf an, welche Transfers wir noch tätigen können.»

Wenig Erfahrung im Team

Jeder aus dem aktuellen Kader erhalte die Chance, sich in der NLB aufzudrängen, was allerdings nicht unbedingt bedeute, dass nächste Saison auch wirklich jeder zum Zug komme. Über den einen oder anderen Zuzug wäre Kaeser glücklich. «In unserem Team hat es nicht viele Spieler mit Nationalliga-Erfahrung.» Zudem sei eine der Stärken Freiburgs immer die Breite des Kaders gewesen, das solle sich in der NLB nicht ändern. «Das Ziel muss es sein, dass wir auch in der neuen Liga eine Rolle spielen werden und nicht bloss auf Biegen und Brechen den Abstieg zu verhindern versuchen. Ich würde gerne das eine oder andere Ausrufezeichen setzen.»

In Sachen Vorbereitung ändert Kaeser im Vergleich zu den letzten Jahren nichts. Im Mai beginnt Freiburg mit dem Sommertraining, im Juli mit den ersten Hallentrainings. «Aber zunächst einmal geniessen wir in den nächsten zwei Wochen noch den Aufstieg und gönnen uns ein bisschen Erholung.»

fm

 

Am Wochenende wird noch einmal gefeiert: Diesen Samstag findet um 16.30 Uhr in der Heilig-Kreuz-Halle das offizielle Aufstiegsfest von UH Freiburg statt.