Unihockey 21.03.2017

Keine Zeit fürs Wundenlecken

Nach dem Out im Playoff-Viertelfinal gegen UHC Dietlikon richtet Ärgera Giffers seinen Fokus bereits auf die nächste Saison.

Das abgeschlagenes Schlusslicht Ärgera gegen den überlegenen Qualifikationssieger UHC Dietlikon: Der Playoff-Viertelfinal zwischen den Giffersnerinnen und dem grossen Favoriten aus Zürich drohte ein schnelles Ende zu nehmen – und nahm es dann auch. Ärgera wehrte sich am Samstag erneut nach Kräften, konnte dank einer guten Defensivleistung das Spiel bis zur 15. Minute offen halten. Am Ende fiel das Verdikt mit 2:9 dennoch deutlich aus. Ärgeras Hoffnung, mit einem Sieg in der Best-of-5-Serie zumindest eine vierte Partie erzwingen zu können, erfüllte sich nicht. Giffers musste sich eingestehen, dass die spielerische Klasse schlicht nicht ausreichte. Während Dietlikon in sämtlichen Spielen mit drei kompletten Linien agieren konnte, mussten die Senslerinnen ihre besten Kräfte auf zwei Formationen konzentrieren. Die Enttäuschung über das Viertelfinal-Out gegen den übermächtigen Gegner hält sich in Giffers denn auch in Grenzen.

«Habe einiges gutzumachen»

«Als ich am Sonntagmorgen nach der entscheidenden Niederlage aufgewacht bin, hatte ich zwei Gefühle», sagt Ärgeras Trainer Jan Jungo. «Erstens war ich erleichtert, dass die Saison fertig ist. Und zweitens habe ich mich gefragt, wieso sie schon fertig ist.» Als Antwort auf die Frage nach dem Wieso nennt Jungo in erster Linie die fehlende Konstanz. «Unsere Leistungen waren nicht nur innerhalb der einzelnen Spiele, sondern auch über die ganze Saison hinweg zu schwankend. Und leider fehlte uns in den Momenten, in denen wir ein Hoch hatten, oftmals etwas das Glück, so dass wir trotz guter Leistungen ohne Punkte blieben.» Insgesamt überwiege bei ihm ein positives Gefühl, sagt Jan Jungo. «Wir konnten einige Mal zeigen, dass wir nahe dran sind an den anderen Teams.»

Trotz seines an sich positiven Fazits ist der Trainer froh, dass die Meisterschaft vorbei ist. «Ich habe diese Saison nicht das Beste aus dem Team herausholen können», sagt Jan Jungo selbstkritisch. «Oftmals fehlte mir die Zeit, um das Team optimal, zum Beispiel mit Videoanalysen, auf die Partien vorzubereiten. Auch in die Kommunikation mit den Spielerinnen hätte ich mehr investieren sollen. Für mich war klar, dass ich nicht mit einer solchen Leistung aufhören will. Als man mich gefragt hat, ob ich nächste Saison noch Trainer mache, habe ich sofort zugesagt. Sowohl für mich persönlich als auch zusammen mit dem Team gibt es einiges gutzumachen.»

Für den Verein war klar, dass man am Trainer und dem Staff festhält, betont Ärgeras Sportchef Sascha Kolly. «Wir stehen hinter Jan Jungo und seinen beiden Assistenten Thomas Köstinger und Benjamin Abplanalp.» Dass es nach den zahlreichen Abgängen im Sommer keine einfache Saison werden würde, sei allen klar gewesen. «Erschwerend kam noch der spezielle Modus hinzu. Die Tatsache, dass es Ende Saison keinen Absteiger gibt, hat bewirkt, dass einige Spielerinnen anstatt 100 nur 95 Prozent gegeben haben. In den engen Partien hat sich das gerächt.»

Schwierige Spielerinnensuche

Während die Position des Trainers bei Ärgera geklärt ist – Jan Jungo wird im Sense-Oberland seine neunte Saison in Angriff nehmen –, gibt es bei den Spielerinnen noch einige offene Fragezeichen. Klar ist, dass die beiden Torhüterinnen Patricia Roux und Fabienne Etter nächste Saison nicht mehr dabei sind. Auch Verteidigerin Isabelle Wyder und Stürmerin Maria Ruffieux – beide langjährige und verdienstvolle Ärgera-Spielerinnen – verlassen den Verein. «Das sind vier herbe Verluste», sagt Jan Jungo. Und es könnten noch weitere hinzukommen. «Drei, vier Spielerinnen wissen aus beruflichen Gründen oder weil sie Angebote von anderen Vereinen haben, noch nicht, wie es weitergeht. Wir erwarten in den nächsten Tagen ihre Antworten.»

Zuzüge kann Ärgera derweil noch keine vermelden. «Wir sind seit November mit zahlreichen Athletinnen am Verhandeln. Spruchreif ist allerdings noch nichts», sagt Trainer Jan Jungo mit einem leichten Anflug von Resignation. Wie schwierig es ist, Spielerinnen nach Giffers zu locken, hat der Verein bereits im letzten Jahr erfahren müssen. Ärgera leidet darunter, dass Unihockey in der Westschweiz wenig populär ist. Aus der Romandie kommen kaum gut ausgebildete Spielerinnen, und jene aus der Deutschschweiz wechseln nicht unbedingt ins Freiburgerland, gibt es in ihrer Region doch genügend andere Vereine. Und die Tatsache, dass nächste Saison zehn und nicht mehr nur acht Teams in der NLA spielen, macht es für Giffers nicht einfacher. Der Markt an NLA-tauglichen Spielerinnen ist eh schon ziemlich überschaubar.

Telegramm

Dietlikon - Ärgera Giffers 9:2 (2:0, 3:1, 4:1)

Hüenerweid. – 116 Zuschauer. – SR: Brändle/Niedermann. Tore: 15. R. Zellweger (A. Streiff) 1:0. 19. T. Stella (K. Güttinger) 2:0. 27. E. Ganz (L. Gross) 2:1. 30. I. Gerig (A. Gämperli) 3:1. 31. I. Wyder (Eigentor) 4:1. 39. K. Güttinger (E. Ackermann) 5:1. 45. K. Güttinger (S. Zwissler) 6:1. 47. A. Gämperli (I. Gerig) 7:1. 47. E. Ganz 7:2. 54. K. Güttinger (S. Rüegger) 8:2. 59. I. Gerig (L. Lundström) 9:2. Strafen: keine Strafen.

Schlussstand Viertelfinalserie (best of 5): 3:0.